Strenge Auflagen für 200 Beschäftigte bei Tönnies-Tochter in Sögel
Nur noch Arbeit und Wohnen

Sögel/Rheda-Wiedenbrück (WB). Nach Feierabend noch auf kleines Bierchen in die Gaststätte um die Ecke? Oder noch schnell ein Einkauf im Supermarkt? Nichts da! Für die Beschäftigten in der Zerlegung sowie in der Kommissionierung und im Versand des zur Tönnies-Gruppe gehörenden Schlachthofs Weidemark in Sögel im Kreis Emsland ist „Arbeitsquarantäne“ angesagt, und das heißt: Die Mitarbeiter dort dürfen sich nur am Arbeitsplatz und in ihrer Wohnung aufhalten.

Dienstag, 13.10.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 13.10.2020, 11:56 Uhr
Knochenjob: Hier werden Teile eines Schweins zerlegt. Foto: dpa
Knochenjob: Hier werden Teile eines Schweins zerlegt. Foto: dpa

Basis ist nach Angaben von Tönnies-Sprecher Fabian Reinkemeier eine rechtliche Verfügung durch das Gesundheitsamt des Kreises. Voraus gingen Verhandlungen zwischen der Behörde und dem Konzern, der gegen eine Anordnung zur Schließung des Schlachthofs vor Gericht Einspruch erhoben hatte. Zuvor hatten sich 112 Mitarbeiter des Schlachtbetriebs mit dem Coronavirus angesteckt.

200 Beschäftigte bis 31. Oktober in Arbeitsquarantäne

Betroffen von der Arbeitsquarantäne sind 200 von 600 Beschäftigten in den genannten Bereichen. Voraussetzung dafür, dass sie überhaupt weiterarbeiten können, ist auch, dass sie jeden Tag zweimal auf das Virus getestet werden – mit einem Schnelltest vor Arbeitsbeginn und mit dem PCR-Abstrichtest. Ist dieser positiv, gehen die Betroffenen wie üblich ganz in häusliche Quarantäne.

Die nun in Sögel getroffene Regelung ist für Tönnies nicht absolutes Neuland; nach dem Lockdown für den kompletten Betrieb in Rheda-Wiedenbrück Mitte Juni war sie Reinkemeier zufolge die Basis dafür, dass einige Mitarbeiter in der Verwaltung sowie Reinigungskräfte und Handwerker weiterarbeiten konnten. Im Gegenzug wurden sie verpflichtet, sich außer am Arbeitsplatz nur in der eigenen Wohnung aufzuhalten.

Weidemark-Schlachtbetrieb in Sögel.

Weidemark-Schlachtbetrieb in Sögel. Foto: dpa

Die Beschäftigten in Sögel, die nicht ausschließlich, aber zum größeren Teil noch bei Subunternehmen beschäftigt sind, sind gehalten, auch in der Wohnung Kontakt zu anderen zu meiden. Der Betrieb wurde verpflichtet, sich an der gewollt engmaschigen Überwachung zu beteiligen. Außerdem hat er, wie der Kreis feststellt, in sämtlichen gekühlten Bereichen Hepa-Spezialluftfilter eingebaut. Die Beschäftigten selbst sollen überall auf dem Werksgelände FFP2-Masken tragen.

Die Anordnung der Arbeitsquarantäne gilt vorerst bis 31. Oktober; solange sollte auch die ursprüngliche Schließungsanordnung in Kraft bleiben.

Gewerkschaftsexperte: Stilllegung wäre besser gewesen

Achim Wiese, Experte für die Fleischwirtschaft bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Bielefeld, kritisiert die Anordnung: „Das hätte man anders machen können und sollen.“ Besser wäre eine komplette Stilllegung des Schlachthofs – „so wie bei Westfleisch in Coesfeld und im Tönnies-Stammwerk in Rheda-Wiedenbrück“. Dann hätte man die Zeit nutzen können, um den Einbau der Luftfilter durchzuziehen. Die Anordnung der Arbeitsquarantäne folge dagegen vor allem den wirtschaftlichen Interessen der Landwirte.

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