IT-Ausbilder: in Schule, Studium und Beruf werden Office-Anwendungen gefordert
„iPads sind für Schulen ungeeignet“

Gütersloh (WB). Ingo Weber schüttelt den Kopf. „Wenn ich lese, dass immer mehr Städte ihre Schulen mit iPads ausstatten, frage ich mich, ob die Verantwortlichen wissen, was sie tun.“

Montag, 05.10.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 05.10.2020, 08:06 Uhr
Symbolbild. Foto: imago
Symbolbild. Foto: imago

Der Gütersloher ist Fachmann für die Office-Anwendungen von Microsoft. Seit fast 30 Jahren programmiert der IT-Experte und Inhaber der Firma Softwaretrain Anwendungen rund um das Office-Paket und schult Auszubildende, Menschen, die mitten im Berufsleben stehen, aber auch solche, die sich mit Mitte 50 noch einmal neu orientieren müssen.

Das, was Schüler in der Schule und später im Studium und im Beruf brauchten, seien die Programme Word, Powerpoint, Excel und Outlook – und die ließen sich nur eingeschränkt und umständlich auf einem iPad bedienen, sagt der 60-Jährige. „Microsoft-Anwendungen spielen seit Jahrzehnten in der Wirtschaft eine zentrale Rolle. In 80 Prozent der Unternehmen, für die ich arbeite, sind diese Programme Standard. Es wird heute einfach vorausgesetzt, dass man die einigermaßen beherrscht. Da braucht man ja nur in die Stellenausschreibungen zu gucken.“

Apples Betriebssystem iOS oft in Branchen, die grafisch arbeiten

In der Werbung und anderen Branchen, die grafisch arbeiteten, habe sich dagegen Apples Betriebssystem iOS durchgesetzt. „Aber auch diese Firmen haben meistens noch einen PC bei sich stehen, weil ihre Kunden Microsoft-Programme nutzen.“

Seit Jahren schon schult Ingo Weber für ein großes Unternehmen, das mehrere Standorte in Ostwestfalen hat, Auszubildende, die gerade die Schule verlassen haben. „Das sind pro Jahr etwa 30 Realschüler und Abiturienten, die in dem Unternehmen Berufe im kaufmännischen und im technischen Bereich anstreben und auf ein Level gebracht werden sollen“, sagt er. Fünf Tage brauche er, um die Schulabgänger in Word, Powerpoint, Excel und Outlook fit zu machen. „Die sind ja noch jung, die haben eine hohe Auffassungsgabe und sind Lernen gewohnt.“

IT-Ausbilder Ingo Weber aus Gütersloh unterrichtet Schulabgänger und Studenten in Office-Anwendungen und hält es für falsch, dass Schulen auf ­Tablets statt auf Laptops setzen.

IT-Ausbilder Ingo Weber aus Gütersloh unterrichtet Schulabgänger und Studenten in Office-Anwendungen und hält es für falsch, dass Schulen auf ­Tablets statt auf Laptops setzen.

In der Regel erzählten ihm die Schulabsolventen, dass die Computerausstattung ihrer Schule gar nicht so schlecht gewesen sei. „Oft gab es einen Computerraum, aber was nach Angaben der jungen Leute überall fehlte, waren Lehrer, die richtig Ahnung von Office hatten“, sagt der Gütersloher. „Von den Schülern wurden immer wieder Präsentationen in Powerpoint erwartet, aber wie sie die machen sollten, mussten sie sich selbst beibringen.“ Und das sei bei der heutigen Komplexität der Office-Anwendungen nur sehr begrenzt möglich. „Ich kenne Studenten, die sich mit Office durchs Studium quälen, weil es ihnen nie jemand richtig gezeigt hat. Die sitzen eine Stunde daran, das Inhaltsverzeichnis ihrer Bachelor-Arbeit zu erstellen und zu formatieren, obwohl Word das mit einem Kommando selbst erledigt.“

Excel sei ebenfalls sehr wichtig, es werde in Unternehmen mittlerweile auch in den technischen Bereichen oder in Werkstätten verwendet. „Daten erfassen, auswerten und mit Diagrammen visualisieren ist heute fast überall Bestandteil der täglichen Arbeit.“

Kompakte Office-Kurse für Schüler?

Der IT-Fachmann hält es für wünschenswert, dass Schulen kompakte Office-Kurse für Schüler anbieten, die von externen Anbietern durchgeführt werden. „Damit könnte man die offensichtlichen Defizite bei den Schülern schnell beseitigen. Es wäre ein bestimmtes Niveau sichergestellt, und es müsste sich nicht jede Schule darum kümmern, einen ihrer Lehrer für Office-Schulungen zu begeistern.“

Dass in vielen Schulen auf iPads gesetzt wird, hält der IT-Experte aber nicht nur im Hinblick auf die Office-Anwendungen für falsch. „Es geht auch um die Bedienbarkeit. Tablets, egal welcher Marke, sind schick, um damit unterwegs zu surfen, E-Mails zu bearbeiten oder sich Videos anzusehen. Meinetwegen auch, um im Unterricht mal irgendetwas nachzugucken. Aber für vernünftiges Arbeiten, zum Beispiel mit Excel, brauche ich eine Tastatur, eine Maus und einen einigermaßen großen Bildschirm. Und drucken kann man mit Tablets ja auch nur, wenn ein Drucker mit WLAN oder Apple-Print vorhanden ist.“

Empfehlung: Laptop mit Touchscreen

Er habe schon versucht, mit einer Schülergruppe Excel-Tabellen auf einem iPad zu bearbeiten, „aber das gelang selbst den Mädchen mit den zartesten Fingern nicht“.

