Sa., 09.11.2019

Im Streit beim Fleischkonzern Tönnies scheint eine Trennung alternativlos Unversöhnlicher denn je

Drei Gesellschafter, zwei Lager beim Rheda-Wiedenbrücker Fleischkonzern Tönnies: 50-Prozent-Inhaber Robert Tönnies (von rechts) streitet erbittert mit seinem Onkel und Konzernlenker Clemens Tönnies sowie seinem Cousin Maximilian Tönnies.

Drei Gesellschafter, zwei Lager beim Rheda-Wiedenbrücker Fleischkonzern Tönnies: 50-Prozent-Inhaber Robert Tönnies (von rechts) streitet erbittert mit seinem Onkel und Konzernlenker Clemens Tönnies sowie seinem Cousin Maximilian Tönnies. Foto: dpa

Von Oliver Horst

Rheda-Wiedenbrück (WB). Der Familienstreit an der Spitze des Fleischkonzerns Tönnies nimmt immer unversöhnlichere Züge an. Selbst ein am Freitag entfallener Gerichtstermin schlägt hohe Wellen. Eine Trennung der Gesellschafter erscheint inzwischen alternativlos.

Im April 2017 hatten die 50-Prozent-Inhaber Robert Tönnies (41) auf der einen und sein Onkel Clemens Tönnies (63) sowie dessen Sohn Maximilian (29) auf der anderen Seite einen Friedensvertrag geschlossen. Zweieinhalb Jahre später stehen sie sich jetzt zerstrittener gegenüber denn je.

Robert Tönnies spricht von Zerrüttung – und fordert den im Friedensvertrag für diesen Fall vorgesehen Verkauf des Rheda-Wiedenbrücker Konzerns (16.500 Beschäftigte/6,65 Milliarden Umsatz).

Fronten verhärtet

Onkel und Neffe kommen auf keinen gemeinsamen Nenner mehr. Sagt der eine A, sagt der andere automatisch B, heißt es aus dem Umfeld. Vor Gericht wollte Robert Tönnies am Freitag Auskünfte von seiner eigenen Firma zu einem geplanten Millionenprojekt in China einklagen. Die Einstweilige Verfügung zog er tags zuvor zurück, weil die Geschäftsleitung »in letzter Sekunde unter dem Druck des anstehenden Gerichtstermins die nötigen Unterlagen geliefert« habe. Der Konzern widerspricht entschieden, wirft Robert Tönnies »den Missbrauch von Gerichten« und eine »öffentliche Inszenierung« vor. Der Gesellschafter habe alle Informationen schon früher erhalten. Es ist ein Beispiel, das zeigt, wie verhärtet die Fronten sind.

Robert Tönnies wirft seinem Onkel und Konzernlenker Clemens Tönnies wiederholte schwere Verstöße gegen den Friedensvertrag vor. Obwohl diverse Auszahlungen unwiderruflich festgelegt waren, wartet der Gesellschafter auf Geld vom Konzern. So sollten Ende Juni 20 Millionen Euro fließen. Das Geld ist eine von zwei Tranchen, mit denen Robert Tönnies den noch fälligen Kaufpreis für den 2011 von seinem nierenkranken Bruder erworbenen 25-Prozent-Anteil begleichen will.

Ausschüttungssperre für Gesellschafter

Zudem hat der Gesellschafter Ausschüttungen für die Jahre 2017 und 2018 nicht erhalten, die sich auf rund acht Millionen Euro summieren sollen. Der Konzern begründet dies mit einer »wirtschaftlich herausfordernden Situation«, in der das Geld im Unternehmen bleiben solle. Der in Streitfällen zuständige, siebenköpfige Beirat habe dies mit Stimmenmehrheit entschieden. Die Ausschüttungssperre gelte für die beiden anderen Gesellschafter gleichermaßen. Clemens Tönnies erhält derweil eine Vergütung als Geschäftsführer von fünf Millionen Euro netto. Auch dessen Sohn Maximilian, der fünf Prozent der Anteile halten soll, ist als Geschäftsführer in der Gruppe tätig.

Im Umfeld von Robert Tönnies wird deshalb gemutmaßt, dass versucht wird, ihn finanziell auszutrocknen. Wohl auch, um ihm teure Prozesse zu verleiden. Wegen der ausstehenden Zahlungen hat Robert Tönnies Klagen bei Schiedsgerichten eingereicht. Im 20-Millionen-Fall wird eine Entscheidung bis Mitte 2020 erwartet.

Unfrieden gibt es auch wegen der zwei von Robert Tönnies bestellten Konzern-Geschäftsführer. Andres Ruff und Dr. Stefan Gros will der Gesellschafter wieder abberufen. Clemens Tönnies und der Beirat halten sie aber im Amt.

Nichtöffentliches Schiedsgericht soll bewerten

Beim China-Projekt sieht sich Robert Tönnies getäuscht. Die wahre Investitionshöhe werde verschleiert, die Zustimmungspflicht des Beirats so umgangen.

Diese und weitere Vorfälle soll nun ein nichtöffentliches Schiedsgericht bewerten. Robert Tönnies hat im Sommer eine entsprechende Klage eingereicht. Mit einer ersten mündlichen Verhandlung wird im ersten Halbjahr 2020 gerechnet. Kommt das Schiedsgericht zur Entscheidung, dass es sich um grobe Verstöße handelt, wäre der Weg für den Verkaufsprozess frei. Beide Seiten wollen dann Angebote machen für den Konzern, dessen Wert auf mindestens 1,6 Milliarden Euro taxiert wird. Aber auch externe Investoren könnten einsteigen.

Robert Tönnies will die Trennung in einem fairen Bieterwettstreit, heißt es. Erhält er am Ende den Zuschlag, wolle er im Konzern operativ arbeiten, neue Wege bei Tierwohl und Werkverträgen sowie Fleischalternativen beschreiten. Den eingeschlagenen Kurs könne nur ein radikales Umdenken des Onkels verändern – oder eine gute Kaufofferte von ihm.

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