Insolvenzverwalter hat bislang 14 Millionen Euro sichergestellt
Middelhoff bald schuldenfrei?

Bielefeld (WB). Der mit der Aufarbeitung der Privatinsolvenz des früheren Spitzenmanagers Thomas Middelhoff (67) beauftragte Bielefelder Rechtsanwalt Thorsten Fuest hat inzwischen 14 Millionen Euro sichergestellt. Zuletzt waren vor sieben Monaten mehr als zehn Millionen Euro genannt worden. Dem stehen 80 Millionen Euro an anerkannten Forderungen von Gläubigern gegenüber. Geltend gemacht wurden sogar mehr als 400 Millionen.

Montag, 25.05.2020, 03:01 Uhr aktualisiert: 25.05.2020, 05:01 Uhr
Ex-Topmanager Thomas Middelhoff Foto: dpa
Ex-Topmanager Thomas Middelhoff Foto: dpa

Nach früheren Berichten soll für Middelhoff Anfang Juli 2020 die Restschuldbefreiung in Kraft treten. Sie ermöglicht, auf Antrag schuldenfrei zu werden. Diese Möglichkeit für Personen, die Kredite nicht zurückzahlen können und sich eine vorgeschriebene Zeit wohl verhalten haben, gibt es seit 1999. Middelhoffs Einnahmen etwa aus dem Bücherverkauf fließen, abgesehen vom unpfändbaren Teil für den Lebensunterhalt, aktuell in die Insolvenzmasse ein.

Die Gläubiger allerdings müssen sich nach Angaben des Insolvenzverwalters bei der Frage der Verteilung der 14 Millionen Euro bis Verfahrensende gedulden. Die Dauer des Verfahrens sei ebenso wie die Quotenhöhe noch unklar.

Vor fünf Jahren: Privatinsolvenz beantragt

Der frühere Chef des Bertelsmann-Konzerns und des insolvent gegangenen Kaufhaus-Unternehmens Arcandor (Karstadt-Quelle) sowie Investment-Gesellschafter beantragte am 31. März 2015 beim Amtsgericht Bielefeld Privatinsolvenz. Da war er schon vom Landgericht Essen wegen Untreue in 27 Fällen und Steuerhinterziehung in drei Fällen zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt worden.

Die Haft selbst hat er im Mai 2016 angetreten. Zum großen Teil war Middelhoff im offenen Vollzug und arbeitete für eine Behinderteneinrichtung der Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Im November 2017 kam er vorzeitig frei . Ermittlungen wegen Verdachts auf Bankrott wurden im vergangenen Oktober eingestellt.

In zwei Büchern tiefe Reue gezeigt

Middelhoff blieb auch danach in der Öffentlichkeit in Interviews und Lesungen präsent Er schrieb zwei Bücher. In „A 115 – Der Sturz“ berichtete er über seine Haftzeit und den Wandel, den er in dieser Zeit durchgemacht haben wolle. Im vergangenen Jahr erschien zudem „Schuldig“ – eine Selbstabrechnung des Autors , in der er seine „Gier“ als Manager brandmarkt und sich davon lossagt.

Kommentare

Claus F. Dieterle  schrieb: 26.05.2020 23:26
Und die Gläubiger?
Jetzt lassen Sie doch auch mal die Gläubiger zu Wort kommen. Wie geht's denen denn, da sie nur einen Teil ihrer Forderungen erhalten. Welche Existenzen hatte Herr Middelhoff dadurch zerstört?
1 Kommentare
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