Wirtschaft
Vorsorge in Niedrigzinszeiten: Was ist möglich und sinnvoll?

Wie kann Geld am besten angelegt werden, wenn es auf dem klassischen Bankkonto keine Zinsen mehr bringt? Folgende Strategien und Tipps bieten eine passende Wahl für jeden Sparer.

Mittwoch, 15.07.2020, 18:09 Uhr aktualisiert: 15.07.2020, 18:12 Uhr
Wirtschaft: Vorsorge in Niedrigzinszeiten: Was ist möglich und sinnvoll?
Wie investiert man derzeit wohl am besten in seine Träume? Foto: stock.adobe.com © immimagery

Geldanlage war selten so schwierig wie in der aktuellen Zeit. Denn bereits seit mehreren Jahren belasten die niedrigen Zinsen die Sparer. Wer sein Geld also nur auf einem Bankkonto lässt, erhält darauf kaum noch eine Rendite. Bei vielen Banken gibt es mittlerweile überhaupt keine Zinsen für Geldeinlagen mehr und in einigen Fällen müssen die Kontoinhaber sogar bereits Minuszinsen bezahlen. Was sie also dringend brauchen, sind Alternativen, damit das Geld auf lange Sicht nicht durch diese Minuszinsen oder eine Inflation aufgefressen wird. Doch auch hierbei lauern einige Tücken, welche Geldanleger berücksichtigen sollten.

Warum es an Alternativen für Anleger mangelt

Immobilien, Aktien, Edelmetalle – auf dem Papier sind die Alternativen zahlreich und alles andere als ein Geheimtipp. Genau das ist aber auch das Problem an der Sache. Denn nun, da jeder nach entsprechenden Alternativen sucht, sind auch diese maßlos überlaufen. Das schlägt sich in überteuerten Immobilien oder hohen Börsenkursen für Gold, Silber & Co nieder. Dementsprechend werden auch solche Alternativen zunehmend unattraktiv für Geldanleger. Denn angenommen, es besteht tatsächlich eine Immobilienblase oder die Edelmetalle sind überbewertet, so könnte ein „Platzen“ beziehungsweise Absturz die Anleger teuer zu stehen kommen. Wirkliche Alternativen, bei denen tatsächlich eine attraktive Rendite winkt und das mit relativ hoher Sicherheit, scheint es derzeit also kaum zu geben, resultierend aus dem Gesetz von Nachfrage und Angebot. Dennoch sind die Verbraucher unter Zugzwang, denn sie müssen sich zunehmend selbst um ihre Altersvorsorge kümmern, um eine Altersarmut zu verhindern. Die gesetzliche Rente reicht dafür in vielen Fällen nicht aus. Kommt dann zusätzlich eine nationale oder internationale Krise hinzu und die Bankkunden fürchten um die Sicherheit ihres Geldes, sind diese Alternativen noch gefragter als ohnehin bereits.

Geld bei der Bank abheben – ja oder nein?

Diese Reaktion, bei einer Krise das eigene Geld von der Bank zu holen, lässt sich in regelmäßigen Abständen sowie vielen Ländern beobachten. Es scheint also eine gewisses Skepsis der Bevölkerung zu herrschen, dass ihr Geld dort sicher ist, trotz gesetzlicher Einlagensicherung . Tatsächlich ist es nicht sinnvoll, sein gesamtes Geld bei der Bank zu lagern und sowieso nicht auf ein- und demselben Konto. Ebenso wenig ist es aber zu empfehlen, sein gesamtes Geld abzuheben. Denn Bargeld ist auch nicht sicher und erbringt zudem keinerlei Zinsen. Eine Inflation würde dessen Wert genauso zunichte machen wie auf einem Bankkonto auch. Zudem braucht jeder Mensch beziehungsweise Haushalt einen gewissen finanziellen Puffer. Geld also, das kurzfristig zur Verfügung steht, wenn beispielsweise eine ungeplante Anschaffung oder Reparatur anfällt.

Wie viel Geld auf welchem Konto?

Empfohlen wird daher, rund 1.000 Euro auf dem Girokonto zu behalten, die nach allen Ein- und Ausgängen noch auf diesem Konto verbleiben. So wird verhindert, dass dieses ins Minus rutscht. Zu prüfen ist allerdings, ob die Bank Strafzinsen verhängt und ab welchem Betrag. Ein Tagesgeldkonto kann außerdem genutzt werden, um weitere Ersparnisse verfügbar zu halten. Als Faustregel gilt hier, dass jeder Haushalt rund drei Netto-Monatsgehälter auf der Seite haben sollte. Wer mehr Ersparnisse hat, kann und sollte diese tatsächlich anderweitig anlegen. Dafür bietet sich zum Beispiel ein Festgeldkonto an, welches zumindest noch einige Zinsen bringt – vor allem im Ausland. Wer sich jedoch für die Geldanlage im Ausland entscheidet, sollte unbedingt darauf achten, dass es sich um einen europäischen Anbieter handelt, für den ebenfalls die Einlagensicherung greift. Da diese nur für einen Wert von bis zu 100.000 Euro gilt, sollten höhere Beträge aufgesplittet werden, sodass sich niemals mehr als diese 100.000 Euro pro Kunde und Bank ansammeln. Zudem sollte die Geldanlage nicht rein über verschiedene Bankkonten stattfinden, sondern abgesehen vom Giro- und Tagesgeldkonto kommen auch andere Anlageformen infrage.

Privat vorsorgen für die Rente – aber wie?

