Vorstandschef Ehling freut sich: Haller Modeunternehmen wieder auf eigenen Füßen
Gerry Weber beendet Insolvenz

Halle (WB). Das neue Jahr bringt für Gerry Weber einen Neustart: Das Amtsgericht Bielefeld hat das Insolvenzverfahren zum Datum 31. Dezember 2019 für beendet erklärt. Das Haller Modeunternehmen steht damit wieder auf eigenen Füßen.

Donnerstag, 02.01.2020, 11:54 Uhr aktualisiert: 02.01.2020, 12:36 Uhr
Johannes Ehling, Vorstandssprecher bei Gerry Weber. Foto: Bernhard Hertlein
Johannes Ehling, Vorstandssprecher bei Gerry Weber. Foto: Bernhard Hertlein

Es ist knapp ein Jahr her, dass die Gerry Weber International AG am 25. Januar 2019 den Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt hat. Am 1. April ordnete das Amtsgericht Bielefeld das Verfahren tatsächlich an.

Hallhuber verkauft, Logistikzentrum nicht

In den folgenden Monaten wurde der vom Vorstand erarbeitete Sanierungsplan mit den Gläubigern und der Belegschaft vereinbart und anschließend teilweise bereits umgesetzt. Dazu gehörte unter anderem der Verkauf der Modemarke Hallhuber . Dagegen wurde der ebenfalls geplante Verkauf des neuen Logistikzentrums im Haller Gewerbegebiet Ravenna Park wieder verschoben. Der Geschäftsbetrieb lief das ganze Jahr uneingeschränkt weiter.

Restrukturierung zum großen Teil umgesetzt

„Wir haben die Insolvenzphase genutzt, um die bereits zuvor eingeleitete Restrukturierung und Neuausrichtung unseres Geschäfts konsequent voranzutreiben“, erklärte Vorstandssprecher Johannes Ehling. Das neue Jahr beginne Gerry Weber wieder als Unternehmen im Normalbetrieb „mit einer soliden Kapitalbasis, neuen Eigentümern und mit einem klaren Konzept für die Zukunft“. Ehling dankt den Mitarbeitern: „Sie können stolz auf das sein, was in dieser Zeit erreicht wurde. Jetzt sollte unser Blick nur noch nach vorne gehen.“

Hohe Gläubigerquoten

Auch Christian Gerloff, in der entscheidenden Phase Generalbevollmächtigter bei Gerry Weber, äußerte sich am Donnerstag positiv: „Das Insolvenzverfahren ist ein Musterbeispiel für das gelungene Zusammenspiel aller Beteiligten in der Eigenverwaltung.“ Dadurch sei es gelungen, das komplexe Verfahren innerhalb nicht einmal eines Jahres zu beenden und die weit überwiegende Anzahl der Arbeitsplätze zu erhalten. Dazu zählt Gerloff neben 3600 bei Gerry Weber auch diejenigen bei der früheren Tochtergesellschaft Hallhuber. Schnelligkeit und Klarheit über den weiteren Weg seien insbesondere in der schnelllebigen Modebranche „sehr wichtige Kriterien, um das Vertrauen der Kunden und der Geschäftspartner zu behalten und das operative Geschäft zu sichern.“

Zufrieden zeigt sich auch Stefan Meyer, Rechtsanwalt bei Pluta und Vertreter der Gläubiger in dem Verfahren. Mit rund 32 bis zu mehr als 50 Prozent sei die Quote überdurchschnittlich. Am 18. September haben die Gläubiger den Insolvenzplan angenommen. Am 25. Oktober erlangte er Rechtskraft und wird seitdem umgesetzt.

Drei Investorengesellschaften

Voraussetzung war, dass die sogenannten Plansponsoren Robus Capital Management Ltd., Whitebox Advisors LLP und J.P. Morgan Securities plc neue Mittel von bis zu 49 Millionen Euro zur Gläubigerbefriedigung und zur Finanzierung des operativen Geschäfts bereitstellten. Im Gegenzug besitzen sie nun 100 Prozent des Aktienkapitals.

Retail: Insolvenz noch nicht beendet

Etwa einen Monat nach der Holding hat 2019 auch die für das Retail-Geschäft zuständige GmbH von Gerry Weber Insolvenz angemeldet. Dieses Verfahren wird nach Aussage vom Amtsgericht Bielefeld voraussichtlich Ende Februar abgeschlossen sein.

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