Möbelunternehmen hat Lockdown gut weggesteckt – Brinkhaus auf „Möbelmeile“
Musterring wieder „extrem im Plus“

Rietberg/Rheda-Wiedenbrück (WB). „Das ist das unberechenbarste Jahr meines Lebens.“ Oliver Höner (58), Mitgesellschafter des Möbelunternehmens Musterring mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück, denkt mit Unbehagen an die Wochen nach dem Lockdown Mitte März zurück. „Im April hatten wir ein Minus von 82 Prozent, im Mai von 40 Prozent“, sagt er. „Es war beängstigend.“ In diesen Tagen aber – rechtzeitig zur aktuellen Fachmesse „Möbelmeile“ im Kreis Gütersloh – ist die Zuversicht zurückgekehrt. Im Juni und Juli machte Musterring bereits wieder mehr Umsatz als im Vorjahr. Das Geschäft brummt. „Am Jahresende werden wir ein Umsatzplus im einstelligen Bereich haben“, ist sich Höner sicher.

Dienstag, 22.09.2020, 03:00 Uhr
Musterring-Mitgesellschafter und Geschäftsführer Oliver Höner ist froh über wieder gut laufende Geschäfte. Foto: Fels
Musterring-Mitgesellschafter und Geschäftsführer Oliver Höner ist froh über wieder gut laufende Geschäfte. Foto: Fels

Auch für die 120 Mitarbeiter war diese Phase ungewiss. Musterring hatte Kurzarbeit beantragt. Doch um anspruchsberechtigt zu sein, mussten zunächst einmal Urlaubstage abgebaut werden. „Bei manchen Mitarbeitern hatten sich rund 50 Tage angestaut“, sagt Höner.

„In dieser Lage hatte man schon eine Grundpanik“

Im kleinen Kreis fanden Krisensitzungen statt. Doch es sei schnell allen klar geworden: Für diese Situation gibt es kein Handlungskonzept. „Wir konnten keine vorbereiteten Maßnahmen ergreifen“, erläutert Oliver Höner, der sich die Geschäftsführung mit seinen beiden Brüdern Alexander (52) und Hendrik Höner (55) teilt, die Hilflosigkeit. Und er gibt zu: „In dieser Lage hatte man schon eine Grundpanik.“

Doch ebenso schnell wie der Absturz kam, ging es wieder aufwärts. „Der Geschäftsverlauf hatte eine V-Form“, sagt Oliver Höner. So habe sich auch die Kurzarbeit in Grenzen gehalten. Als alle ihre Urlaubsansprüche abgebaut hatten, zog das Geschäft wieder voll an. „Im September werden wir ein dickes zweistelliges Plus haben.“ Und auch der Gewinn liege derzeit „extrem im Plus“, freut sich der Mitgesellschafter.

Obwohl Musterring lieber „auf Sicht“ fährt und nicht länger als drei Monate planen möchte, glaubt der Unternehmer, dass auch das nächste Jahr ein gutes Möbeljahr werden könnte. Denn Reisen werde auch 2021 noch schwierig sein, weshalb es sich die Leute zu Hause schön machten – mit neuen Möbeln. „Wenn wir Möbelhändler nicht dämlich sind, profitieren wir davon.“

Musterring bietet dem Handel mit seinen vier Marken „Musterring“, „WK Wohnen“, „Set One“ und „Gallery M“ das gesamte Wohnspektrum – vom Esszimmer- über den Wohnzimmerbereich bis hin zu Schlafzimmern, Garten- und Büromöbel. Dabei produziert Musterring nicht selbst, sondern hat Partnerfirmen in ganz Europa.

Musterring kooperiert mit JAB Anstoetz

Neu ist im Bereich Polstermöbel eine Kooperation mit dem Stoffspezialisten JAB Anstoetz in Bielefeld. Verbraucher könnten aus rund 200 Stoffen wählen.

Und was kaufen die Bürger nun am meisten? Oliver Höner sagt: „Es gibt hier keine Favoriten.“ Das gelte auch für die Preisklassen. „Sei es der Stuhl für 59 Euro oder der für 950 Euro – derzeit läuft alles gut.“ Die Messe „Möbelmeile“ an sich war bisher trotz Corona gut besucht, heißt es.

CDU-Fraktionschef Ralph Brinkhaus (rechts) lässt sich bei der 3C-Gruppe von den Geschäftsführern Jürgen Kleinegesse (links) und Markus Kemming sowie den Geschäftsführer der Möbelmeile, Michael Laukötter (Zweiter von rechts), durch den Showroom führen.

CDU-Fraktionschef Ralph Brinkhaus (rechts) lässt sich bei der 3C-Gruppe von den Geschäftsführern Jürgen Kleinegesse (links) und Markus Kemming sowie den Geschäftsführer der Möbelmeile, Michael Laukötter (Zweiter von rechts), durch den Showroom führen.

Auch Ralph Brinkhaus, CDU-Fraktionsvorsitzender, schaute sich um. Er war zu Gast bei den Rietberger Möbelwerken (RMW), den Möbelherstellern Sudbrock sowie Röhr – beide ebenfalls in Rietberg ansässig – und dem Polsterunternehmen 3C-Gruppe in Rheda-Wiedenbrück. Bei 3C (2000 Mitarbeiter, davon 200 in OWL) ließ sich der CDU-Politiker auch gerne mal in einem Sessel nieder.

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Theres und Johannes Sudbrock vor ihrem „Kamin“.

Theres und Johannes Sudbrock vor ihrem „Kamin“.

Sudbrock (110 Mitarbeiter) bietet als Neuheit einen Kamin mit Wasserdampf. „Kamineinsätze ohne Feuer sind in Holland schon jahrelang beliebt“, sagt Chefin Theres Sudbrock. Das Prinzip: Nur mit Wasserdampf und warmen Halogenleuchten werden die vermeintlichen Flammen erzeugt. Dieser „Kamin“ sei in Wohnwände und Sideboards integrierbar. Wie bei Musterring ist man auch bei Sudbrock froh, dass die Leute verstärkt Möbel kaufen. Theres Sudbrock: „Das hat uns gerettet.“

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