Arbeitgebersprecher Ernst Wolf zur Lage der Metall- und Elektrobranche in NRW , zu Kurzarbeit und anderen Themen
„Autoindustrie sollte Probleme aus eigener Kraft lösen“

Gütersloh (WB/in). Als stellvertretender NRW-Landesvorsitzender der Metall-Arbeitgeber spricht der Gütersloher Unternehmer Ernst Wolf (66) für eine in OWL wichtige Branche. Sie könne, glaubt er, zumindest im konsumnahen Bereich bis Jahresende weitgehend aus der Krise herauskommen. Subventionen sieht er ebenso kritisch wie die Erhöhung des Kurzarbeitergeldes. Letztere werde die Liquiditätsprobleme in Unternehmen verschärfen. Mit Wolf sprach Bernhard Hertlein.

Donnerstag, 23.04.2020, 02:52 Uhr
Ernst Wolf, stellvertretender NRW-Landesvorsitzender Arbeitgeberverband Metall und Elektro und geschäftsführender Gesellschafter der Gustav Wolf GmbH in Gütersloh. Foto: Arbeitgeberverband
Ernst Wolf, stellvertretender NRW-Landesvorsitzender Arbeitgeberverband Metall und Elektro und geschäftsführender Gesellschafter der Gustav Wolf GmbH in Gütersloh. Foto: Arbeitgeberverband

Claas und Miele haben die Kurzarbeit bereits beendet. Wie gut läuft es schon wieder in der OWL-Metallbranche?

Ernst Wolf: Es lief auch vorher schon hier in der Metallbranche nicht alles schlecht. In unserem Betrieb beispielsweise, der Gustav Wolf GmbH, gab es keinen Stillstand. Die Maßnahmen zum Gesundheitsschutz sind umsetzbar. Probleme bekam, wer seine Lieferkette auf Importe aus China aufgebaut hatte. Wenn Ende Februar/Anfang März wichtige Teile nicht eintrafen, konnte das eine Produktion stilllegen. Das gilt auch für Norditalien; das Ausbleiben von Zulieferungen aus dieser Region hat besonders einige Betriebe in der Möbelindustrie getroffen. Die Schließung großer Teile des deutschen Einzelhandels traf dann weitere Metallbetriebe, vor allem im konsumnahen Bereich. Mit der schrittweisen Öffnung von Geschäften, wie sie jetzt begonnen hat, könnte das überwunden werden.

Wie ist die Lage bei den Autozulieferern in der Region?

Wolf: Da einige Autoproduzenten wie Volkswagen und Daimler die Produktion schon wieder aufnehmen, könnte es bald auch bei den Zulieferern losgehen. Einige Metallbetriebe, darunter zum Beispiel Gießereien, haben sogar Chancen auf neue Aufträge. Jedenfalls gibt es Anfragen in OWL von Konzernen, die sich vorher von Lieferungen aus China abhängig gemacht haben. Übrigens ist die Autokonjunktur auch schon vor dem Coronavirus zurückgegangen.

Was halten Sie daher von der Forderung nach einem Konjunkturprogramm zur Absatzförderung für die Autoindustrie?

Wolf: Da bin sehr zurückhaltend. Derartige Subventionen dürften bei Unternehmen, die Dividenden an die Aktionäre und hohe Boni an die Mitarbeiter – allein bei Porsche für 2019 etwa 9800 Euro – ausschütten, kaum vermittelbar sein. Die Autoindustrie hat sehr gute Jahre hinter sich und sollte versuchen, ihre Probleme aus eigener Kraft zu lösen. Ein mittelständischer Arbeitgeber muss sich auch einschränken – unabhängig davon, dass sein Gewinn im Vorjahr erwirtschaftet worden ist. Noch kritischer sehe ich das bei Konzernen wie zum Beispiel Adidas, der ja sogar Mietzahlungen aussetzen wollte. Da lobe ich mir Dänemark. Dort kann nur das Unternehmen staatliche Hilfe beanspruchen, das keine Dividende an seine Aktionäre bezahlt.

In der Bundesregierung gibt es Erwägungen, das Kurzarbeitergeld zu erhöhen, vielleicht auf 80 Prozent. Wie hilfreich wäre eine solche Regelung?

Wolf: Hilfreich für die Mitarbeiter, sicher. Für den Staat bedeutete sie mehr Bürokratie. Und für Unternehmen könnte sie die Krise verschärfen.

Inwiefern?

Wolf: Beim Kurzarbeitergeld müssen die Unternehmen in Vorleistung gehen und erhalten es erst nach vier bis sechs Wochen von der Arbeitsagentur zurück. Bei Firmen, bei denen die Liquidität ohnehin knapp ist, würde eine Erhöhung der Kurzarbeiterzahlung die Probleme vergrößern. Übrigens haben wir in der Metallbranche uns tariflich darauf verständigt, dass Mitglieder der Belegschaft, die in der Kurzarbeit Geldprobleme bekommen, aus einem Fonds Hilfe erhalten können. Die Entscheidung, wer unterstützt wird, fällen Firmenleitung und Betriebsrat gemeinsam.

Wie hilfreich war die schnelle Einigung in der aktuellen Metall-Tarifrunde?

Wolf: Es war ein ganz wichtiger Schritt, dass sich Arbeitgeber und IG Metall darauf verständigen konnten, die Krise erst einmal abzuwarten und die Gespräche für einen neuen Tarifvertrag auf das Jahresende zu verschieben.

Wird die Krise dann vorbei sein?

Wolf: Auch ich bin kein Hellseher. Aber ich habe meine eigene Glaskugel. Und danach gehe ich davon aus, dass sich der konsumnahe Bereich dann, wenn sich die schrittweise Öffnung der Geschäfte bestätigt, relativ schnell erholen kann. Zwar werden die Verbraucher nicht sofort ihr Portemonnaie öffnen und vor allem anfangs vorsichtiger einkaufen. Trotzdem glaube ich, dass viele Ausgaben nachgeholt werden. Das gilt nicht für alle Bereiche, insbesondere nicht für das Gaststättengewerbe und die Touristik. Aber ein Teil des Geldes, das hier etwa bei Fernreisen eingespart wird, könnte für andere Dinge ausgegeben werden, von denen vor allem einheimische Hersteller profitieren. Für mein Unternehmen gehe ich davon aus, dass wir im dritten Quartal wieder das Vorjahresniveau erreichen werden. Ungefähr so wird es, glaube ich, auch bei vielen anderen Unternehmen sein.

Zur Person

Ernst Wolf (66) ist geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens Gustav Wolf, dessen Ursprünge auf das Jahr 1737 zurückgehen und das sich ab 1887 auf Stahldrähte und Stahlseile spezialisierte. Heute produziert die Firmengruppe an sieben Standorten, darunter in China, den USA und Indien. Von den 800 Beschäftigten arbeiten 150 am Stammsitz in Gütersloh. Der Umsatz liegt bei jährlich 100 Millionen Euro. Ernst ist neben seiner Funktion im NRW-Landesverband auch Vorsitzender des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie im Kreis Gütersloh.

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