Coronavirus bedroht Lieferkette nach China – Mailand: Mode ohne Besucher
Heimische Wirtschaft in Sorge

Bielefeld/Frankfurt (WB). Die Wirtschaft in der Region ist wegen der Folgen des Coronavirus in großer Sorge. „Wir haben deutliche Hinweise darauf, dass es zwischen China und Deutschland zu einer Unterbrechung der Lieferkette kommt“, sagte der Außenhandelsexperte der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen, Harald Grefe, am Montag dieser Zeitung. Das dürfte dann auch Auswirkungen auf die Produktion in Deutschland haben. Grefe: „Der Nachschub gerät ins Stocken.“

Dienstag, 25.02.2020, 07:17 Uhr aktualisiert: 25.02.2020, 12:29 Uhr
Ungewohntes Bild: Touristen tragen Mundschutz in der Galleria Vittorio Emanuele II und fotografieren mit ihren Smartphones. Beeinträchtigt ist auch die derzeit laufende Mailänder Modemesse. Armani zeigt seine Kollektion im Netz – ohne Zuschauer. Foto: dpa
Ungewohntes Bild: Touristen tragen Mundschutz in der Galleria Vittorio Emanuele II und fotografieren mit ihren Smartphones. Beeinträchtigt ist auch die derzeit laufende Mailänder Modemesse. Armani zeigt seine Kollektion im Netz – ohne Zuschauer. Foto: dpa

Um weitere und konkretere Informationen zu erhalten, hat die IHK Ostwestfalen am Montag eine Blitzumfrage unter rund 2000 Unternehmen gestartet. Die Ergebnisse sollen bereits diesen Donnerstag vorliegen, so Grefe.

Der Außenhandelsexperte sieht auch das Problem, dass bedeutende Messen in Deutschland wegen des Coronavirus in Gefahr sein könnten. Nämlich dann, wenn das internationale Fachpublikum lieber zu Hause bleibt. Genau das bekam zuletzt der Bielefelder Werkzeugmaschienhersteller DMG Mori bei seiner Hausmesse am Standort Pfronten zu spüren. Gäste aus China blieben notgedrungen fern.

Die Frankfurter Messegesellschaft hat  wegen des Coronavirus in Italien die für März geplante Bau-Fachmesse „Light & Building“ (8. bis 13. März) verschoben. Die Schau soll nun zwischen Mitte und Ende September stattfinden, wie die Messegesellschaft am Montag mitteilte. Die Ausstellung ist in der Stadt auch immer mit einem Lichterfest unter dem Titel „Luminale“ verbunden.

Armani-Kollektion hinter verschlossenen Türen

Das unerwartete Auftreten der Krankheit Covid-19 in Italien habe eine neue Bewertung der Situation in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt erfordert, begründete die Gesellschaft den Schritt am Montag Abend.

Von den Messegästen aus China werde nun eine mehrstufige gesundheitliche Prüfung verlangt, die nur mit unverhältnismäßigem Aufwand realisiert werden könne. Wegen der aktuell geltenden Reiserestriktionen hätten Besucher ohnehin schon nur unter erschwerten Bedingungen an der Messe teilnehmen können.

Ihre Teilnahme an der Reisemesse ITB (4. bis 8. März) in Berlin haben bislang sechs von 22 Ausstellern aus China abgesagt. Die Veranstalter der weltgrößten Industrieschau Hannover Messe beobachten die Lage intensiv, heißt es. Diese Messe soll vom 20. bis zum 24. April stattfinden.

Beunruhigender dürfte der Blick nach Italien sein, wo wegen des Coronavirus mehrere lombardische Städte abgeriegelt wurden. Auch die Mailänder Modemesse ist betroffen. Sämtliche chinesischen Einkäufer, Journalisten und Blogger hätten ihre Teilnahme abgesagt, berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Der Modedesigner Giorgio Armani will seine Kollektion für Herbst/Winter 2020 nur hinter verschlossenen Türen zeigen. Er wolle die Besucher keinen Gefahren auszusetzen. Die Show wird im Netz übertragen.

VW-Werke wieder in Betrieb

Italien – immerhin sechstwichtigster Handelspartner für Deutschland – ist auch für viele Unternehmen aus Ostwestfalen ein bedeutender Wirtschaftsstandort. Grefe zufolge unterhalten rund 500 Firmen aus Ostwestfalen Geschäftsbeziehungen nach Italien. 40 Unternehmen seien in Italien mit einer Niederlassung vertreten. Unterdessen hat Volkswagen nach einem längeren Produktionsstopp in China die meisten Werke wieder in Betrieb genommen.

An der Börse gab es einen rabenschwarzen Tag: Der deutsche Leitindex Dax büßte vier Prozent auf 13.035 Punkte ein. Der Preis für Gold stieg auf einen neuen siebenjährigen Höchststand.

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