Steuerung künftig komplett an eigenständige Büros ausgegliedert
Gerry Weber gibt Produktion ab

Halle (WB). Weniger ist mehr: Nach dem Prinzip wird Gerry Weber künftig die Liefertermine für die kleineren Kollektionen im Jahr von 14 auf 10 kürzen. Außerdem kündigte der Vorstandsvorsitzende Alexander Gedat am Donnerstag im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT eine grundlegende Änderung in der Produktion an.

Freitag, 19.06.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 19.06.2020, 05:01 Uhr
Neben dem Factory Outlet in Halle betreibt Gerry Weber nur noch vier eigene Geschäfte in OWL: in Herford (Bild), Bad Driburg, Lemgo und Bad Salzuflen. Links der Vorstandsvorsitzende Alexander Gedat, rechts Restrukturierungsvorstand Florian Frank.Foto: Bernd Bexte
Neben dem Factory Outlet in Halle betreibt Gerry Weber nur noch vier eigene Geschäfte in OWL: in Herford (Bild), Bad Driburg, Lemgo und Bad Salzuflen. Links der Vorstandsvorsitzende Alexander Gedat, rechts Restrukturierungsvorstand Florian Frank. Foto: Bernd Bexte

Bisher hat das Haller Modeunternehmen seinen Lieferanten, wie in der sogenannten

Alexander Gedat

Alexander Gedat

passiven Lohnveredelung üblich, nicht nur das Design der Ware, sondern teilweise auch die benötigten Teile wie Stoffe und Knöpfe zur Verfügung gestellt. Künftig wird Gerry Weber den eigentlichen Produktionsprozess nun komplett auslagern zum sogenannten Vollkauf.

Beschaffungscenter werden ausgegliedert

Konkret beschränkt sich das Unternehmen auf die Erstellung des Designs und die Kontrolle der fertigen Ware. „Damit ändern sich auch die Aufgaben unserer drei Beschaffungscenter in China, der Türkei und Bangladesch“, erklärte der Vorstandschef weiter. Aus Kostenträgern des Konzerns sollen Büros werden, die in großer Eigenverantwortung die Herstellung steuern. Ihre Bezahlung werde sich künftig an dem erwirtschafteten Umsatz orientieren.

Das Konzept ist am Mittwoch von Gedat und Restrukturierungsvorstand Florian Frank auf einer Belegschaftsversammlung vorgestellt worden. Trotz des Abbaus von über 200 Stellen insbesondere am Sitz in Halle, die die schlankere Aufstellung des Unternehmens zur Folge haben wird, sei die Reaktion der Beschäftigten positiv. „Diejenigen, die bleiben können, sind froh, dass jetzt Klarheit besteht“, erklärte Gedat. „Jetzt müssen wir ins Tun kommen.“

In der Zentrale in Halle werden Räume frei

Mit dem Jobabbau wurden nach Angaben Gedats auch 30 Prozent der Führungsstellen gestrichen. Die Arbeit werde insoweit umstrukturiert, als die Mitarbeiter aus allen Abteilungen wie Design, Entwicklung und Beschaffung sowie Technik künftig je nach Produktgruppe in einem Bereich zusammengeführt würden. Da auch Ausstellungsfläche entfalle, werde bald ein weiterer Gebäudeteil in der Zentrale frei. Für ihn werde Gerry Weber jetzt Mieter suchen.

Das Logistikzentrums im Haller Gewerbegebiet Ravenna Park sei bis zum angestrebten

Florian Frank

Florian Frank

Verkauf der Immobilie Teil der AG, erklärte Frank. Das Geld aus dem Verkauf werde – ebenso wie aus der ebenfalls angestrebten Veräußerung des Zwölf-Prozent-Anteils an Hallhuber – in vollem Umfang den Gläubigern zugute kommen. Geschäftsbeziehungen zu früheren Eigentümern oder Managern der AG gebe es nur beim Factory Outlet, einem von noch fünf eigenen Verkaufsstellen in OWL. Das Center ist im Besitz von Ralf Weber und wird von Gerry Weber angemietet.

Gedat will den Vorstandsvorsitz nur so lange ausüben, bis ein Nachfolger gefunden sei, und dann wieder in den Aufsichtsrat wechseln.

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