Unternehmerin Theres Sudbrock hat ihre Rolle im Familienbetrieb gefunden
Sie setzt Möbel in Szene

Rietberg (WB). Theres Sudbrock ist die Kreative im Unternehmen, »die Künstlerin«, wie sie gerne sagt. Zusammen mit ihrem Mann Johannes führt die 47-Jährige den Möbelhersteller Sudbrock in Rietberg – einen Betrieb mit rund 100 Beschäftigten. »Wir haben ein schönes Produkt«, betont Theres Sudbrock und lächelt. Dass sie einmal Unternehmerin sein würde, war lange Zeit völlig unklar.

Dienstag, 10.12.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 10.12.2019, 07:14 Uhr
Theres Sudbrock steht vor einem Sideboard aus dem Rietberger Möbelwerk. Darüber hängen grafische Darstellungen. »Die stammen von mir«, sagt sie. Foto: Paul Edgar Fels
Theres Sudbrock steht vor einem Sideboard aus dem Rietberger Möbelwerk. Darüber hängen grafische Darstellungen. »Die stammen von mir«, sagt sie. Foto: Paul Edgar Fels

Dabei stammt Theres Sudbrock sogar aus einer Unternehmerfamilie. Ihre Eltern besaßen in Rietberg-Bokel ein Baugeschäft, hatten damals 30 Maurer beschäftigt. Inzwischen ist der Betrieb extern verkauft.

»Mich hat eher Design und Kunst interessiert«

Theres Sudbrock hatte andere Leidenschaften, als sich mit Mörtel und Ziegeln befassen zu wollen, was sie nach dem Abitur zwei Monate lang probte. »Mich hat eher Design und Kunst interessiert«, blickt sie zurück. Ebenso fasziniert war sie von Farben, Grafik und Typografie.

Ihre Leidenschaft aber gehörte dem Tanzen – hier vor allem dem Jazztanz – und der Musik. Und so stürzte sie sich nach der Höheren Handelsschule im Jahr 1992 bis 1993 in ein kulturell-soziales Jahr mit der Bildungsorganisation Up with People. Gemeinsam mit 130 jungen Leuten war sie auf Musical-Welt-Tournee. »Ich habe in 77 Gastfamilien gewohnt und Congas spielen gelernt«, erzählt sie.

Im Nachhinein war es eine Zeit, in der Theres Sudbrock lernte, Chancen zu nutzen, wenn sie kommen und selbst die Initiative zu ergreifen, wenn es nötig ist, wie sie selbst berichtet. Zudem entdeckte sie ihre Freude an Kommunikation, Layout und Werbung. Und so machte sie eine Ausbildung als Druckvorlagenherstellerin – ein Handwerk als Grundlage für das weitere Berufsleben sollte es sein.

Doch zunächst arbeitete sie rund ein Jahr als PR-Beraterin für Up With People. Anschließend schnupperte sie für zwei Monate in die Tätigkeit eines lokalen Radiosenders hinein. »Ich war an allem interessiert.« Weil sie sich nicht entscheiden konnte, wählte sie ein möglichst umfassendes Studium: Angewandte Kulturwissenschaften in Lüneburg. »Ich hatte kein richtiges Ziel«, sagt Theres Sudbrock über ihre Zeit als Anfang 20-Jährige – womit sie keineswegs allein ist.

Mit 25 lernt sie ihren Ehemann kennen

Dann kam das Jahr 1997. Ein Wendejahr in gewisser Hinsicht. Theres Sudbrock, zu dieser Zeit 25, lernte den zehn Jahre älteren Johannes Sudbrock kennen, damals Juniorchef des gleichnamigen Möbelherstellers. Zwei Jahre später heirateten sie. Im gleichen Jahr kam die erste Tochter zur Welt, drei Jahre später die zweite Tochter. Ein weiteres Jahr später schloss sie ihr Studium ab – als Magister Artium in den Fächern Kommunikation und Kulturgeographie. »Meine Magisterarbeit über die regionale Identität im Kreis Gütersloh ist als Buch veröffentlicht worden.« Theres Sudbrock war nun Mutter und Unternehmer-Ehefrau. Aber sie wollte natürlich mehr: Sie wollte ihre Rolle in dem Familienunternehmen finden! Unternehmerin sein!

