Di., 14.01.2020

Outdoor-Segment wächst auch auf der IMM Cologne 2020 – mit Video Die Möbel zieht es ins Freie

Der Trend zu Outdoormöbeln verstärkt sich noch. Das Foto zeigt Sessel von Cassina aus Mailand.

Der Trend zu Outdoormöbeln verstärkt sich noch. Das Foto zeigt Sessel von Cassina aus Mailand.

Von Bernhard Hertlein

Köln (WB). Gartentische und -stühle waren früher, heute heißen sie Outdoor-Möbel. Bei den Kunden werden sie immer beliebter, stellt Jan Kurth, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie, fest. Auch immer mehr Designer finden Gefallen an Möbeln, die vor der Balkon- oder Terrassentür zum Einsatz kommen, aber genauso wohnlich sein sollen wie Indoor-Möbel.

Zu den Neueinsteigern in dem Bereich gehören auf der IMM Cologne, die – wie berichtet – am Montag in Köln begann, die Mailänder Möbelmanufaktur Cassina, die sich für ihre Outdoor-Kollektion den französischen Stardesigner Philippe Starck ins Boot geholt hat, sowie das Berliner Atelier Haussmann.

Outdoormöbel sind neben Einrichtungsküchen ein Wachstumsfeld in einer Branche, die in Deutschland zwar noch 85.000 Menschen beschäftigt, aber 2019 erneut ein leichtes Umsatzminus von etwa 0,4 Prozent hinnehmen musste. Nach wie vor ist Holz der wichtigste Rohstoff der Möbelhersteller. Daraus folgt eine besondere Verbundenheit zur Natur. Aktuell zeigt sich diese auch in Köln. Immer wieder fallen bei den Ausstellern die Stichworte Nachhaltigkeit, Klima- und Umweltschutz. Hartmann, Familienunternehmen im Kreis Warendorf, hat sich sogar verpflichtet, für jeden Baum, der für seine Möbel gefällt wird, einen anderen neu anzupflanzen. Besonderer Gag für die Kunden: Sie erhalten einen Hinweis auf den genauen Standort und können „ihren Baum“ dort wachsen sehen.

Klimaneutralität und Recyclingmaterial

Verbundenheit mit der Natur spiegelt sich darüber hinaus bei Hartmann auch im Design. In Tische, Kommoden und Schränke sind beleuchtete Vitrinen inte­griert, in denen besonders schöne Baumrinden ausgestellt sind. Einmal aufgeladen, reicht der Akku nach Angabe von Geschäftsführer Holger Handhardt 48 Stunden. Die Möbelwerke Hartmann, 1911 gegründet, sind mit 120 Mitarbeitern eine mittelständische Manufaktur. Aber sie haben ein großes Ziel: Hartmann will als erster in der Branche klimaneutral werden.

Auch Möbelhersteller, die Kunststoff als Material verwenden, machen sich Gedanken über die weitere Verwendung. So verwendet die Amsterdamer Firma Zuiver für die Sitzschalen ihrer Stühle aus Getränkeflaschen hergestelltes Recyclingmaterial. Der Matratzen-Hersteller Euro Comfort in Bocholt setzt PET als Füllmaterial ein. Ziel ist eine komplette Kreislaufwirtschaft – angesichts von jährlich sechs Millionen Matratzen, die jährlich in Deutschland ausgetauscht werden, ein großer Fortschritt.

Insgesamt hält der Trend zu kleineren Solitärmöbeln an. Die wenigsten Verbraucher richten offenbar ihre Wohnung heutzutage noch komplett auf einen Schlag ein. Völlig aus der Mode ist die große Schrankwand.

Sauna im Kleiderschrank

Stattdessen ist nicht nur bei den Sofas Flexibilität gefragt. Konnte man früher davon ausgehen, dass bei skandinavischen Polstermöbeln hohe Lehnen dominieren und bei italienischen eher größere Sitztiefen, so präsentiert der führende deutsche Polstermöbel-Hersteller Rolf Benz jetzt auf der IMM Cologne ein Sofa, bei dem die Einzelteile flexibel der Funktion angepasst werden können. Das Design entwarf Luca Nicetto, der in Italien geboren wurde und in Stockholm lebt.

Die Düsseldorfer German Smart Living GmbH zeigt ein Swing-Regal, das ruckzuck zum Tisch um- und ebenso schnell zum Regal zurückzubauen ist. In Stadtwohnungen sollen, so sagen sich viele Designer, Möbel nicht nur klein sein, sondern auch schnell weggepackt werden können. Zu den Neuheiten im Messebereich Smart Village gehört ein Tisch, der an dünnen Kabeln fest aufgehängt ist und bei Bedarf einfach über Kopfhöhe entschwebt. Eine Teleskop-Sauna kann nach dem Einsatz einfach im Kleiderschrank verstaut werden.

Insgesamt sollen es gut 100.000 Möbel sein, die bis zum Sonntag in Köln ausgestellt werden. „Diese Vielfalt gibt es nur hier”, sagt Kurth An den letzten drei Messetagen können sich davon auch die Verbraucher überzeugen.

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