Auch Erntehelfer werden überprüft – Lockerungen in Coesfeld ausgesetzt
Corona-Massentests in NRW-Schlachthöfen

Düsseldorf (WB). Als Konsequenz aus dem Corona-Ausbruch im Westfleisch-Schlachthof im münsterländischen Coesfeld hat die NRW-Landesregierung den Betrieb am Freitag vorübergehend geschlossen. Das hat Landesgesundheitsminister Karl-Jo­sef Laumann (CDU) mitgeteilt.

Samstag, 09.05.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 09.05.2020, 05:02 Uhr
Das Westfleisch-Werk in Coesfeld. Foto: dpa
Das Westfleisch-Werk in Coesfeld. Foto: dpa

Bereits am Vormittag hatte die Staatskanzlei die fünf Bezirksregierungen im Land angewiesen, die Beschäftigten aller 35 Großschlachtereien in NRW auf mögliche Infektionen mit dem Coronavirus zu testen. Dies gelte insbesondere für alle Mitar­bei­ter, die mit einem Werkvertrag ausgestattet sind, heißt es in der Anweisung, die un­serer Zeitung vorliegt. Laumann geht von bis zu 20.000 zu testenden Personen aus.

Zudem werden im gesamten Kreis Coesfeld alle Lockerungsmaßnahmen vom 11. auf den 18. Mai verschoben. Das gilt etwa für die Öffnung von Restaurants, Freizeitparks, Tanzschulen und Fitnessstudios. „Schulen und Kitas sind nicht betroffen“, sagte Laumann.

Darüber hinaus wird in allen Sammelunterkünften von Saisonarbeitern in der Landwirtschaft und Werkvertragsbeschäftigten in der fleischverarbeitenden Industrie die Einhaltung der Arbeitsschutzbestimmungen überprüft. Bei hygienischen Defiziten werden Auflagen erteilt. Die Landesregierung nehme die Lage „sehr ernst“, sagte ihr Sprecher Christian Wiermer.

Kritik von Tönnies

Das Virus hatte sich in den vergangenen Tagen in dem Coesfelder Betrieb ausgebreitet. Bis Donnerstag wurden 129 Infizierte erfasst; 13 kamen ins Krankenhaus. Am Freitag wurde in Coesfeld der Grenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche überschritten. Er lag am Nachmittag bei 60. Bund und Länder hatten am Mittwoch beschlossen, dass bei einer Überschreitung des Grenzwertes umgehend neue Beschränkungen greifen sollen.

Fleischunternehmer Clemens Tönnies aus Rheda-Wiedenbrück kritisierte die Anordnung der Corona-Tests. „Wir wurden in der Ernährungsindustrie vor acht Wochen aufgefordert, während des Lockdowns weiter zu arbeiten, so wie Krankenhäuser, Pflegeheime und die Energieversorgung. Diesem Auftrag sind wir nachgekommen in dem Wissen, dass wir dadurch ein erhöhtes Infektionsrisiko haben“, sagte Tönnies. Nun dürfe nicht „eine ganze Branche unter Generalverdacht gestellt werden“. Die geforderten „ungezielten generellen Wohnraumkontrollen“ seien nicht gerechtfertigt.

Kontrollen in Niedersachsen?

Auch das Land Niedersachsen denkt über flächendeckende Tests bei Mitarbeitern der Schlachthöfe nach. Die Deutsche Presseagentur zitiert das Agrarministerium in Hannover: „Der Ansatz, alle Mitarbeiter in niedersächsischen Schlachthöfen (einschließlich Werkvertragsarbeitnehmer) zu testen, wird derzeit geprüft.“ Das weitere Vorgehen werde mit dem Gesundheitsministerium abgestimmt. Damit wären auch die Standorte Sögel (Schlacht- und Zerlegebetrieb) und Badbergen (Rinderschlachtung und -zerlegung) von Tönnies von den Kontrollen betroffen.

Derzeit lägen „keine Hinweise auf Corona-Erkrankungen in Schlachtbetrieben oder anderen Lebensmittelunternehmen vor, die Auswirkungen auf die Versorgungssituation oder auf die Lieferketten in Niedersachsen“ haben, heißt es laut dpa vom Agrarministerium.

Der Schlachthof Gocksch in Herford (150 Mitarbeiter) ließ bereits am Freitag Corona-Tests bei der Belegschaft machen. Das Ergebnis soll spätestens Montag vorliegen.

 

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