Haller Süßwarenriese wächst allein in Deutschland um fast elf Prozent
Storck bleibt erfolgshungrig

Halle (WB). Beim Haller Süßwarenhersteller Storck jagt weiterhin ein Rekord den nächsten. 2019 war erneut ein bestes Jahr in der Geschichte des 1903 gegründeten Unternehmens. Allein in Deutschland legten die Umsätze um 10,8 Prozent zu – und damit mehr als doppelt so stark wie der gesamte Süßwarenmarkt, der um 5,0 Prozent wuchs. „Darauf sind wir Storckis stolz“, sagte der geschäftsführende Gesellschafter Axel Oberwelland (53) am Freitag. Der wie ein Geheimnis gehütete Gesamtumsatz des Unternehmens dürfte sich inzwischen auf mehr als 3 Milliarden Euro belaufen.

Samstag, 15.02.2020, 03:27 Uhr aktualisiert: 15.02.2020, 05:01 Uhr

Im deutschen Süßwarenmarkt habe Storck – als Nummer zwei hinter Ferrero – schon länger die Umsatzmarke von einer Milliarde Euro übersprungen, sagt Oberwelland. Mit gezielten Marketingstrategien und einem Werbebudget von 130 Millionen Euro erzielt das Unternehmen zweistellige Umsatzzuwächse selbst bei etablierten Verkaufsschlagern wie Toffifee (plus 19 Prozent). „Wir haben 2019 das seit Jahren angestrebte Ziel erreicht, dass Toffifee nicht nur nach Menge, sondern auch umsatzmäßig die meistverkaufte Pralinen- und Schokoladenspezialität Deutschlands ist“, sagt Oberwelland. Die bisherige Nummer eins, Mon Chéri vom Rivalen Ferrero, verdrängte das Haller Unternehmen gleich auf Platz drei. Denn die neue Nummer zwei ist nun Merci von Storck.

Ein Umsatzplus von 16 Prozent katapultierte die Lachgummi-Produktfamilie erstmals im Heimatmarkt über die Umsatzmarke von 100 Millionen und zu einem Anteil von 15 Prozent im Fruchtgummi-Markt. Derweil verzeichnete die „Werther’s Original“-Produktfamilie vor allem dank Neuheiten wie Soft- und Popcorn-Varianten mit 42 Prozent den größten Umsatzsprung. Die Erlöse mit Mamba-Kaubonbons stiegen um neun, mit Merci-Produkten und Dickmann’s-Schokoküssen jeweils um acht Prozent.

„Wir bauen zwar wie Bob, der Baumeister, kommen aber nicht schnell genug hinterher.“

Relativ bescheiden fiel im Inland das Plus mit Knoppers-Produkten (1,3 Prozent) aus. Das hat einen guten Grund, sagt Oberwelland: Die Nachfrage ist so groß, dass es gilt, Lieferengpässe weltweit zu vermeiden. Deshalb sei Knoppers auch weniger stark beworben worden. Die Produktionskapazitäten in Ohrdruf (Thüringen) werden stetig erweitert. „Wir bauen zwar wie Bob, der Baumeister, kommen aber nicht schnell genug hinterher.“

Mehr als 200 neue Arbeitsplätze pro Jahr in Halle

Kräftig investiert wird auch am Hauptstandort Halle. Nach 75 Millionen Euro 2019 sollen es im laufenden Jahr sogar 90 bis 95 Millionen sein. Auf Banken ist Storck dabei nicht angewiesen. Die Finanzierung erfolgt komplett aus eigener Kraft, sagt Oberwelland. „Wir sind schuldenfrei.“

Die Mitarbeiterzahl in Halle erhöhte sich um 213 auf 3178. Im laufenden Jahr sollen weitere 200 neue Arbeitsplätze hinzukommen. Die Gruppe mit den drei Werken in Halle, Ohrdruf und Berlin zählt mehr als 6000 Beschäftigte.

US-Vergeltungszölle treffen auch Knoppers

„Erfreulich“ habe sich auch das Auslandgeschäft mit zweistelligen Wachstumsraten etwa in Nordamerika und China entwickelt. In Russland sei Merci in einzelnen Monaten erstmals die meistverkaufte Schokoladenspezialität gewesen. Oberwelland weist aber auch auf Risiken hin: Das Coronavirus habe zu Jahresbeginn in China zu einem zweistelligen Absatzrückgang geführt. Im US-Geschäft leidet Storck zudem seit kurzem unter Strafzöllen der Trump-Regierung. Die Vergeltungszölle wegen unerlaubter Subventionen für den europäischen Flugzeugbauer Airbus treffen unter anderem Waffelprodukte – und damit auch Knoppers.

Zwei neue Varianten des 2017 mit großem Erfolg eingeführten Knoppers-Nussriegels – mit Erdnuss und mit Kokos – sollen derweil zusätzliche Wachstumsimpulse liefern und auch den Angriff des Wettbewerbers Ferrero mit seinem im November auf den Markt gebrachten Hanuta-Nussriegel abwehren.

Auch wenn es größere Erweiterungspläne vor allem für das Werk in Halle gibt, „prüfen wir kontinuierlich auch mögliche Auslandsstandorte“, sagt Oberwelland. Die Frage stelle sich ab gewissen Exportmengen in einzelne Länder sowie auch im Falle weiterer Handelsbarrieren. Oberwelland: „Wir hoffen das Beste, bereiten uns aber auch weiterhin aufs Schlimmste vor.“ Die Rekordergebnisse betrachtet der Storck-Chef „abermals mit großer Demut“.

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