Gesellschafter beraten über Verkleinerung und Sicherung der Liquidität
Flughafen Paderborn muss sparen

Paderborn (WB). Die Corona-Pandemie fordert ihre Opfer in der Luftfahrtbranche. Dabei geht es nicht nur um die Zukunft der Lufthansa AG , von der nicht ausgeschlossen werden kann, dass sie nach der Hauptversammlung am kommenden Donnerstag Insolvenz anmelden muss. Auch die Flughafen-Betreiber stecken in der Krise. In Frankfurt will Fraport mehr als 3000 Stellen abbauen. In Düsseldorf ist ebenfalls jeder dritte Job gefährdet – insgesamt 600 Stellen.

Mittwoch, 24.06.2020, 06:16 Uhr aktualisiert: 24.06.2020, 06:30 Uhr
Am 2. Juli soll der Flugbetrieb in Paderborn wieder losgehen. Foto: Jörn Hannemann
Am 2. Juli soll der Flugbetrieb in Paderborn wieder losgehen. Foto: Jörn Hannemann

Und Ostwestfalens Heimatflughafen in Paderborn-Lippstadt? Auch hier reißt Corona ein großes Loch in die Kasse. Insider sprechen von einer Liquiditätslücke von 2,6 Millionen Euro. Geschäftsführer Marc Cezanne bestätigt nur einen monatlichen Liquiditätsverlust durch den Shutdown von „mehreren hunderttausend Euro“. Immerhin sichere die gerade erfolgte Finanzzusage des mit einem Anteil von mehr als 56 Prozent größten Miteigentümers Kreis Paderborn die Liquidität bis zum Jahresende.

Zurückhaltung bei zwei Eigentümern

Entsprechende Zusagen der anderen Eigentümer stehen noch aus. Zurückhaltung gibt es nach Angaben aus Politikerkreisen bei der Stadt Bielefeld und beim Kreis Lippe. Dabei könnte auch die in NRW anstehende Kommunalwahl einer Einigung jetzt im Wege stehen.

Regionalflughäfen haben in den Augen vieler Menschen nicht erste Priorität. Sie sind aber, sagt Thomas Niehoff, Hauptgeschäftsführer der IHK Ostwestfalen, für die regionale Wirtschaft insbesondere durch die Anbindung an das internationale Drehkreuz in München ein sehr wichtiger Standortfaktor. Die beiden Kammern in Bielefeld und Detmold halten zusammen einen Anteil von knapp zwei Prozent.

Nachtflugbetrieb könnte im Winter eingestellt werden

Am Donnerstag werden die Vertreter aller neun Gesellschafter über die Zukunft des Flughafens beraten. Cezanne wurde beauftragt, ein Konzept vorzulegen, wie bei einer in der Folge der Pandemie noch weiter verkleinerten Nachfrage ein „redimensionierter“ Flugbetrieb einigermaßen rentabel durchgeführt werden kann.

Ein Vorschlag: Der Nachtflugbetrieb wird in den Wintermonaten vollständig eingestellt. Das würde Personal bei der Feuerwehr und im Service einsparen. Nachtflüge seien ohnehin selten, würde aber beispielsweise von Gastmannschaften des Dortmunder BVB genutzt. Der Flughafen Paderborn beschäftigt etwa 170 Mitarbeiter plus 80 Saisonkräfte.

Übernahme der Flugsicherungskosten steht aus

Erst im vergangenen Jahr haben sich die Anteilseigner nach langem Ringen auf eine Verdoppelung des Verlustausgleichs auf fünf Millionen Euro durchgerungen. Weitere Entlastung könnte die Übernahme der Flugsicherungskosten durch den Staat bringen. Sie ist zugesichert, aber noch nicht geflossen.

Cezanne ist enttäuscht, dass als Corona-Hilfe bisher nur Kredite angeboten wurden. Notwendig zur Liquiditätssicherung seien Zuschüsse. Große Investitionen stehen nach der gerade abgeschlossenen, vier Millionen Euro teuren Erneuerung des Vorfeldes aktuell nicht an.

Ab 2. Juli soll am Flughafen Paderborn-Lippstadt wieder der Flugbetrieb aufgenommen werden. Das trifft, sofern keine neuen Reisebeschränkungen verkündet werden, sowohl den Lufthansa-Flugbetrieb nach München als auch Urlaubsflüge nach Griechenland und Spanien.

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