Fr., 27.03.2020

Auswirkungen der Kartellstrafe – minus 20,5 Millionen Euro Agravis in den roten Zahlen

Der Agrarhändler Agravis ist in die roten Zahlen gerutscht.

Der Agrarhändler Agravis ist in die roten Zahlen gerutscht. Foto: dpa

Von Jürgen Stilling

Münster (WB). Der Agrarhändler Agravis (Münster/Hannover) ist in die roten Zahlen gerutscht. Wie der Konzern am Donnerstag bei der Bilanzvorlage für das Geschäftsjahr 2019 mitteilte, lag das Ergebnis vor Steuern bei minus 20,5 Millionen Euro. Grund für den Ertragseinbruch war nach Angaben von Vorstandschef Dr. Dirk Köckler eine Kartellbuße wegen Verstößen gegen das Wettbewerbsrecht in Höhe von 43,7 Millionen Euro, über die unsere Zeitung bereits berichtet hat.

Als positives Signal wertete Köckler, dass Agravis auch im zweiten Dürrejahr hintereinander „umsatzmäßig solide Ergebnisse“ erreicht habe. „Operativ waren wir als Agravis gut im Markt unterwegs, wie der Umsatz von rund 6,5 Milliarden Euro zeigt. Damit haben wir unser geplantes Umsatzziel erreicht.“ Im Vorjahr hatte der Umsatz bei 6,6 Milliarden Euro gelegen, also nur minimal höher als 2019.

Zum Kartellverfahren, in dem Preisabsprachen im Pflanzenschutz bestraft wurden, betonte der Vorstandschef: „Ganz bewusst haben wir uns nach umfangreicher juristischer Analyse und in voller Übereinstimmung mit dem Aufsichtsrat Ende 2019 dazu entschieden, das Kartellverfahren wegen des Vorwurfs von Preisabsprachen im Pflanzenschutz außergerichtlich und einvernehmlich zu beenden.“ Er betonte allerdings auch, dass die Agravis Raiffeisen AG solide aufgestellt sei, über Reserven und eine ausreichende Eigenkapitalausstattung verfüge. „Das Bußgeld ist mit dem Geschäftsabschluss 2019 vollständig verarbeitet. Der Schlussstrich ist gezogen.“

Der Blick gehe deshalb nur noch nach vorn. „Wir planen für 2020 mit einer soliden und stabilen Umsatzentwicklung und einem Ergebnis vor Steuern, das bei 30,2 Millionen Euro liegt“, erläuterte Finanzvorstand Johannes Schulte-Althoff. 2018 hatte das Unternehmen einen Vorsteuergewinn in einer ähnlichen Größenordnung erzielt. Für 2020 hat Deutschlands zweitgrößter Agrarhändler ein Umsatzziel von 6,3 Milliarden Euro ausgegeben – trotz der Corona-Pandemie nur ein kleiner Rückgang gegenüber 2019.

Mit Blick auf die Corona-Krise betonte der Vorstandsvorsitzende „das hohe Maß an Verantwortung“, das Agravis für die Lebensmittelversorgung in Deutschland trage. „In der Summe ist die Lage für die Agravis-Gruppe bis dato noch beherrschbar, jedoch ist die Situation auch täglich, manchmal sogar stündlich neu zu bewerten.“

Probleme gebe es nach wie vor bei Rohstofflieferungen aus Fernost. Zwar sei die Produktion in China wieder angelaufen. Aber es dauere sechs bis acht Wochen bis die Ware dann in Europa ankomme. Köckler: „Ich bin da aber insgesamt nicht so optimistisch wie die chinesischen Behörden.“

Trotz aktueller Unsicherheiten denkt Agravis an die Zukunft. „Wir werden erneut rund 49 Millionen Euro in Standortqualität, Leistungsfähigkeit und Kundennähe investieren,“ sagte Köckler.

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