»Ich hätte gerne eine Tischlerlehre gemacht. Das wäre eine gute Basis für die Mitarbeit in unserem Möbelunternehmen gewesen«, sagt Theres Sudbrock. Doch dafür fehlte ihr bei zwei kleinen Kindern zu Hause schlicht die Zeit. »Also habe ich mit ein wenig Büroarbeit angefangen. Erst ein paar Stunden, dann halbtags und schließlich – als die Kinder größer waren – volle Tage.«

Noch gut kann sie sich an ihr »erstes Projekt« erinnern. Theres Sudbrock war mit ihrem Mann nach Berlin gereist – zu einem Designer. Es ging um ein neues Regalsystem, für das nun Fotoaufnahmen gemacht werden sollten. Darum kümmerte sich Theres Sudbrock. Ihr Part war: Das Möbel in Szene zu setzen – zum Beispiel mit alten Schulmöbeln als Dekoration. »Ich war damals ja noch ganz unbefangen, habe einfach vieles ausprobiert.«

Möbel sollen mit mehr „Atmosphäre“ rüber kommen

Mit der Zeit entwickelte sie zusammen mit einer Fotografin aus Wiedenbrück eine »neue Bildsprache«, wie sie es nennt. Die Möbel sollten in den Prospekten weniger technisch, dafür mit mehr »Atmosphäre« rüberkommen, sagt sie. »Natürlichkeit und Weichheit statt harte Schatten und verzerrende Weitwinkelaufnahmen.« Hinzu kommt die Zusammenarbeit mit den Werbeagenturen. »Wir betreiben sehr viel Aufwand für Bilder und Prospekte«, sagt Theres Sudbrock. Die Produktinszenierung sei ihre Aufgabe, dazu gehörten auch Messeauftritte wie in Köln im Januar und bei der Hausmesse im September – aber nicht nur.

Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Entwicklungsteam und natürlich den Designern entwickelt sie zudem neue Ideen für neue Möbel. Sie mag die puristische Formensprache der Sideboards, Regale, Schränke, Tische und Garderoben. »Starke horizontale Linien«, sagt sie. Ja, da sei sie auch vom Bauhaus beeinflusst.

Die Stärke des Unternehmens sieht sie in dem flexibel ausgeklügelten planbaren System. Die Kunden könnten neben Breite, Höhe, Tiefe auch Material, Funktion und Farbe bestimmen. So entstünden durch Systemmöbel Unikate, ohne dass die Handschrift von Sudbrock verloren gehe. »Das sind unsere aufeinander abgestimmten cremigen Farben und die feine Materialstärke.«

„Wir verkaufen das, was wir selber mögen“

Sudbrock habe mit seinen Möbeln, die preislich im oberen Mittelfeld angesiedelt sind, eine Nische gefunden. »Wir versuchen, uns jeden Tag auf dem hart umkämpften Möbelmarkt zu behaupten, und wir verkaufen das, was wir selber mögen«, sagt Theres Sudbrock. »Die Geschäfte laufen relativ gut.« Die Umsätze hätten in den vergangenen Jahren zugelegt. Genaue Zahlen möchte sie nicht nennen. Das sei ohnehin eher der Bereich ihres Mannes, der unter anderem den kaufmännischen Part verantwortet.

»Wir sind ein gutes Team, wir ziehen an einem Strang«, sagt Theres Sudbrock. Ihre Büros liegen nebeneinander. Streit gebe es eher selten. Auf Reisen lassen sich beide gerne inspirieren. »Das Thema Möbeldesign ist immer präsent.« Theres Sudbrock hat Spaß an der Arbeit. Wenn es einmal hart auf hart kommt, dann habe ihr Mann das letzte Wort. Theres Sudbrock: »Einer muss den Hut aufhaben.«

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