Fr., 21.02.2020

Ihre Zahl ist seit 2017 gestiegen – Gewerkschaft NGG kritisiert zu niedrige Löhne Fast jeder Zehnte in OWL mit Zweitjob

In der Gastronomie ist vor allem der Anteil der Beschäftigten, die mehrere Minijobs kombinieren, höher als in anderen Branchen.

In der Gastronomie ist vor allem der Anteil der Beschäftigten, die mehrere Minijobs kombinieren, höher als in anderen Branchen. Foto: dpa

Von Bernhard Hertlein

Bielefeld (WB). Die Zahl der Arbeitnehmer in Ostwestfalen-Lippe, die einem Zweitjob nachgehen, ist in den vergangenen zwei Jahren gestiegen. Hatten 2017 noch 9,0 Prozent aller Beschäftigten in der Region mehr als eine Arbeitsstelle, so erhöhte sich ihr Anteil bis 2019 auf 9,5 Prozent. In Zahlen ausgerückt seien das knapp 93.410 von insgesamt 980.000, erklärte Janine Billerbeck, Pressesprecherin der Arbeitsagenturen in OWL, am Donnerstag.

Was die Branchen betrifft, so ist der Anteil der Mehrfachbeschäftigten bei den Zeitarbeitsfirmen mit 14,8 Prozent am höchsten. An zweiter Stelle folgt mit 13,8 Prozent die Gruppe der sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen, zu denen Hausmeister und Reinigungskräfte in Betrieben ebenso gehören wie Unternehmensberater. Reinigungskräfte in Privathaushalten fallen wie Kindermädchen und Haushaltshilfen Billerbeck zufolge in eine andere Rubrik, in der der Anteil der Zweitjob-Inhaber mit 12,9 Prozent aber ebenfalls deutlich über dem Durchschnitt liegt.

Mehrere Minijobs kombiniert

Weiter gehören Lager und Transport mit 10,6 und das Gastgewerbe mit 11,3 Prozent zu den Branchen mit einem vergleichsweise hohen Anteil von Zweitjob-Inhabern. Im Falle der Gastronomie fällt auf, dass hier die Zahl der Beschäftigten, die mehrere Minijobs ausüben, besonders hoch ist. Über alle Branchen hinweg sind dies in OWL knapp 7400. Davon arbeiten 15,8 Prozent in der Gastronomie. Noch höher ist sie nur bei den Dienstleistern in Privathaushalten; sie machen 27 Prozent der Gesamtzahl aus. Die Einkommensobergrenze für die sozialversicherungsfreien Minijobs liegt bei monatlich 450 Euro.

Gewerkschaft NGG gegen Gaststättenverband Dehoga

Kritik kommt von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). „Gastronomen und Bäckermeister, die über den Fachkräftemangel klagen, aber gleichzeitig auf 450-Euro-Kräfte setzen, schneiden sich ins eigene Fleisch“, erklärt Gaby Böhm, Geschäftsführerin der NGG Bielefeld-Herford, in einer Pressemitteilung. Fachkräfte bekomme man nur mit ordentlicher Ausbildung und Entlohnung. Die NGG fordert, 450-Euro-Jobs voll in die Sozialversicherungspflicht einzubeziehen. Regine Tönsing, Hauptgeschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbandes, weil die Kritik der NGG zurück. Die hohe Zahl der Zweitjob-Inhaber zeige gerade, wie attraktiv die Gastronomie für Beschäftigte sei, die jenseits normaler Arbeits- und Bürozeiten nach einer zusätzlichen Verdienstquelle Ausschau hielten.

Weitaus größer als bei Mehrfach-Minijobbern ist die Zahl der Beschäftigten, die den Zusatzjob zusätzlich zum Hauptberuf ausüben; mehr als 79.000. Im Gastgewerbe sind es knapp als 3000 – fast jeder zwölfte Beschäftigte. Bei Fahrern und Lagerarbeitern ist es in OWL gut jeder elfte.

Lagerarbeit Foto: dpa

Hinzu kommen Arbeitnehmer, die gleichzeitig sogar zwei Hauptberufen nachgehen; mit 8160 ist ihre Zahl etwas höher als bei den Mehrfach-Minijobbern.

Der Mindest-Stundenlohn für Beschäftigte beträgt 9,35 Euro.

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