Gericht: Süßwarenkonzern hat Nährwertangaben falsch platziert
Storck verliert Rechtsstreit

Berlin/Halle(WB). Die vom Süßwarenhersteller Storck auf Bonbon-Verpackungen abgedruckten Vitamin- und Nährwerttabellen waren unzulässig. Das hat das Kammergericht in Berlin nach einer Klage des Verbraucherzentrale-Bundesverbands (vzbv) gegen das Familienunternehmen entschieden und damit die Berufung gegen das Urteil des Landgerichts Berlin zurückgewiesen.

Freitag, 06.12.2019, 05:45 Uhr aktualisiert: 06.12.2019, 06:02 Uhr
So wollten es die Verbraucherschützer: In der Tabelle links müssen Angaben wie Fett- und Zuckergehalt stehen. Auf diese Seite fällt der Blick des Konsumenten zuerst, heißt es. Rechts sind die Vitaminangaben platziert. Zuvor war es andersherum. Foto: Christian Althoff
So wollten es die Verbraucherschützer: In der Tabelle links müssen Angaben wie Fett- und Zuckergehalt stehen. Auf diese Seite fällt der Blick des Konsumenten zuerst, heißt es. Rechts sind die Vitaminangaben platziert. Zuvor war es andersherum. Foto: Christian Althoff

Gericht: Pflichtangaben nicht zuerst genannt

Nach Ansicht des Gerichtes habe Storck Pflichtangaben bezüglich Fett und Zucker gegenüber Angaben zu Vitaminen nicht wie vorgeschrieben zuerst genannt. Der Verband monierte zuvor eine nicht unerhebliche Gefahr der Irreführung der Verbraucher. Storck mochte das Urteil am Donnerstag nicht kommentieren.

„Es ist wichtig, dass Verbraucher Angaben über Zucker und Fett auf den ersten Blick erkennen können“, sagte Susanne Einsiedler, Rechtsreferentin beim vzbv. „Deshalb dürfen Vitaminangaben auf Bonbon-Tüten nicht in den Vordergrund gestellt werden.“

Enthaltene Vitamine am Ende der Nährwert-Tabelle

In dem Rechtsstreit ging es um Nährwert- und Vitaminangaben auf der Verpackung der in Halle produzierten „nimm2 Orangen- und Zitronenbonbons“. Unter der Überschrift „Jedes nimm2 enthält zusätzlich eine Kombination von Vitaminen“ waren den Verbraucherschützern zufolge zwei Tabellen abgedruckt: links eine Tabelle mit dem Anteil an Vitaminen, rechts daneben eine mit den gesetzlich vorgeschriebenen Angaben zu den Nährwerten des Produkts. Diese enthielten unter anderem den Zuckergehalt der Bonbons.

Das Berliner Kammergericht schloss sich der Auffassung des vzbv an, dass diese Gestaltung gegen die europäische Lebensmittelinformationsverordnung verstößt. Danach müssen die Pflichtangaben zu den Nährwerten in einer Tabelle und in der vorgeschriebenen Reihenfolge gemacht werden. Enthaltene Vitamine dürfen zusätzlich, aber erst am Ende der Tabelle nach den Nährwerten genannt werden, betonte der vzbz.

Beschluss ist noch nicht rechtskräftig

Nach Ansicht der Richter würden Tabellen in Europa grundsätzlich von links nach rechts und von oben nach unten gelesen. Deshalb werde die Aufmerksamkeit der Verbraucher vor allem auf die Vitamine in der linken Tabelle gelenkt, während die Pflichtangaben zu den Nährwerten in den Hintergrund gerieten und weniger wahrgenommen würden. Die Gestaltung der Produktaufmachung spreche dafür, dass der Hersteller genau dies beabsichtigt habe.

Storck hat auf die Kritik schon vor Monaten und damit vor dem Urteil reagiert. Die Tabellen auf der Rückseite der Bonbon-Tüte sind jetzt so angeordnet, dass auf der linken Seite über Fett und Zucker informiert wird. Die „nimm2“-Bonbons werden wie auch „Werthers Echte“ und die Schokoküsse „Diekmann’s“ in Halle hergestellt. Der Beschluss des Kammergerichts (es entspricht einem nordrhein-westfälischen Oberlandesgericht) ist noch nicht rechtskräftig. Az.: 5 U 2/19

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