Soforthilfe gefordert
Reisebranche: Umsatzeinbußen von fast 11 Milliarden Euro

Reisewarnungen, geschlossene Grenzen, Ausgangssperren - die Reisebranche trifft die Corona-Krise ins Mark. Zwei von drei Unternehmen sehen sich kurz vor der Insolvenz.

Montag, 04.05.2020, 13:58 Uhr aktualisiert: 04.05.2020, 14:00 Uhr
Ein seltenes Bild vom Strand El Arenal in Palma de Mallorca. Die Corona-Krise trifft die Reisebranche besonders schwer.
Ein seltenes Bild vom Strand El Arenal in Palma de Mallorca. Die Corona-Krise trifft die Reisebranche besonders schwer. Foto: Clara Margais

Berlin (dpa) - Die wirtschaftliche Lage der Reisewirtschaft in der Corona-Krise hat sich dem Branchenverband DRV zufolge weiter verschärft. Der Verband rechnet inzwischen mit Umsatzeinbußen von mindestens 10,8 Milliarden Euro bis Ende Juni.

«Das Geschäft der Reisebüros und Reiseveranstalter ist durch staatliche Anordnung fast vollständig zum Erliegen gekommen», sagte Verbandspräsident Norbert Fiebig am Montag in Berlin. Eine Besserung sei nicht in Sicht. Die weltweite Reisewarnung aufgrund der Corona-Pandemie war jüngst bis Mitte Juni verlängert worden. «Vor Ende der Pfingstferien in Deutschland werden keine Auslandsreisen möglich sein», sagte Fiebig.

Hinzu kämen die Belastungen durch die Rückabwicklung gebuchter Reisen. Fiebig forderte ein staatliches Soforthilfeprogramm mit nicht rückzahlbaren Beihilfen. Zwei von drei Unternehmen sähen sich bereits unmittelbar von einer Insolvenz bedroht. «Die Politik kann nicht länger völlig tatenlos hinnehmen, wie Reisebüros und Reiseveranstalter ihre Existenz verlieren», mahnte Fiebig.

Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, hatte am Wochenende einen Rettungsfonds für die Branche sowie Verbraucher ins Spiel gebracht - falls eine Gutscheinlösung für abgesagte Reisen nicht klappt. Nach EU-Recht müssen Flugtickets und Pauschalreisen eigentlich erstattet werden. Deutschland will Verbraucher jedoch verpflichten, bei Reiseabsagen in der Corona-Krise vorerst einen Gutschein statt einer Erstattung zu akzeptieren - um die Liquidität von Firmen zu sichern. EU-Vizekommissionspräsidentin Vera Jourova hatte gesagt, es gelte, eine Balance zu finden zwischen starken Verbraucherrechten und der Liquidität der Reiseanbieter.

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