Discounter treten nach der Mehrwertsteuersenkung in Preiskampf
Spieglein, wer ist der billigste im Land?

Essen/Neckarsulm (WB). Aldi ist sauer. Und das ist kein Wunder. Wer will schon gerne mit der bösen Fee – oder war es doch die böse Königin? – verglichen werden, die im Grimm’schen Märchen das Schneewittchen vergiften will. Zwar geht es bei dem umstrittenen Werbespot der Lidl-Konkurrenz nicht darum, wer die Schönere ist. Aber es geht, und das ist für Discounter viel wichtiger, um den Ruf, der preisgünstigste Anbieter im Lande zu sein.

Freitag, 10.07.2020, 19:27 Uhr aktualisiert: 10.07.2020, 20:20 Uhr
Der Screenshot von Youtube zeigt eine Szene aus der Social-Media-Version des Lidl-Werbespots mit der „bösen“ Königin. Foto:
Der Screenshot von Youtube zeigt eine Szene aus der Social-Media-Version des Lidl-Werbespots mit der „bösen“ Königin.

Der Wettstreit der Discounter-Giganten geht schon Jahrzehnte. Vor ziemlich genau einem Jahr aber hat Lidl erstmals zu dem Mittel der (preis-)vergleichenden Werbung gegriffen, zum Beispiel mit dem Satz: „ALDI anderen sind teurer.“ Vorher war diese Art der Werbung, die den Gegner direkt ins Visier nimmt, verpönt – bis Juli 2000 sogar verboten. Seitdem ist sie erlaubt, sofern die Aussagen objektiv nachprüfbar sind.

Preisvergleichende Werbung

Jetzt nahm Lidl die wegen der Corona-Krise vom Bundestag beschlossene sechsmonatige Senkung der Mehrwertsteuer zum Anlass , um die Preisfrage erneut in den Mittelpunkt einer Werbekampagne zu stellen. Zum Auftakt zog der Discounter die Senkung einige Tage vor. Es folgten Anzeigen, in denen ein Korb mit etwa 70 Waren des täglichen Bedarfs mit den entsprechenden Produkten des größeren Konkurrenten – zusammen genommen bringen es Aldi Süd und Aldi Nord auf einen höheren Umsatz – verglichen wurden. Und, wen wundert es, Lidl schnitt etwas besser ab.

Wieder Preiskampf unter den Discount-Giganten

Wieder Preiskampf unter den Discount-Giganten Foto: dpa

Damit nicht genug: Der nächste Schlag gegen den Wettbewerber folgte im Fernsehen und den sozialen Medien. Eine Aldi-Mitarbeiterin liest ein Lidl-Inserat, rennt wütend zu ihrem Spind im Umkleideraum, fragt dort den magischen Spiegel: „Spieglein, Spieglein an der Wand ... Wer ist der günstigste im ganzen Land?” Und während sie sich in eine böse Königin verwandelt, geben die sieben Zwerge und Schneewittchen selbst die Antwort: nicht all die – Wortspiel für Aldi – anderen, sondern Lidl.

Konkurrenz „not amused“

Aldi Süd konterte bereits mit eigenem Preisvergleich. Aldi Nord verweist auf eine generelle Preisreduzierung. Alarmiert ist aber nicht nur der direkte Discount-Wettbewerber, sondern auch Edeka, der Marktführer im Lebensmittelhandel. In einem offenen Brief wendet sich die Edeka-Regionalgesellschaft Südwest an die Verbraucher. Sie hebt vor allem auf die größere Vielfalt ab – bis zu 50.000 statt etwa 1500 Produkte. Damit unterstütze sie den Verbraucher, der bewusste Kaufentscheidungen treffen wolle. „Wir können nicht nur günstig. Wir können mehr“, heißt es im Brief.

Bei den anderen Regionalgesellschaften hält man sich noch zurück. Edeka Minden-Hannover stehe dem offenen Brief der Schwestergesellschaft grundsätzlich sehr offen gegenüber, prüfe aber noch. In Moers bei Edeka Rhein-Ruhr, das unter anderem die Marktkauf- und Edeka-Märkte im westlichen Teil von Ostwestfalen-Lippe beliefert, erklärt Pressesprecherin Simone Erkens zum hitzigen Preiskampf: „Wir wollen unseren Teil Verantwortung wahrnehmen, in dem wir die Debatte nicht noch weiter anheizen.“

Indessen wäre es verwunderlich, wenn der Kampf der Discounter nun schon beendet wäre.

Die größten deutschen Lebensmittelhändler

Nach einer Statistik des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI hat der gesamte deutsche Lebensmittelmitteleinzelhandel im vergangenen Jahr 166 Milliarden Euro umgesetzt, 2,4 Prozent mehr als 2019. Nummer 1 blieb Edeka mit 37,6 Milliarden Euro, gefolgt von Rewe mit 24,7 Milliarden Euro. Lidl belegt Platz 3 mit 20,1 Milliarden.

Edeka ist Deutschlands größter Lebensmittelhändler.

Edeka ist Deutschlands größter Lebensmittelhändler. Foto: dpa

Aldi Süd (auf Rang 4) und Aldi Nord (Rang 7) kommen zusammen auf 27,8 Milliarden Euro. Netto, das eigentlich dem Edeka-Verbund zugerechnet werden muss, belegt Rang 5, Kaufland (wie Lidl Teil der Schwarz-Gruppe) Rang 6, Penny (Rewe-Gruppe) Platz 8. Bünting wird einschließlich Famila und Combi auf Platz 14 geführt.

 

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