Sa., 12.10.2019

Sparkasse Minden-Lübbecke will keine hohen Prämien mehr zahlen 1200 Sparverträge gekündigt

Die ersten Sparkassen-Kunden in OWL haben Kündigungen erhalten.

Die ersten Sparkassen-Kunden in OWL haben Kündigungen erhalten. Foto: dpa

Von Paul Edgar Fels

Lübbecke (WB). Als vermutlich erste Sparkasse in OWL hat die Sparkasse Minden-Lübbecke jetzt 1200 ihrer in der Regel gut verzinsten und langjährigen rund 7000 Sparverträge zum Jahresende gekündigt. »Wir haben geprüft, welche Verträge wir auf Basis eines Urteils des Bundesgerichtshofs kündigen können«, sagte Sprecher Gerald Watermann am Freitag. Das Gericht hatte im Mai geurteilt, dass ein Kündigungsrecht besteht, wenn die oberste Prämienstufe erreicht ist.

Die Sparkasse Minden-Lübbecke (2,3 Milliarden Euro Bilanzsumme) spart Watermann zufolge einen Betrag in »mittlerer sechsstelliger Höhe pro Jahr«. Alle Sparverträge zusammen betrachtet machten einen Betrag im siebenstelligen Bereich aus.

Hintergrund: Banken und Sparkassen leiden seit Monaten unter der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie selbst müssen für bei der EZB hinterlegtes Geld so genannte Strafzinsen zahlen – seit kurzem 0,5 Prozent.

Die nun gekündigten Prämiensparverträge laufen zum Teil seit rund 20 Jahren. Für sie musste die Sparkasse zuletzt relativ hohe Prämien zahlen. Beispiel: Bei einer Sparsumme von 500 Euro im Jahr wurden den Kunden in der höchsten Stufe 375 Euro gezahlt – 75 Prozent. Zum Vergleich: Auf dem Sparbuch bekommen Kunden derzeit für ihr Geld so gut wie keine Zinsen mehr.

So reagieren größere Institute in OWL

Andere größere Institute in OWL wie die Sparkassen in Herford (2800 Prämiensparverträge), Paderborn-Detmold und Bielefeld (jeweils keine Angaben) sowie die Volksbanken in Bielefeld/Gütersloh sowie Paderborn/Höxter/Detmold erklärten auf Anfrage, dass sie keine Kündigungspläne für Sparverträge ihrer Kunden hätten. »Wir beobachten den Markt«, sagte Christoph Kaleschke, der Sprecher der Sparkassen Bielefeld. Dennis Will, Sprecher der Volksbank Bielefeld-Gütersloh, sagte: »Bei uns machen Prämiensparverträge wie diese nur einen sehr geringen Teil unserer Kundenspareinlagen aus.«

Laut einer Auflistung des »Handelsblatts« haben deutschlandweit bereits etwa 50 der 380 Sparkassen die Prämiensparverträge gekündigt. Bundesweiter Vorreiter war die Leipziger Sparkasse. Verbraucherschützer empfehlen allerdings den Kunden, die Kündigung im Zweifelsfall juristisch prüfen zu lassen.

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