Do., 16.01.2020

Bereits 80 Gründerfirmen in OWL – Risikokapital und Fördergelder helfen Start-ups sammeln Milliarden ein

Der Mitbegründer der Start-up-Schmiede Founders Foundation, Sebastian Borek, begrüßt junge Firmengründer.

Der Mitbegründer der Start-up-Schmiede Founders Foundation, Sebastian Borek, begrüßt junge Firmengründer.

Von Paul Edgar Fels

Bielefeld/Paderborn (WB). Junge Firmengründer in Deutschland erleben einen ungebrochenen Geldsegen. 2019 sammelten Start-ups so viel Kapital von Investoren ein wie nie zuvor – insgesamt 6,2 Milliarden Euro. Das sind 36 Prozent mehr im Jahr zuvor mit 4,6 Milliarden Euro. Von der Entwicklung profitieren auch zahlreiche Start-ups in OWL. Sie kommen auf eine höhere zweistellige Millionensumme.

Rund 80 Start-ups in OWL

In Ostwestfalen-Lippe gibt es aktuell insgesamt rund 80 Start-ups. Die meisten sind entweder aus der Founders Foundation in Bielefeld, der Garage 33 der Universität Paderborn (Technologietransfer- und Existenzgründungs-Center TecUp) oder anderer Hochschulen hervorgegangen.

Seit Gründung der von der Bertelsmann-Stiftung mit 17,5 Millionen Euro finanzierten Founders Foundation im Sommer 2016 seien rund 350 Unternehmertalente zu Gründern ausgebildet worden, aus denen 24 Start-ups entstanden sind, sagt Founders-Sprecher Jannis Johannmeier. Sie hätten rund 350 Arbeitsplätze vor Ort geschaffen und rund zwölf Millionen Euro Risikokapital von Investoren einsammeln können. Das sei etwa doppelt so viel wie noch vor einem Jahr, sagt Johannmeier.

55 Start-ups aus der Garage 33 hervorgegangen

Zu den größten und erfolgreichsten Start-ups gehören Semalytix, Valuedesk und die Zahnarzt-Helden. Sie hätten alle über eine Million Euro an Kapital aufgenommen. Semalytix erstellt mit Hilfe Künstlicher Intelligenz Auswertungen für Pharmakonzerne. Valuedesk hat als Kosten- und Prozessoptimierer Kunden wie Dr. Oetker, Dr. Wolff („Alpecin“) und Miele. Und die Zahnarzt-Helden – die Zahnärzten helfen, Angebote für teure Anschaffungen einfacher über das Internet zu bekommen – hatten 2019 bereits einen Umsatz von rund acht Millionen Euro erwirtschaftet.

Aus der Garage 33 sind seit Gründung vor zweieinhalb Jahren 55 Start-ups hervorgegangen. Auf sie entfallen „mindestens 15 Millionen Euro“ Kapital von Investoren, wie Tecup-Geschäftsführer Prof. Dr. Sebastian Vogt sagt. Zu den erfolgreichsten Paderborner Gründungen zählen das Bildungs-Start-up Studyhelp, das eCommerce-Unternehmen Partworks (etwa Teile für Oldtimer) sowie die Firma AMendate, ein Anbieter von Simulationssoftwarelösungen. AMendate wurde 2019 vom schwedischen Softwarekonzern Hexagon gekauft.

Fördergelder in Millionenhöhe

Neben dem Risikokapital fließen Fördergelder – ebenfalls in Millionenhöhe. Auf die Garage 33 entfallen aus diesen öffentlichen Töpfen derzeit 24 Millionen Euro, bei der Founders Foundation sind es 23,1 Millionen – OWL-weit also mehr als 47 Millionen Euro.

Gerade das Beispiel AMendate zeigt, dass das Ausland sehr an deutschem Know-how interessiert ist. Eine neue Studie der Beratungsgesellschaft EY zeigt: Vor allem internationale Investoren steckten viel Geld in hiesige Start-ups. Deutsche Kapitalgeber spielten bei den großen Deals kaum eine Rolle. Wollen Gründer expandieren, seien sie „gefährlich stark von ausländischen Geldquellen abhängig“, heißt es in der Studie.

Global denken für den Erfolg

“Startups sind heutzutage gezwungen global zu denken, um Erfolg zu haben“, meint der Geschäftsführer der Founders Foundation, Sebastian Borek. „Allerdings sollten wir als Deutschland und Europa – im Sinne einer wünschenswerten digitale Zukunft für alle Bürgerinnen und Bürger in unserem Land – ein großes Interesse daran haben, dass Technologie nicht ins Ausland abwandert.“

Große Teile der wenigen erfolgreichen Start-ups (Unicorns genannt) seien schon in Händen von ausländischen Investoren aus den USA oder Asien. Borek denkt noch einen Schritt weiter: „Wenn Startups und Gründer sogar einen Exit ins Ausland hinlegen, dann ist nicht nur die Technologie weg, sondern möglicherweise auch die Arbeitsplätze, die bis dahin in Deutschland entstanden sind.“

Laut Studie 2019 gab es im vergangenen Jahr 13 Deals mit über 100 Millionen Euro – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Am meisten Geld floss in die Münchner Firma Flixmobility, die für ihre Fernbusse bekannt ist, das Berliner Reise-Start-up GetYourGuide, die Gebrauchtwagenplattform Frontier Car Group und die Smartphone-Bank N26.

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