Fr., 11.10.2019

Meier-Scheuven einigt sich mit Betriebsrat auf »positives Signal« Boge leistet Einmalzahlung

Wolf D. Meier-Scheuven führt den Bielefelder Kompressorenhersteller Boge in vierter Generation. Er sieht das Unternehmen nach Turbulenzen wieder auf Kurs.

Wolf D. Meier-Scheuven führt den Bielefelder Kompressorenhersteller Boge in vierter Generation. Er sieht das Unternehmen nach Turbulenzen wieder auf Kurs. Foto: Oliver Horst

Von Oliver Horst

Bielefeld (WB). Einigung im Tauziehen um mehr Geld bei dem von IHK-Präsident Wolf D. Meier-Scheuven geführten Kompressorenhersteller Boge. Das nicht tarifgebundene Bielefelder Unternehmen zahlt seinen Mitarbeitern nach längeren Verhandlungen mit dem Betriebsrat nun für dieses Jahr eine Einmalzahlung zwischen 330 und 480 Euro – wobei untere Lohngruppen die höheren Zahlungen erhalten.

Beschäftigte in den höchsten Lohngruppen sowie außertariflich bezahlte Mitarbeiter erhalten der Einigung zufolge statt mehr Geld einen Urlaubstag extra.

»Rein wirtschaftlich wäre es nach Lage der Dinge vernünftiger gewesen, nichts zu zahlen«, sagte Meier-Scheuven dem WESTFALEN-BLATT mit Blick auf den laufenden »Konsolidierungsprozess und eine spürbare deutliche konjunkturelle Abkühlung« in den vergangenen Wochen. »Aber wir wollten der Belegschaft nach verschiedenen Zumutungen in diesem Jahr ein positives Signal geben und uns für die Loyalität in einem Ausnahmejahr bedanken«, erklärt der geschäftsführende Gesellschafter, der ehrenamtlich Präsident der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen ist .

In die Verlustzone gerutscht

» Nach einer Vielzahl von Maßnahmen sehen wir wieder positiv in die Zukunft «, sagt Meier-Scheuven. Boge war 2018 bei einem Jahresumsatz von 150 Millionen Euro in die Verlustzone gerutscht. Der geschäftsführende Gesellschafter spricht von »Managementfehlern«. 2019 folgte deshalb die Trennung von zwei langjährigen Führungskräften und die Reaktivierung des im Jahr 2011 ausgeschiedenen langjährigen Geschäftsführers Rolf Struppek.

Zudem wurden rund 40 der zuvor 590 Arbeitsplätze in Bielefeld abgebaut. Im Zuge dieses Personalabbaus habe es vier betriebsbedingte Kündigungen gegeben, erklärt Meier-Scheuven. Der von einer betroffenen Mitarbeiterin geforderte Sonderkündigungsschutz nach dem Pflegezeitgesetz sei vom Arbeitsgericht Bielefeld verneint worden.

Maßnahmen greifen

»Die Maßnahmen zur Konsolidierung greifen. Wir haben unsere Ziele beim Personalabbau soweit erreicht«, sagt Meier-Scheuven. »Deshalb haben wir auch gegenüber der Belegschaft die Phase des aktiven, konzentrierten Personalabbaus für beendet erklärt.« Der Einstellungsstopp bleibe aber vorläufig bestehen. Für das laufende Jahr erwartet Meier-Scheuven schwarze Zahlen. 2020 solle Boge beim Ergebnis »wieder das Normalmaß« mit einem Überschuss in Millionenhöhe erreichen.

Derweil laufen Verhandlungen über einen Haustarifvertrag – der letzte lief Mitte 2016 aus. Betriebsratschef Rainer Händler strebt dabei die »volle Umsetzung der Regeln des Flächentarifs« an. In den vergangenen Jahren hatte Boge immer analog zum Flächentarif der Metall- und Elektroindustrie freiwillig sämtliche Lohnerhöhungen geleistet. In diesem Jahr wich die Firmenleitung erstmals davon ab. Während die jetzt vereinbarte Einmalzahlung das tarifliche Zusatzentgelt teilweise ersetzt, wird ein im Flächentarif zusätzlich vorgesehener pauschaler Zusatzbeitrag von 400 Euro von Boge nicht gezahlt.

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