Die meisten Menschen zahlen in die gesetzliche Rentenkasse ein, sei es verpflichtend oder freiwillig. Dennoch reicht diese Vorsorge in vielen Fällen nicht für ein sorgenfreies Leben im Alter aus. Sinnvoll kann es daher sein, zusätzlich privat vorzusorgen. Hierfür kommen verschiedene Modelle infrage, zum Beispiel eine private Rentenversicherung, eine Riester-Rente oder eine Betriebsrente. Viele dieser Vorsorgebeiträge können zudem in der Steuererklärung angesetzt werden. Wer also richtig vorgeht , kann nicht nur von mehr Geld im Alter profitieren, sondern auch bis dahin jedes Jahr wichtige Einsparungen tätigen. Allerdings gilt es, die Optionen sinnvoll sowie passend zur individuellen Situation auszuwählen.

Immobilien als Geldanlage sind umstritten

Zusätzlich oder stattdessen setzen viele Anleger auf Immobilien. Dabei kann es sich um eine selbstgenutzte oder vermietete Immobilie handeln. Ziel ist, eines Tages nicht nur mietfrei leben zu können, sondern eventuell sogar zusätzliche Mieteinnahmen zu verzeichnen. Allerdings sind die Immobilienpreise in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen und viele Experten sprechen von einer Blase beziehungsweise Überteuerung von bis zu 30 Prozent. Auch hier kommt es daher auf die Auswahl an, um ein Objekt mit attraktiver Rendite zu finden. Ansonsten können Immobilie schnell zur finanziellen Falle werden, da sie häufig hohe Schulden erfordern, eventuell deutlich im Wert sinken und zugleich eine hohe Liquidität für Modernisierungen, Reparaturen oder andere anfallende Arbeiten notwendig machen. Auch hier ist es daher wichtig, sich ausreichend zu informieren – dann können Immobilien die Altersvorsorge tatsächlich sinnvoll ergänzen und bringen zugleich den Vorteil mit sich, inflationsbeständig zu sein. Sie werden deshalb auch gerne als „Betongold“ bezeichnet.

Edelmetalle haben viele Vor-, aber auch Nachteile

Neben dem Betongold können Anleger natürlich auch auf das echte Gold oder andere Edelmetalle setzen. Allerdings ist es dann wichtig, diese sicher zu lagern und ausreichend zu versichern. Dass derzeit viele Menschen auf Gold, Silber & Co setzen, schlägt sich zudem in steigenden Börsenkursen nieder. Edelmetalle befinden sich daher derzeit auf einem ungewöhnlich hohen Stand. Einige Experten gehen dennoch von weiter steigenden Preisen aus – andere befürchten einen Einbruch des Goldcharts, sobald die Welt einige der aktuellen Krisen hinter sich gelassen hat. Ob die Investition in Edelmetalle eine attraktive Rendite bringen wird, lässt sich daher ebenso wenig vorhersagen wie bei den Immobilien. Fakt ist aber, dass diese vermutlich niemals gänzlich an Wert verlieren werden und inflationsbeständig sind. Zudem können sie flexibel ge- und verkauft werden. Wurden sie länger als ein Jahr gehalten, sind die Gewinne dabei sogar steuerbefreit.

Aktien und ETFs erfordern ein gewisses Knowhow

Bild2 (6)

Wer bereit ist Risiken einzugehen, kann auch durch Aktien hohe Gewinne erzielen. Foto: stock.adobe.com © joyfotoliakid

Bei Aktien und ETFs ist hingegen ein vollständiger Verlust möglich. Schlimmstenfalls ist das angelegte Geld also verloren. Wer mit Wertpapieren handelt, braucht daher starke Nerven und ausreichend Knowhow, um zu wissen, wann sich ein Kauf oder Verkauf lohnt – und wann das Warten die bessere Option ist. Wer sich noch nie mit der Börse auseinandergesetzt hat, muss sich daher erst einmal in die Thematik einfinden. Eine beliebte Alternative sind die aktiv oder passiv gemanagten Fonds. Hierbei muss sich der Anleger nicht selbst um sein Portfolio kümmern, sondern ein Experte ist am Werk. Dieser will aber natürlich bezahlt werden, was die Rendite schmälert. Zudem gibt es keine Garantie, dass das Geld eine solche abwirft oder nicht doch eines Tages verloren ist.

Ungewöhnliche Investitionsmöglichkeiten finden

Zusätzlich oder stattdessen ist es sinnvoll, auf ungewöhnliche Investitionsmöglichkeiten zu setzen. Von Oldtimern über Bonsai Bäume bis hin zur Vergabe von Privatkrediten oder Investition in Startups rund um erneuerbare Energien, sind die Möglichkeiten beinahe endlos. Allerdings erfordern auch diese ausreichend Knowhow sowie ein bisschen Glück. Zudem ist immer dann Vorsicht angeraten, wenn mit scheinbar sicheren oder extrem hohen Renditen gelockt wird. Denn solche sind in den aktuellen Niedrigzinszeiten leider bei keiner Form der Geldanlage (mit Sicherheit) möglich.

Fazit: Auf die Mischung kommt es an!

Wer sich derzeit eine solide Geldanlage wünscht, muss daher auf eine gesunde Mischung setzen. Die eine Lösung für die eigene Vorsorge gibt es leider nicht. Stattdessen sollte anhand der individuellen Lebenssituation, des Knowhows, der finanziellen Möglichkeiten und weiterer relevanter Faktoren entschieden werden, welcher Mix im eigenen Fall die meiste Sicherheit bietet und bestenfalls noch zusätzliche Einnahmen. Sollten die Zinsen wieder steigen, kann dann auch die Frage nach der Vorsorge neu gestellt werden.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7495462?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2509831%2F2198339%2F
Ärger um Abstandsregel und Maskenpflicht
Wie auf diesem Foto zu sehen ist, sind die Abstandsregeln nicht eingehalten worden. Auch einen Mund-Nasen-Schutz haben die meisten Schüler nicht getragen. Foto:
Nachrichten-Ticker