Di., 21.01.2020

Dehoga in Herford: Gastwirte trotz Umsatzplus mit den Rahmenbedingungen unzufrieden Wirte fordern Mehrwertsteuersenkung

Dehoga OWL (von links) Andreas Büscher, Miriam Kröger, Joachim Avenarius, Andreas Müller, Regine Tönsing, Andreas Nienhage, Uwe Pape.

Dehoga OWL (von links) Andreas Büscher, Miriam Kröger, Joachim Avenarius, Andreas Müller, Regine Tönsing, Andreas Nienhage, Uwe Pape. Foto: Hertlein

Von Bernhard Hertlein

Herford (WB). Eigentlich könnten die 3900 Gastronomen und 700 Hoteliers in Ostwestfalen-Lippe zufrieden sein. Der Umsatz ist nach vorläufiger Erhebung des Gaststättenverbandes Dehoga im vergangenen Jahr um 3,9 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro gewachsen. Doch weil immer neue Vorschriften und ihre – teils unterschiedliche – Auslegung durch die Behörden einerseits Geld kosten und andererseits den Fachkräftemangel aus Sicht der Wirte noch verschärfen, ist den Wirten doch nicht nach Partystimmung .

Nachdem die „Hygieneampel“, die die Branche in den vergangenen Jahren beschäftigte und mit sehr viel Bürokratie verbunden gewesen sei, durch den Wechsel der NRW-Landesregierung vom Tisch ist, läuft es nach Angaben des Dehoga-Präsidenten Andreas Büscher (Bielefeld) etwa bei der Ausbildung neuer Fachkräfte nicht rund. Hier engagiere sich die Branche in besonderer Weise bei der Integration von Migranten. Doch wenn es darum gehe, Flüchtlingen die Teilnahme an der Berufsausbildung zu ermöglichen, seien einige Kommunen zum Beispiel bei der Wohnortzuweisung wenig hilfreich.

Kritik an den IHK-Prüfungsfragen

Zwar habe, wie Andreas Niehage (Dehoga Lippe) am Montag in Herford hervorhob, im Kreis Lippe jeder vierte Auszubildende der Branche einen Migrationshintergrund. Dennoch könne es besser laufen. Niehage kritisierte die von der Industrie- und

Hotelfachmann Fabrice Emumga Foto: Hertlein

Handelskammer (IHK) vorgegebenen Prüfungsfragen, an denen Zuwanderer mitunter nur scheiterten, weil sie ein einzelnes Wort nicht verstünden. „Die spezielle Sprache ist teils sogar für Azubis, die hier geboren sind, ein Problem“, betonte Niehage. Als die Dehoga 2019 Zugewanderten speziellen Zusatzunterricht anbot, hätten 66 Prozent der Migranten die Prüfung bestanden – im Vergleich zu 53 Prozent der Deutschstämmigen.

Immer wieder, so Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Regine Tönsing, werden Gastwirte, etwa wenn sie an ihrem Haus kleinere Umbauten vornehmen, mit teuren, teils ruinösen Bau- und Brandschutzvorschriften konfrontiert. Teilweise widersprächen sich auch die Bestimmungen von Brand- und Denkmalschutz – etwa bei der Gaststätte im Schloss Blomberg, die einen zusätzlichen Fluchtweg anlegen soll.

Kritik üben die Gastwirte auch an der Bundespolitik. Die neue Bonpflicht treffe, so Joachim Avenarius, Dehoga-Vizepräsident und Kreisvorsitzender im Kreis Höxter, vor allem die Thekengaststätten.

Unterschriftenaktion für Mehrwertsteuersenkung

Dagegen litten alle Restaurants unter der „ungerechten“ Mehrwertsteuer von 19 Prozent. Die Dehoga fordert, dass der für Nahrungsmittel geltende verminderte Steuersatz von sieben Prozent auch für Mahlzeiten gilt, die in Restaurants eingenommen werden. Zur Unterstützung dieser Forderung startete sie eine Unterschriftenaktion.

Ursache für den Fachkräftemangel etwa bei Köchen ( Bericht in der Samstagsausgabe ) ist Avenarius zufolge auch die gewachsene Konkurrenz etwa durch Schul-, Klinik- und Altenheim-Kantinen. Uwe Pape, Dehoga-Geschäftsführer der Region Minden-Herford, wies die Behauptung der Gewerkschaften zurück, es liege am niedrigen Lohnniveau: „Ein guter Koch kann heute die Bedingungen fast selbst bestimmen, zu denen er arbeitet.“ Der Branchenmindestlohn liege mit 9,83 Euro pro Stunde über der staatlichen Vorgabe von 9,35 Euro. Fachkräfte verdienten auch in der niedrigsten Stufe mindestens elf Euro.

Zuwachs auch beim Personal

Immerhin: Mit dem Umsatz ist Tönsing zufolge 2019 auch die Beschäftigtenzahl in der OWL-Gastronomie um drei Prozent auf etwa 45.000 gestiegen. Insgesamt beschäftigt die Branche 871 Auszubildende. Die Hotellerie registrierte einen Zuwachs an Übernachtungen um 2,1 Prozent. Von den insgesamt 40.000 Betten stehen mit 9500 die meisten in Lippe, gefolgt von den Kreisen Minden-Lübbecke mit 6730, Höxter mit 6100 und Paderborn mit 5800.

Bei der Ermittlung des Umsatzes sind die Hotelkette Maritim, die in Bad Salzuflen ihren Sitz hat, aber auch alle Niederlassungen auswärtiger Gastronomieketten in OWL nicht berücksichtigt.

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