Lager von Lebensmittelkonzernen in Paderborn, Haaren, Schloß Holte-Stukenbrock und Langenberg blockiert
Bauern in OWL protestieren gegen Discounter

Paderborn/Schloß Holte-Stukenbrock/Langenberg/Bad Wünnenberg (WB). Mehr Tier- und Umweltschutz, mehr Rücksicht auf Insekten, weniger Gülle – all das sieht das geplante Agrarpaket der Bundesregierung vor. Viele Landwirte sehen sich daher in ihrer Existenz bedroht.

Montag, 02.03.2020, 17:30 Uhr aktualisiert: 02.03.2020, 19:06 Uhr
Dieses Foto zeigt die Protestaktion der Landwirte aus der Region vor dem Aldi-Zentrallager in Schloß Holte-Stukenbrock. Foto:
Dieses Foto zeigt die Protestaktion der Landwirte aus der Region vor dem Aldi-Zentrallager in Schloß Holte-Stukenbrock.

Am Sonntagabend haben nach eigenen Angaben 220 Landwirte aus Ostwest­falen-Lippe vor vier Zentrallagern großer Lebensmittelkonzerne in der Region protestiert und die Zufahrten zum Teil blockiert. Die Demonstrationen waren nicht angemeldet worden.

Landwirte sauer auf die Politik

„Mit dieser Aktion wollen wir den Konzernen, der Politik und auch den Verbrauchern zeigen, wie wichtig die Landwirtschaft in Deutschland ist“, sagt Landwirt Marcus Blome aus Delbrück im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Landwirte befürchten unter anderem negative Folgen für ihren Berufsstand durch die geplante Verschärfung der Düngeverordnung, die Blome zufolge am 3. April von den Bundesländern verabschiedet werden soll. Proteste gab es schon mehrere. Sowohl in der Region als auch in der Hauptstadt Berlin.

„In Zeiten einer Hysterie wegen des Coronavirus und teilweise leergekaufter Supermarktregale durch Hamsterkäufe ist es umso wichtiger, eine funktionierende Eigenversorgung sicherzustellen“, sagt Blome. „Die Landwirte in Deutschland stehen für diese sichere Eigenversorgung zu den höchsten Standards weltweit“, betont er weiter und fragt: „Warum will man diese seitens der Politik ohne erkennbare Not einfach abschaffen?“

Mit Traktoren vor Ort

Durch einseitig verschärfte Vorgaben erlitten die Landwirte „massive Wettbewerbsnachteile“ und seien „nicht mehr konkurrenzfähig gegenüber den ausländischen Mitbewerbern.“ Für ihn steht daher fest: „Wir können uns nicht ausschließlich auf Lebensmittellieferungen aus dem Ausland verlassen, wie jeder derzeit erkennen muss.“ Blome selbst betreibt einen Ackerbau- und Schweinemastbetrieb.

Die Protestaktion begann am Sonntag gegen 21 Uhr vor dem Zentrallager des Discounters Lidl in Paderborn. Laut Polizei, die die Protestaktionen überwachte, waren etwa fünf Traktoren sowie vier Autos gegenüber der Zufahrt zum Lidl-Lager aufgestellt. Etwa zeitgleich wurde in Schloß Holte-Stukenbrock vor dem Aldi-Zentrallager demonstriert. Dort waren die Landwirte mit 27 Traktoren vor Ort.

Demo nicht angemeldet – ein Verstoß?

Gegen 23 Uhr zogen die Landwirte vor dem Lager der Firma Lüning in Langenberg mit 57 Traktoren auf. Um 4 Uhr in der Nacht blockierten etwa 30 Traktoren für gut 25 Minuten das Lager des Discounters Netto in Bad Wünnenberg-Haaren. Die Polizei in den Kreisen Paderborn und Gütersloh spricht von friedlichen Protesten. Die Landwirte hätten sich kooperativ gezeigt. Allerdings werde nun geprüft, ob ein Verstoß gegen das Versammlungsgesetz vorliege, weil die Demonstrationen nicht angemeldet worden waren.

Blome und seine Mitstreiter befürchten beim Thema Lebensmittel eine Abhängigkeit von anderen Ländern, die „gefährlich“ sei. Das zeige sich gerade in Zeiten wie diesen mit der rasanten Ausbreitung des Coronavirus. Die Bauern appellieren an die Verbraucher, sich stärker für den Erhalt der deutschen Landwirtschaft einzusetzen. Darüber hinaus fordern sie vom Lebensmitteleinzelhandel, der die Produkte „zum Teil verramsche“, fair behandelt zu werden. Blome beklagt: „Die Marktmacht wird missbraucht. Und jeder, der es wagt, höhere Preise zu fordern, wird aus dem Sortiment genommen.“

Plakat mit der Aufschrift: „Niemand soll es je vergessen, Bauern sorgen für das Essen.“

Plakat mit der Aufschrift: „Niemand soll es je vergessen, Bauern sorgen für das Essen.“

 

 

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7306748?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2509831%2F2198339%2F
Comeback mit Auswärtspunkt
Arminias Cebio Soukou (links, hier gegen Frankfurts Martin Hinteregger) erzielte das 1:0 für den Aufsteiger. Foto: Thomas F. Starke
Nachrichten-Ticker