Verband äußert sich in Löhne optimistisch: Nach einem steilen Abfall geht es auch wieder steil bergauf
„Krisenjahr ist Küchenjahr“

Löhne/Bielefeld (WB). Auch wenn der Umsatz in der Branche Ende Juli noch um 2,3 Prozent unter Vorjahresniveau liegt: Der Verband der deutschen Küchenindustrie sieht sich derzeit dennoch auf der Sonnenseite der Konjunktur. Schließlich ist die Auftragslage so gut, dass der Verbandschef für das Gesamtjahr sogar einen Zuwachs von „mindestens drei Prozent“ erwartet. Anders als in der Vergangenheit habe jetzt vor allem der deutsche Markt Oberwasser.

Dienstag, 22.09.2020, 04:01 Uhr aktualisiert: 22.09.2020, 16:40 Uhr
Der Verbandsvorsitzende Stefan Waldenmeier in einer neuen Leicht-Küche mit Holzfront. Foto: Hertlein
Der Verbandsvorsitzende Stefan Waldenmeier in einer neuen Leicht-Küche mit Holzfront. Foto: Hertlein

Stefan Waldenmeier, Chef des zur Welle-Gruppe gehörenden Küchenherstellers Leicht, nannte für die gute Lage mehrere Gründe. Für die Menschen habe das Zuhause im Lockdown wieder einen viel höheren Stellenwert erhalten. Das gelte auch für die Küche, zumal nicht nur viele im Homeoffice waren, sondern auch Kantinen und Restaurants zeitweise geschlossen hatten.

Das bei Reisen und Auto gesparte Geld verlockt zum Möbelkauf

Hinzu komme, dass aus den Haushaltskassen weniger Geld in Reisen und Autokauf geflossen seien. So hätten manche trotz Krise etwas gespart. Nicht zuletzt, räumte Waldenmaier ein, komme auch die zeitweise abgesenkte Mehrwertsteuer den Herstellern zugute. Die Branche erwarte, dass die Nachfrage zum Jahresende sogar noch steige. Die Industrie werde trotzdem liefern können. Ein Nadelöhr könnte es aber, so Waldenmeier, bei der Montage der neuen Küchen beim Verbraucher geben.

Jan Kurth: Auch in den anderen Möbelbranchen geht es aufwärts

Aufwärts geht es, wenn auch nicht so steil wie bei Küchen, nach Angaben von Jan Kurth auch in den anderen Möbelbranchen . Knapp 90 Prozent der Hersteller melden nach Aussage des Hauptgeschäftsführers des Verbandes der deutschen Möbelindustrie (VDM) Vollauslastung. 55 Prozent erreichten die Höhe des Vorjahresumsatzes. Gleichwohl gehe er fürs Gesamtjahr unterm Strich von einem leichten Rückgang aus.

Preis für Spanplatten steigt: künstlich verknappt?

Jetzt, da es mit der Möbelbranche so langsam wieder aufwärts geht, haben die Hersteller ein Rohstoffproblem. Spanplatten sind knapp, die Preise steigen. „Es ist in unserer Branche ein bisschen wie zu Beginn der Corona-Krise mit dem Toilettenpapier: Weil alle Angst haben, dass es knapp werden könnte, entsteht zumindest ein Gefühl von Knappheit“, erklärte Stefan Waldenmaier, Vorsitzender des Verbandes der deutschen Küchenmöbelindustrie, in Löhne (Kreis Herford).

Da die Produktion von Holzwerkstoffen aber in den wenigen Händen eines Oligopols liegt, vermuten die Möbelbranche, dass die Knappheit durchaus auch gewollt sein kann. Denn unter dem Strich liege die Produktion in der gesamten Möbelindustrie derzeit noch unter dem Vorjahresniveau. Und am fehlenden Rohstoff Holz könne es angesichts des massiven Sterbens von Fichtenwäldern auch nicht liegen. Allerdings bestehe die Gefahr, dass das Holz, wenn es zu lange im Wald liege, an Wert für die Produktion verliere.

Große Einkaufsverbände fehlen

Große deutsche Einkaufsverbände des Möbelhandels haben ihr Erscheinen auf den OWL-Möbelmess en in diesem Herbst überraschend abgesagt. Patrick Neuss, Geschäftsführer der Begros, zu deren Mitgliedern unter anderem die Möbelgruppe Porta gehört, erklärte gegenüber dem Fachmagazin „Möbelmarkt“, dies sei kein Ergebnis fehlender Wertschätzung. Doch 2020 sei aufgrund der Corona-Pandemie alles anders. „Die derzeitige absolute Sondersituation führt dazu, dass unsere Mitgliedsunternehmen derzeit mit brandneuer und aktueller Ware sehr gut sortimentiert sind“, sagte Neuss. Daher sei es für den Verband wichtiger, Kosten zu sparen.

VME aus Bielefeld ist da

Anders sieht man das beispielsweise bei der VME. Der in Bielefeld ansässige Verband beliefert vor allem mittlere selbstständige Möbelhäuser. Jens Westerwelle, Geschäftsführer für den Einkauf bei VME, begründete dies damit, dass man sich schon auf 2021 vorbereite, wenn die Geschäfte nicht so von alleine liefen, sondern wieder Innovationen gefragt seien.

 

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