Corona-Krise ändert nichts am bisherigen Trend – gilt auch für OWL
Immobilienpreise steigen weiter

Bielefeld (WB/ef/dpa). Häuser und Wohnungen in Deutschland sind in der Corona-Krise noch teurer geworden als zunächst angenommen – sowohl in Städten als auch auf dem Land. Durchschnittlich lagen die Preise für Wohnimmobilien im zweiten Quartal um 6,6 Prozent höher als ein Jahr zuvor, teilte das Statistische Bundesamt mit. Im Vergleich zum Vorquartal stiegen die Preise für Wohnungen sowie Ein- und Zweifamilienhäuser um zwei Prozent.

Dienstag, 29.09.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 29.09.2020, 06:51 Uhr
Die hohe Wohnungsnachfrage, der Mangel an Bauland sowie das niedrige Zinsniveau sind Gründe für den Immobilienboom. Foto: dpa
Die hohe Wohnungsnachfrage, der Mangel an Bauland sowie das niedrige Zinsniveau sind Gründe für den Immobilienboom. Foto: dpa

Diesen bundesweiten Trend bestätigt auch der Bielefelder Immobilienmakler Jürgen Stracke. Vor allem Mehrfamilienhäuser und Eigentumswohnungen in Bielefeld und Paderborn seien gegenüber dem Vorquartal um rund drei Prozent teurer geworden. Bei selbst genutzten Ein- und Zweifamilienhäusern sei der Preis dagegen kaum verändert.

Damit zeigt sich, dass die Corona-Krise dem Immobilienboom hierzulande bisher nichts anhaben konnte – trotz einbrechender Wirtschaft, steigender Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit im Rekordausmaß. Manche Ökonomen hatten zumindest mit einer Preisdelle gerechnet, da die Pandemie der deutschen Wirtschaft einen historischen Einbruch bescherte. Auch war der Wohnungsmarkt im Lockdown eingefroren: Die Zahl der Wohnungsanzeigen brach zeitweise um bis zu 40 Prozent ein.

Höhere Aufschläge im zweiten Quartal

Die Preisaufschläge im zweiten Quartal fallen nun sogar höher aus als in einer ersten Schätzung vor vier Wochen veranschlagt. Damals waren die Statistiker von 5,6 Prozent Plus zum Vorjahresquartal und 1,4 Prozent Steigerung zum Vorquartal ausgegangen. Zu Jahresbeginn, als die Pandemie noch nicht in Deutschland wütete, waren die Preise ähnlich stark gewachsen wie nun berechnet.

Die Opposition sieht in den Zahlen einen Beleg für eine verfehlte Wohnungspolitik der Bundesregierung. „Günstiger Wohnungsbau ist kaum noch möglich, hohe Bodenpreise tragen gerade in wachsenden Regionen und großen Städten zu steigenden Kosten für den Wohnungsbau und -kauf bei“, moniert Chris Kühn, Sprecher für Bau- und Wohnungspolitik der Grünen im Bundestag. Er forderte eine „neue und aktive Bodenpolitik“ für bezahlbaren Wohnraum. Mit einem gemeinnützigen Bundesbodenfonds müsse der Bund Kommunen in die Lage versetzen, öffentliche Räume und die Nutzung von Boden im Sinne des Gemeinwohls zu stärken.

Boom in den Metropolen

Nach der neuesten Berechnung waren von April bis Juni in den sieben größten deutschen Städten (Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf) Ein- und Zweifamilienhäuser 6,5 Prozent und Eigentumswohnungen 6,1 Prozent teurer als im Vorjahresquartal. Damit setzte sich der Boom in den Metropolen zwar fort, wenngleich mit abnehmender Dynamik bei Wohnungen. Hier waren die Preisaufschläge in den Vorjahresquartalen noch höher gewesen. In den anderen Großstädten ab 100.000 Einwohner stiegen die Häuserpreise im zweiten Quartal um 7,3 Prozent, jene für Eigentumswohnungen kletterten gar um 8,2 Prozent zum Vorquartal.

Auch auf dem Land verteuerte sich Wohneigentum: Häuser um mindestens 4,8 Prozent, Wohnungen um mindestens 5,9 Prozent. Die Nachfrage nach Wohnraum ist vor allem in Ballungsräumen groß. Weil dort die Preise höher sind als auf dem Land, weichen Kaufinteressenten auch auf ländliche Regionen aus. Auch die Mieten sind weiter gestiegen. Für das laufende Jahr sahen Forscher zuletzt kein Ende des Immobilienbooms.

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