Das Unternehmen, für das er im Moment wieder Schulabgänger unterrichte, habe jedem Auszubildenden einen Laptop mit Touchscreen zur Verfügung gestellt, sagt Weber. „Das sind meiner Meinung nach die optimalen Geräte, auch für Schüler.“ Aber auch günstigere Laptops mit herkömmlichem Display seien für den Unterricht gut geeignet.

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Auch in OWL wurden unlängst mehrere Schulen mit iPads ausgestattet. Hier ein paar Beispiele aus:

Bad Driburg

Kirchlengern

Hiddenhausen

Herford und

Stemwede.

 

Kommentare

Ivo von Bohuszewicz  wrote: 06.10.2020 14:17
Werbeanzeige??
Ich habe mich sehr über diesen Artikel geärgert.
Zum einen frage ich mich, was eine Zeitung bewegt so etwas abzudrucken (in der "Roten" stand der Artikel übrigens auch!). Hier wird die Meinung eines einzelnen dargestellt und das quasi als Wahrheit.
Zum anderen Frage ich mich, warum um den Artikel kein Kasten mit dem Hinweis "Anzeige" ist: der Herr Macht tatsächlich Werbung dafür, dass Schulen externe zur Schulung von Office anheuern sollen??
Ich arbeite seit fast 20 Jahren in der IT. Ich behaupte mal so etwas, wie ein Experte zu sein. Zumal ich zwei Schulpflichtige Kinder habe (10 und 15) und zudem auch im Förderverein einer weiterführenden Schule tätig bin.
Das iPad hat sich für die Schule als DAS Mittel der Wahl heraus gestellt. Was gerne (auch von der Politik!) vergessen wird: Windows Rechner bringen einen nicht unerheblichen Wartungsaufwand mit sich, im Gegensatz zu iPads.
Dieser Artikel erweißt den Schulen einen Bärendienst! Mühevoll haben Eltern mit LehrerInnen und SchulleiterInnen in den vergangen Wochen das aufgefangen, was die Landespolitik in den Wochen, ja Monaten seit dem Lockdown verpennt hat! Nur von der Digitalisierung zu sprechen löst kein Problem!
Nun werden die Schulen (meist vom Schulträger, nicht von Land!) endlich ausgestattet, und da kommt ein Experte, der mit der Zeitung ein Sprachrohr für seine veralteten Ansichten findet und schießt den Schulen in den Rücken!

Ein Leserbrief oder ein Kommentar reichen da nicht. Ich bin der Meinung die Zeitung muss dringend eine Richtigstellung veröffentlichen!

Übrigens verwendet man im Marketing MacOS und nicht iOS (auch von Apple aber etwas völlig anders!)
Willy C.  wrote: 06.10.2020 08:50
Experte ohne Wissen
Ick kann nur dringend vor solchen Experten warnen. Nicht nur, dass alle MS Anwendungen hervorragend auf IPads arbeiten wird sich die Welt der benutzten Anwendungen dramatisch wandeln. Eine Meinung, die auf einseitiges Wissen beruht ist nicht nützlich.
Holger S  wrote: 05.10.2020 19:40
„Experte“ aus dem letzten Jahrtausend
Wo habt ihr den „Experten“ denn her? Es scheint vielmehr ein Microsoft-Verkäufer zu sein, der lieber kostenintensive Software verkaufen will. Auch hat dieser Mann null Ahnung von Einsatz von iPads im Unterricht, spricht stand vermutlich noch nie vor einer Klasse. Solch ein Bericht hätte auch vor 10 Jahre sein können, leider sind diese Infos total veraltet. Gerade iPads zeigen, dass leider nur diese Geräteklasse sich in Schulen eher bewähren als andere Hersteller. Wenn man Microsoft Office benötigt kann es sich auf einem iPad installieren oder via Office online arbeiten. Aber muss es immer Microsoft sein?
Frank  wrote: 05.10.2020 08:16
Dinge ändern sich...
Dieser Beitrag scheint mir ein wenig aus der Zeit gefallen. :) Insbesondere für den Unterricht bieten Tablets die besseren Workflows mit, als herkömmliche PCs oder Laptops. Alleine die Notizen-Apps, die man mit einem Pen bedienen kann, sind überaus praktisch für Mitschriften. Oder man fotografiert Arbeitsblätter oder das Whiteboard (die Tafel) direkt ein. Und bearbeitet das dann direkt am Tablet weiter. Weil das so praktisch ist, sieht man die meisten Studenten an den Inis inzwischen ja auch nur noch mit Tablets in den Vorlesungen. Und mal gerade ein Textdokument oder eine Tabellenkalkulation am iPad zu machen geht durchaus - und gerade die Jüngeren kriegen das wohl hin, ... wenn sie es denn brauchen. Das muss dafür übrigens auch nicht immer die Software der Kollegen aus Redmond sein. Und wer immer noch mit Pivot-Tabellen arbeitet, anstatt angemessenere Software für Datenanalyse zu verwenden, der kann einem eigentlich nur noch leid tun. ;) ... ich bezweifele übrigens stark, dass in 10 Jahren noch jeder Angestellte mit Laptop und Office arbeitet. Auch im Handwerk, im Service und Außendienst tun Tablets mit Spezialanwendungen inzwischen oft bessere Dienste. Und im Büro wird sich dank Cloud und mehr Automatisierung durch digitale Wirkflows auch vieles ändern.
4 Kommentare
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