Robert Tönnies will vor Gericht Auskünfte zur Expansion erzwingen
Klage wegen China-Plänen

Rheda-Wiedenbrück  (WB). Der Familienstreit an der Spitze des Fleischkonzerns Tönnies spitzt sich immer weiter zu. 50-Prozent-Gesellschafter Robert Tönnies (41) sieht sich bei den vor Monatsfrist vom Rheda-Wiedenbrücker Unternehmen verkündeten Expansionsplänen in China getäuscht. Mit einer Klage beim Landgericht Bielefeld will er Auskünfte zu dem Projekt erzwingen. Die mündliche Verhandlung ist für den 8. November terminiert.

Donnerstag, 24.10.2019, 05:30 Uhr
Klagt gegen seinen eigenen Konzern: Robert Tönnies. Foto: Oliver Schwabe
Klagt gegen seinen eigenen Konzern: Robert Tönnies. Foto: Oliver Schwabe

Verhandlung für den 8. November terminiert

Der Fleischkonzern hatte Ende September bekanntgegeben, in einem Joint-Venture mit der Dekon Group als lokalem Partner einen Schlacht- und Zerlegebetrieb sowie Mastanlagen in China aufbauen zu wollen . Die Gesamtinvestition solle sich auf 500 Millionen Euro belaufen, wovon Dekon dem Vernehmen nach einen größeren Teil trägt. Die Grundsteinlegung soll 2020 erfolgen, die Produktion 2022 anlaufen.

Von der Dimension überrascht

Robert Tönnies zeigte sich am Tag nach der Ankündigung des Vorhabens zur weiteren Internationalisierung des Konzerns von der Dimension völlig überrascht. Er beklagte, nicht hinreichend informiert worden zu sein. Im Konzernbeirat habe das Thema zwar auf der Tagesordnung gestanden. Dort sei das Projekt aber nur mit einem Volumen von vier Millionen Euro vorgestellt worden. Zustimmungspflicht besteht erst bei Geschäften ab zehn Millionen.

»Größenwahn« vorgeworfen

Der Neffe von Konzernlenker Clemens Tönnies (63) warf seinem Onkel daraufhin Täuschung oder »Größenwahn« vor. Er kündigte an, das Thema in der nächsten Beiratssitzung am 2. Dezember klären zu wollen. Weil ihm die Geschäftsführung Einsicht in Unterlagen verweigere, wolle er nun mit Hilfe des Landgerichts Auskünfte einklagen. Paradox: Von Konzernseite könnte der von Robert Tönnies selbst bestellte Geschäftsführer Andres Ruff ins Gericht entsandt werden, den der Gesellschafter schon absägen wollte.

Konzernsprecher: China-Pläne mit allen Gremien abgestimmt

Ein Konzernsprecher bekräftigte gestern nochmals, dass die China-Pläne mit allen Gremien des Unternehmens abgestimmt seien. Das Handeln des Mitgesellschafters – die anderen 50 Prozent halten Clemens Tönnies und dessen Sohn Maximilian – sei nicht im Sinne des gemeinsamen Konzerns, sondern verfolge offenbar nur persönliche Ziele. In diese Richtung seien auch dessen Äußerungen von Dienstag zum Urteil des geschassten Geschäftsführers Reinhard Quante zu werten.

Robert Tönnies hatte erklärt, der Richterspruch sei eine weitere Feststellung, »dass Clemens Tönnies gegen unseren Einigungsvertrag verstoßen hat. Auch dieses Thema zeigt, dass es am vernünftigsten wäre, wenn sich die Gesellschafter trennen. Leider ist mein Onkel dazu nach wie vor nicht bereit.«

Unternehmen sieht sich bestätigt

Der Konzern sieht derweil in der Personalie Quante das Handeln von Geschäftsführung und Beirat bestätigt, weil die Abberufung des Geschäftsführers für wirksam erklärt wurde. Nur der Automatismus einer gleichbedeutenden Kündigung war vom Gericht wegen einer unangemessenen Benachteiligung durch das Vertragswerk verneint worden. Der Konzern soll Quante deshalb 311.000 Euro Gehalt nachzahlen. Bis zum Ablauf des Vertrags im November 2020 wären noch einmal zusammen rund 400.000 Euro fällig. Das Unternehmen prüft, ob es gegen das Urteil Berufung einlegt.

Robert Tönnies hat im Sommer ein Schiedsverfahren angestoßen. Er fordert zur Trennung von seinen Mitgesellschaftern einen geordneten Verkauf des Konzerns.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7018522?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2509831%2F2198339%2F
Komikerlegende Fips Asmussen gestorben
Fips Asmussen ist tot.
Nachrichten-Ticker