Corona-Krise
Reisebusbetriebe fürchten um ihre Existenz

Viele private Busbetriebe stehen mit dem Rücken zur Wand - das Geschäft ist zum Erliegen gekommen, Fixkosten aber müssen weiter gezahlt werden. Das Verkehrsministerium will der Branche nun zur Seite springen.

Samstag, 25.04.2020, 06:50 Uhr aktualisiert: 25.04.2020, 06:54 Uhr
Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) plant Nothilfen für die schwer gebeutelte Busbranche.
Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) plant Nothilfen für die schwer gebeutelte Busbranche. Foto: Michael Kappeler

Berlin (dpa) - Alle Busse auf dem Hof, keine Urlauber in Sicht: Für viele Reisebusbetreiber wird die Corona-Flaute bedrohlich. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) plant nun Nothilfen für die schwer gebeutelte Busbranche. Damit soll eine Pleitewelle verhindert werden.

Die Lage der mittelständisch geprägten Branche wird wegen der einschneidenden Beschränkungen als dramatisch eingeschätzt. Die Busse seien «auf Null» gesetzt worden, Personenverkehr und Bustouristik komplett zum Erliegen gekommen, hieß es. Reisebusse könnten nicht mehr fahren, auch die Schülerbeförderung dürfte nur langsam wieder in Gang kommen.

Für viele Unternehmen sei dies existenzbedrohend. Zwar müsse derzeit keine Kfz-Steuer gezahlt werden, auch Versicherungsbeiträge könnten gestundet werden - die Fixkosten aber blieben. Dabei geht es um sogenannte Vorhaltekosten. So müssten Kredite weiterhin getilgt werden. Viele Busunternehmen hätten ihre Flotte in der vergangenen Zeit auf moderne und umweltfreundliche Fahrzeuge umgerüstet, die Anschaffung eines neuen Reisebusses koste 400.000 bis 500.000 Euro.

Deswegen stünden viele Firmen «massiv in der Kreide», hieß es in den Regierungskreisen. Das Verkehrsministerium arbeite deswegen an einem Förderprogramm, um die Firmen bei den Vorhaltekosten zu entlasten. Das Volumen stehe noch nicht fest.

In einer Branchenumfrage äußerte jedes vierte Unternehmen die Befürchtung, wegen des Geschäftseinbruchs nur noch vier Wochen durchzuhalten. Rund 60 Prozent hält sich nach eigener Einschätzung noch drei Monate über Wasser, wie der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer mitteilte.

«Die Busbranche in Deutschland liegt am Boden», sagte Bundesgeschäftsführerin Christiane Leonard. «Uns erreichen täglich Nachrichten von Geschäftsaufgaben.» Schnelle Hilfe sei notwendig. Die bisherigen staatlichen Rettungsmaßnahmen für die Wirtschaft reichten nicht aus. Der Verband ruft für die mittelständischen Unternehmen nach Zuschüssen, Steuererleichterungen und einer «Exit-Strategie», damit wieder Reisen geplant werden könnten.

In einer Resolution des Bustouristikgewerbes hieß es, die privaten bustouristischen Unternehmen seien sich ihrer Verantwortung bewusst, dass die Gesundheit der Kunden und Busfahrer oberste Priorität habe. Seit Beginn der Corona-Ausbreitung in Europa werde die Lage aber mit jedem Tag dramatischer. Inzwischen seien viele der fast 3000 privaten, zumeist familiengeführten Busunternehmen in Bedrängnis. Die Bustouristik sei die am frühesten betroffene Branche. Bereits Anfang März habe eine umfassende Stornierungswelle eingesetzt. Seit dem Verbot von Busreisen am 17. März lägen die Buchungszahlen bei null.

«Damit wird es in der kurzen Saison derzeit unmöglich, die hohen Vorauszahlungen und die immensen laufenden Kosten etwa für die Fahrzeuganschaffung zu refinanzieren», hieß es. Aufgrund der anhaltenden Unsicherheit sagten Kunden nun auch bereits Reisen weit in der Zukunft ab. Laut einer aktuellen Umfrage drohten Umsatzeinbußen in zweistelliger Milliardenhöhe, wenn sich die Buchungsrückgänge so fortsetzten.

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