Aufsichtsrat zerstritten – 805 Millionen Euro Schulden
Flughafen Düsseldorf in Not

Düsseldorf (WB). Die Corona-Krise setzt der Luftfahrtbranche heftig zu. Die Regionalflughäfen Paderborn-Lippstadt und Münster kämpfen mit Millionendefiziten. Noch heftiger sind die Turbulenzen am Flughafen Düsseldorf: Dort hat sich der Aufsichtsrat des Unternehmens total zerstritten.

Montag, 03.08.2020, 05:00 Uhr
Nicht nur die Regionalflughäfen geraten wegen der Corona-Wirtschaftskrise unter Druck: Auch Düsseldorf gerät in Schieflage. Foto: dpa
Nicht nur die Regionalflughäfen geraten wegen der Corona-Wirtschaftskrise unter Druck: Auch Düsseldorf gerät in Schieflage. Foto: dpa

Der Geschäftsführung ist es vergangene Woche nicht gelungen, den Wirtschaftsplan für die nächsten Jahre genehmigt zu bekommen. Eine Mehrheit aus Arbeitnehmervertretern und Vertretern der Stadt Düsseldorf verweigerte die Zustimmung. Mit dabei, nach Auskunft dreier unterschiedlicher Quellen: Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD).

Die Folge des Streits: Die privaten Anteilseigner, denen die Hälfte der Flughafenanteile gehören, drohen damit, ihre Hälfte an einer angekündigten Finanzhilfe von 100 Millionen Euro nicht auszuzahlen, sofern der Plan nicht doch abgenickt wird. Die Stadt Düsseldorf, der die zweite Hälfte der Anteile gehört, will dem größten Airport von NRW die Treue halten. „Die Landeshauptstadt Düsseldorf wird ihre konsortialvertraglichen Verpflichtungen erfüllen“, sagt Geisel. Er fordert die privaten Partner auf, zu zahlen: „Wir gehen davon aus, dass dies auch für die anderen Anteilseigner zutrifft.“

Radikaler Sparkurs

Im Kern des Streits geht es darum, wie klar eines der prominentesten Unternehmen von NRW auf einen radikalen Sparkurs verpflichtet wird, obwohl niemand weiß, wie lange der Luftverkehr nach der Corona-Krise am Boden liegen wird. Dabei hat die Wirtschaft ein hohes Interesse an einem stabilen Airport: „Der Flughafen ist ein wichtiger Faktor für unsere Region“, sagt Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf. Im Umfeld des Flughafens arbeiten 20.000 Menschen.

Das Konzept der Geschäftsführung sieht nach Aussage von zwei Insidern vor, im Jahr 2023 eine operative Rendite zu erwirtschaften, die höher ist als in der alten Planung. Außerdem sei vorgesehen, mindestens 43 Millionen Euro an jährlichen Personalkosten einzusparen. „Ohne betriebsbedingte Kündigungen ist das schwer möglich“, sagt ein Aufsichtsrat, „das sieht fast nach Kahlschlag aus.“

Druck ist hoch

Was wird geschehen? Der Aufsichtsrat verlangt, dass Geschäftsführung und Belegschaft sich zusammenraufen. „Die noch offenen Fragestellungen werden in den kommenden Wochen mit den Arbeitnehmervertretern geklärt und in einer weiteren Aufsichtsratssitzung abschließend behandelt“, lässt Flughafenchef Thomas Schnalke erklären. Das klingt harmonisch, aber bisher hat das Unternehmen sich geweigert, wie verlangt betriebsbedingte Kündigungen auszuschließen.

Der Einigungsdruck ist hoch. Verweigern die privaten Anteilseigner dauerhaft den angekündigten zinslosen Kredit von 50 Millionen Euro, könnten die Banken als entscheidende Geldgeber nervös werden. Dann würde es immer schwieriger, die bei 805 Millionen Euro liegenden Kredite der Finanzhäuser zu verlängern oder aufzustocken. Hintergrund ist, dass der Flughafen Düsseldorf viel weniger Eigenkapital hat als die Airports Frankfurt, Köln und München. Ende 2019 lag die Eigenkapitalquote bei nur 13,9 Prozent, jetzt wohl unter zehn Prozent.

Bei etwa 30 Prozent liegt die Auslastung des Airports aktuell, viel mehr als im März/April, aber noch immer viel zu wenig, um die Kosten zu decken.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7518433?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2509831%2F2198339%2F
Comeback mit Auswärtspunkt
Arminias Cebio Soukou (links, hier gegen Frankfurts Martin Hinteregger) erzielte das 1:0 für den Aufsteiger. Foto: Thomas F. Starke
Nachrichten-Ticker