Möbelmesse IMM Cologne gibt jährlich Überblick über aktuelle Wohntrends
Wenn weniger mehr ist: Wie Möbelbauer Minimalismus begegnen

Köln (dpa). Jahrzehntelang war sie der Inbegriff des deutschen Wohnzimmers: die massive Schrankwand mit Regalen und Aussparung für den Fernseher, oft aus dunkler Eiche. Für Möbel-Hersteller eine sichere Bank, um Geld zu verdienen. Läuft man heute über die internationale Möbelmesse IMM Cologne, die jährlich Überblick über aktuelle Wohntrends gibt, sucht man solche wuchtigen Exemplare vergebens. Der Zeitgeist lautet: Weniger ist mehr. Für alle, die mit Möbeln ihr Geld verdienen wollen, nicht gerade eine gute Nachricht.

Montag, 13.01.2020, 17:06 Uhr aktualisiert: 13.01.2020, 17:38 Uhr
Eine Frau steuert mit dem iPad eine Küche im Ausstellungsbereich Smart Village. Foto: Oliver Berg/dpa
Eine Frau steuert mit dem iPad eine Küche im Ausstellungsbereich Smart Village. Foto: Oliver Berg/dpa

Der Umsatz der deutschen Möbelbauer wird für 2019 mit rund 18 Milliarden Euro leicht unter dem des Vorjahres liegen, wenn man der Schätzung des Verbands der Deutschen Möbelindustrie (VDM) folgt. Dass die Branche schwierige Zeiten durchlebt, liegt jedoch nicht nur am skandinavisch inspirierten Trend zum Minimalismus oder daran, dass Käufer im Sinne der Umwelt auf Neukäufe verzichten. Die Wahrheit ist auch: Viele Leute haben schlicht weniger Platz.

„Zack – die Dinnerparty kann losgehen“

„Immer mehr Menschen zieht es in die Städte“, sagt der Geschäftsführer der Kölner Messe, Gerald Böse. „Das Thema Urbanisierung wird uns weiter begleiten.“ Zahlen des Statistischen Bundesamts zufolge hat der durchschnittliche Wohnraum pro Kopf in den sieben größten deutschen Städten zwischen 2010 und 2018 um knapp zwei Prozent auf 39,2 Quadratmeter abgenommen – Tendenz sinkend.

Die Möbelmesse IMM Cologne gibt einen Überblick über aktuelle Wohntrends

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  • Cassina steigt neu ins Outddorr-Möbelgeschäft ein.

    Foto: Bernhard Hertlein
  • Besucher aus China auf der IMM Cologne.

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  • Elmar Duffner, Ex-Poggenpohlchef und früherer Möbel-Verbandspräsident.

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  • Sofas von Gionetti

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  • Stühle aus der Manufaktur Wagner

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  • Die Farbe Blau - hier von Gealux

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  • Achim Hannott (rechts), Pressesprecher des Verbandes der Möbelindustrie, am Stand von Hartmenn (Beelen)

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  • Hartmann-Geschäftsführer Holger Handhardt

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  • Holz in der beleuchteten Vitrine (von Hartmann, Beelen)

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  • Journalisten auf der IMM Cologne

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  • Meisterstücke von Kettnaker - zum 150. Firmenjubiläum

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  • Firmenchef Wolfgang Kettnaker, Designer Stefen Scherb und Jan Kurth, Verband der Deutschen Möbelindustrie (von rechts)

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  • Kettnaker: Meisterstücke zum 150-jährigen Firmenjubiläum

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  • aus Ostwestfalen (Leonardo, Bad Driburg)

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  • Magis-Geschäftsführer Ruben Hutschemaekers (rechts) und Jan Kurth, Verband der Möbelindustrie

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  • blauer Stuhl von Magis

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  • Sitzbank und Regal von Magis

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  • Foto: Bernhard Hertlein
  • Matratzen, gefüllt mit recycelten PET-Getränkeflaschen

    Foto: Bernhard Hertlein
  • Atelier Haussmann (Berlin) goes outdoor

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  • Prunk aus den Niederlanden

    Foto: Bernhard Hertlein
  • Prunk aus den Niederlanden

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  • Der Chef legt selbst letzte Hand an

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  • Blaues Sofa von Rolf Benz

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  • Rolf-Benz-Designer Luca Nicetto erklärt sein flexibles Sofa

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  • Rolf-Benz-Designer Luca Nicetto erklärt Journalisten seine Ideen

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  • Sofa und Beistelltisch von Rolf Benz

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  • Schwebender Tisch in der Smart Village

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  • Die Bildwand ist ein Touchscreen; von hier können auch Smartgeräte gesteuert werden.

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  • An der Wand ein bisschen schmieren - in der Smart Village natürlich digital

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  • Christof Flötotto in der Smart Village im Gespräch mit Jan Kurth, Verband der Möbelindustrie

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  • Dachziel, die sogleich Solarenergie speichern

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  • Object Carpet

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  • Klassikerstühle - von Thonet

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  • Toilettengalerie

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  • Tom Tailor streckt seine Flügel nach Möbelherstellern auss

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  • Wasserkräne Vola

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  • Zuiver Stühle aus Recycling PET

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Möbelbauer können sich also nicht mehr einfach darauf verlassen, dass die meisten Menschen sich eben irgendwie einrichten müssen. „Einfach nur Möbel verkaufen funktioniert heute nicht mehr“, sagt VDM-Geschäftsführer Jan Kurth. „Da muss man sich etwas Neues einfallen lassen.“

Um trotzdem mit Kunden, denen in Großstädten nur wenige Quadratmeter Wohnraum zur Verfügung stehen, Geld zu verdienen, setzen die Hersteller auf Speziallösungen, wie seit Montag auf der Kölner Messe zu sehen ist. Der Schreibtisch fürs Home Office ist an Seilen und Drähten aufgehängt und kann – auch unaufgeräumt – hochgefahren werden. „Man fährt spontan den Tisch unter die Decke, und zack – die Dinnerparty kann losgehen“, erklärt Christoph Flötotto, der auf der Messe das „Smart Village“ betreut. Eine „Teleskop-Sauna“ lässt sich nach dem Schwitzen in die Kleiderschrank-Wand des Beispiel-Lofts einfahren. Der vernetzte Badezimmer-Spiegel nebenan zeigt nicht nur Gesundheitsdaten seines Nutzers, sondern auch die aktuellen Schlagzeilen des Tages an.

Smart Home und Nachhaltigkeit

Ganz neu sind die großen Schlagworte der IMM Cologne – Smart Home und Nachhaltigkeit – zwar nicht mehr, trotzdem liegen weiterhin große Hoffnungen auf ihnen. So produziert die italienisch-niederländische Designmarke Magis all ihre Produkte im Umkreis von 200 Kilometern, während sich der Teppich-Hersteller Rugx ein Verbot von PVC und Latex auferlegt hat. „Es geht darum, ein Produkt herzustellen, das man für immer behalten kann“, sagt der Designer Luca Nichetto, der für die baden-württembergische Marke Rolf Benz Polstermöbel entwirft.

Auch andere Firmen werben mit Slogans wie „handcrafted for generations“ – also „handgemacht für Generationen“. Dass die Kunden tatsächlich ein Leben lang mit einem Sofa auskommen, dürfte jedoch nicht wirklich im Interesse der Branche liegen.

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