Do., 13.02.2020

Kundgebung zur Wirtschaftskonferenz löst sich schnell auf Klimademo fällt kleiner aus

Von bis zu 700 Demonstranten versammelten sich am Ende des Protestmarsches nur rund 250 zur Abschlusskundgebung

Von bis zu 700 Demonstranten versammelten sich am Ende des Protestmarsches nur rund 250 zur Abschlusskundgebung Foto: Bernard Pierel

Von Oliver Horst

Bielefeld (WB). In der Spitze nur rund 700 und nicht wie erwartet 5000 Teilnehmer sind dem Aufruf der Initiative „Fridays for Future” zu einer Demonstration anlässlich der Start-up-Konferenz „Hinterland of things“ gefolgt. Die Klimabewegung hatte für Donnerstag einen Zentralstreik ausgerufen. Sie wollte das Treffen von 1300 Unternehmern, Entscheidern und Firmengründern in Bielefeld nutzen, um mehr Verantwortung der Wirtschaft für Klimaschutz und Nachhaltigkeit einzufordern.

„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!“, skandieren die Teilnehmer, als sie nach Sternmärschen zum Jahnplatz in die Nähe des Lokschuppens ziehen , wo die Wirtschaftskonferenz in vollem Gange ist. Ihre Rufe dringen aber nicht bis ins Gebäude. Vor der an einer Kreuzung aufgebauten Bühne lichten sich die Reihen der Demonstranten bei Dauerregen schnell. Nach wenigen Minuten sind von 250 Teilnehmern des Protestzuges nur noch 50 vor Ort.

Kommentar

Nicht nur reinen Protest hatten die Organisatoren der mit mehreren tausend Teilnehmern angemeldeten Demonstration anlässlich der Wirtschaftskonferenz angekündigt. Am Ende aber ist es mehr kaum gewesen.
Die Kritiker haben die große Chance vertan, sich nicht nur direkt Gehör bei den Wirtschaftsbossen zu verschaffen – sondern sogar einen konstruktiven Dialog zu suchen. Das Veranstalter-Angebot einer Videobotschaft oder eines Redebeitrags zum Start der Konferenz haben die „Fridays for Future“-Macher ungenutzt verstreichen lassen. Dabei hätte dies für ihre Sache bessere Erfolgsaussichten versprochen als eine Demo selbst mit 5000 Teilnehmern.

Eine Vertreterin der Bielefelder Ortsgruppe von „Fridays for Future“ übt in ihrer Rede Generalkritik am Kapitalismus und macht die Wirtschaft für einen Großteil der Klimaschäden verantwortlich. Der Bertelsmann-Konzern, der die Gründerschmiede Founders Foundation finanziert, die Veranstalter der Start-up-Konferenz ist, sei ein Paradebeispiel für das Verfolgen rein wirtschaftlicher Interessen.

Auf das in einem Gespräch vor Wochen gemachte Angebot, eine Botschaft an die Hinterland-Teilnehmer zu richten , haben die Organisatoren der Demo verzichtet. Sprecher David Nalimov begründet dies auch mit fehlender Zeit aufgrund des Organisationsaufwands. „Unser Ziel, ein Zeichen zu setzen, haben wir erreicht“, sagt der 15-jährige Gymnasiast. Die deutlich unter den Erwartungen gebliebene Teilnehmerzahl führt er auf die widrigen Witterungsbedingungen zurück. Es seien aber Unterstützer unter anderem aus Osnabrück, Hagen, Halle, Essen, Bochum, Köln und Düsseldorf gekommen.

Die ursprünglich bis 16 Uhr geplante Kundgebung, die zu erheblichen Verkehrsstörungen führt, geht vorzeitig zu Ende.

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