Mi., 11.03.2020

Coronavirus zeigt Folgen im Arbeitsalltag – IHK: Optimismus der Betriebe verschwunden Waren aus China bleiben unausgepackt

Ausbleibende Lieferungen aus China verursachen im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Coronavirus die größten Probleme in der ostwestfälischen Wirtschaft. Die Absage von Messen trifft die Veranstalter, Messebauer und Gastronomie.

Ausbleibende Lieferungen aus China verursachen im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Coronavirus die größten Probleme in der ostwestfälischen Wirtschaft. Die Absage von Messen trifft die Veranstalter, Messebauer und Gastronomie. Foto: dpa/ Grafik: Oliver Horst

Von Bernhard Hertlein

Bielefeld(WB). Das Coronavirus beeinträchtigt offenbar zunehmend auch den Arbeitsalltag ostwestfälischer Unternehmen. Harald Grefe, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Bielefeld, berichtete am Dienstag von Arbeitnehmern, die sich weigerten, Lieferungen aus China auszupacken.

Geschäftsführung der IHK Ostwestfalen (von links) Christoph von der Heiden, Thomas Niehoff und Harald Grefe. Foto: Hertlein

„Wir müssen außerdem damit rechnen, dass Betriebe ihre Produktion vorübergehend stilllegen müssen, wenn zu viele Mitarbeiter unter Quarantäne gestellt werden“, erklärte Hauptgeschäftsführer Thomas Niehoff. Nicht jede Arbeit lasse sich im Homeoffice erledigen.

Die Verwaltungsspitze der IHK appellierte bei der Vorstellung der Frühjahrskonjunktur an die Politik, ihre Hilfen schrittweise den sich verändernden Bedingungen anzupassen. Vorrang haben müsse die Bekämpfung des Virus. Die von der Großen Koalition beschlossenen Maßnahmen für eine erleichterte Kurzarbeit und zur Liquiditätssicherung gingen in die richtige Richtung. Darüber hinaus regte Niehoff an, auch über eine Stundung von Steuerschulden der Wirtschaft nachzudenken. Die Staatsfinanzen seien aktuell in einer guten Verfassung – besser als vor der letzten großen Krise 2008. Wichtig sei aber vor allem, dass die Hilfen schnell und unbürokratisch bei den betroffenen Firmen ankämen.

305 Unternehmen befragt

Bei einer Blitzumfrage der IHK, an der vor etwa zwei Wochen 305 ostwestfälische Unternehmen mit insgesamt mehr als 300.000 Beschäftigten teilnahmen, erklärten 214, dass sie schon negative Auswirkungen des Coronavirus auf ihren Betrieb spürten. Weitere 45 befürchteten sie in naher Zukunft. Fast die Hälfte hat mit Lieferengpässen zu kämpfen, jeder dritte mit Umsatzrückgängen. Die Absage von Messen treffen Gastronomie und Messebauer besonders, dieser Punkt steht an dritter Stelle. Um die negativen Folgen nicht zu groß werden zu lassen, warnte Grefe vor Panik: Zumindest bei Seefracht sei das Coronavirus längst abgestorben, wenn der China-Container den deutschen Hafen erreiche.

Nach Angaben Niehoffs waren die Unternehmer bei der bis 20. Februar durchgeführten traditionellen IHK-Konjunkturumfrage noch vergleichsweise optimistisch. Fast jedes vierte Unternehmen rechnete mit einer Verbesserung der Geschäftslage; sechs Monate zuvor waren es zwölf Prozent. Das spiegelte sich allerdings nicht im Investitionsverhalten; 40 Prozent der befragten Unternehmen haben ihre Ausgaben für Investitionen 2019 im Vergleich zum Vorjahr reduziert.

Rekord: 171.101 Beschäftigte

Was den Umsatz der heimischen Industrie betrifft, so stieg er nach Angaben von IHK-Geschäftsführer Christoph von der Heiden im vergangenen Jahr nur um 0,6 Prozent auf 44,6 Milliarden Euro. Währen der Export um 2,1 Prozent zulegte, habe es im Inland sogar einen leichten Rückgang um 0,3 Prozent gegeben. Die Zahl der Beschäftigten erreichte mit 171.101 noch einmal einen Rekordwert. Allerdings habe es ab August einen Rückgang gegeben; insgesamt habe die Industrie in den letzten vier Monaten etwa 2000 Jobs abgebaut. 24.614 waren bei Zeitarbeitsfirmen beschäftigt – 13,3 Prozent weniger als 2017.

Auffällig ist, dass die Beurteilung der chinesischen Wirtschaft schon zu Beginn 2019 deutlich skeptischer war als ein Jahr zuvor. Das sei außer auf die ersten Corona-Meldungen hauptsächlich auf die nachlassende Konjunktur in China zurückzuführen. Konkret sank die Zahl der Betriebe, die ihre Geschäftsbeziehungen mit China als „gut“ beurteilten, binnen eines Jahres von 47,7 auf 21,4 Prozent. Jedes vierte Unternehmen beschrieb sie sogar als „schlecht“. Vor einem Jahr waren dies nur 16,8 Prozent.

Maschinenbau ist die Nummer 1

Die ostwestfälischen Nahrungsmittelhersteller steigerten ihren Umsatz 2019 um 6,6 Prozent auf 8,6 Milliarden Euro und blieben damit stärkste Branche. Nummer 1 bei der Beschäftigtenzahl ist der Maschinenbau mit 30.678 Mitarbeitern – 8840 mehr als die Ernährungsindustrie. Die Möbelindustrie erhöhte ihren Umsatz um ein Prozent, wobei die Branche aber im Inland ein Minus hinnehmen musste. Sehr deutlich war der Rückgang in der Autobranche: 4,1 Prozent.

Regional erwirtschaftete der Kreis Gütersloh mit 2,7 Prozent das größte Wachstum. Die Industrie im Kreis Herford legte 0,6 Prozent zu. Alle übrigen Kreise in OWL und die Stadt Bielefeld mussten Rückgänge hinnehmen; am größten war der Rückgang mit 2,7 Prozent in Minden-Lübbecke.

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