Exporte im März gesunken – stärkerer Einbruch in April und Mai erwartet
Einstieg in den Absturz

Wiesbaden/Bielefeld (dpa/WB/in). Deutschlands Exporteure haben den Beginn der Corona-Krise im März deutlich zu spüren bekommen. Saisonbereinigt brachen die Ausfuhren gegenüber dem Vormonat um 11,8 Prozent ein, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mit. „Die Corona-Krise beginnt im Außenhandel beispiellose Spuren zu hinterlassen“, sagte Holger Bingmann, Präsident des Außenhandelsverbandes BGA. Für die kommenden Monate rechnen Außenhandelsverband und Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK) mit noch stärkeren Rückgängen.

Samstag, 09.05.2020, 05:30 Uhr
In China läuft die Wirtschaft wieder an – hier die Verladung von Containern im Hafen von Yangluo. Auf dem kleinen Foto: Harald Grefe, stellvertretender Hauptgeschäftsführer und Außenhandelsexperte der IHK Ostwestfalen. Foto: dpa
In China läuft die Wirtschaft wieder an – hier die Verladung von Containern im Hafen von Yangluo. Auf dem kleinen Foto: Harald Grefe, stellvertretender Hauptgeschäftsführer und Außenhandelsexperte der IHK Ostwestfalen. Foto: dpa

Der Wert der Ausfuhren sank im März im Vergleich zum Vorjahresmonat um 7,9 Prozent auf 108,9 Milliarden Euro. Die Importe verringerten sich binnen Jahresfrist um 4,5 Prozent auf 91,6 Milliarden Euro. Nach Einschätzung des DIHK ist dies aber „nur der Aufgalopp für noch stärkere Einschnitte in der deutschen Exportbilanz.“ DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier erläuterte: „Die globale Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen sinkt, Investitionen werden gestrichen und Handelshemmnisse nehmen zu. Wir rutschen damit in eine Weltwirtschaftskrise.“

BGA-Präsident Bingmann erwartet zweistellige Rückgänge in den kommenden Monaten. „Die Folgen des Lockdowns von 50 Prozent der Weltwirtschaftsleistung, das Schließen von Grenzen gerade auch im europäischen Binnenmarkt, die weltweite Verhängung von Handels- und Reisebeschränkungen sowie massive Störungen in der See- und Luftfracht beginnen erst, ihre Spuren in der Statistik zu hinterlassen.“ Die Welthandelsorganisation (WTO) rechnete zuletzt mit einem Absturz des Welthandels infolge der Corona-Krise von bis zu 32 Prozent.Besonders deutliche Bremsspuren hinterließen die mit der Ausbreitung der Pandemie im März verbundenen Beschränkungen in Europa. Die EU ist die wichtigste Absatzregion für Waren „Made in Germany“.

In Ostwestfalen sind nach Angaben von IHK-Außenhandelsgeschäftsführer Harald Grefe vor allem der Maschinenbau, die Elektroindustrie und die Autozulieferer betroffen. Auch Grefe erwartet, dass sich der Rückkehr in April und Mai noch einmal verstärkt, um dann im zweiten Halbjahr – „wenn es keinen Rückschlag bei der Eindämmung des Coronavirus geben wird“ – leicht zu erholen. Doch selbst bei diesem Verlauf müsse im Gesamtjahr mit einem Minus von 15 Prozent im Export gerechnet werden.

Zwar erhole sich die chinesische Wirtschaft bereits wieder; aber durch den Stillstand in der Handelsschifffahrt stapelten sich in die Container in den Häfen.

Die Exportquote der ostwestfälischen Wirtschaft liegt nach Angaben von Grefe bei 38 Prozent – im Vergleich zu 50 Prozent im Bundesdurchschnitt. Dabei würden aber Zulieferungen an die inländischen Autohersteller nicht als Export gewertet, auch wenn die Wagen anschließend oft ins Ausland gehen.

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