Unternehmenschef: Schließung kostete täglich 2,5 Millionen Euro
Neue Auflagen für Tönnies: vier Corona-Tests pro Woche

Rheda-Wiedenbrück (dpa/WB) -

Bei der Erweiterungen der Schlachtkapazitäten beim Fleischkonzern Tönnies in Rheda-Wiedenbrück hat im Vorfeld das NRW-Gesundheitsministerium von Karl-Josef Laumann (CDU) eingegriffen und zusätzliche Maßnahmen angeordnet. Wie aus einer Vorlage des Ausschusses für Arbeit und Gesundheit im NRW-Landtag hervorgeht, wollte Tönnies bei der Zulassung zusätzlicher Arbeitsplätze den Mindestabstand von 1,5 auf 1,2 Meter mit einer Plastikabtrennung zwischen den rund 10 Mitarbeitern reduzieren.

Freitag, 20.11.2020, 21:36 Uhr aktualisiert: 20.11.2020, 21:46 Uhr
Arbeiter stehen an einer durchsichtigen Abtrennung in der Tönnies-Fleischfabrik in Rheda-Wiedenbrück. Der Abstand darf hier bis auf weiteres von 1,5 auf 1,2 Meter verringert werden. Dafür muss aber mehr als bisher getestet werden.
Arbeiter stehen an einer durchsichtigen Abtrennung in der Tönnies-Fleischfabrik in Rheda-Wiedenbrück. Der Abstand darf hier bis auf weiteres von 1,5 auf 1,2 Meter verringert werden. Dafür muss aber mehr als bisher getestet werden. Foto: Tönnies

Die Behörden vor Ort hatten dem bereits zugestimmt. Das Ministerium ordnete dagegen an, dass eine Erlaubnis an eine Verdopplung der Corona-Tests gekoppelt wird. Die Mitarbeiter müssen jetzt vier statt zwei Mal in der Woche auf eine Infektion getestet werden. Außerdem wurden die Aufsichtsbehörden angewiesen, die Ausnahmegenehmigung zu befristen, wie aus dem Schreiben an den Landtag hervorgeht.

Nach der vorübergehenden Schließung des Betriebs in Rheda-Wiedenbrück im Sommer hatte Tönnies an seinem Hauptstandort Mitte November wieder nahezu 100 Prozent der Schlachtkapazitäten erreicht.

Durch die Einrichtung einer neuen Zerlegelinie für Schinken konnte das Unternehmen pro Tag rund 8000 Schweine mehr schlachten. Die Gesamtzahl bewegt sich in Rheda-Wiedenbrück je nach Marktlage zwischen 20.000 und 25.000 Schweinen pro Tag.

Um die Genehmigung der neuen Zerlegelinie hatte es im Vorfeld – wie berichtet – Differenzen zwischen dem Unternehmen und den Behörden gegeben. Zahlreiche Schweinemäster hoffen darauf, dass mit der Erweiterung der Schlachtkapazitäten der ins Stocken geratene Absatz der Tiere wieder in Schwung kommt. Wegen der verringerten Schlachtkapazitäten unter anderem durch Corona-Schutzauflagen und Schlachthofschließungen waren die Schweinepreise abgestürzt.

Clemens Tönnies, Geschäftsführer der Tönnies-Holding.

Clemens Tönnies, Geschäftsführer der Tönnies-Holding. Foto: David Inderlied

Hohe Kosten verursachte die Stilllegung des Schlachthofs nach massenhaften Coronainfektionen auch beim Unternehmen selbst. Gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) sagte Unternehmenschef Clemens Tönnies, die Schließung habe das an jedem Tag 2,5 Millionen Euro gekostet, was sich bei 30 Tagen Stillstand auf 75 Millionen Euro summiert. Um sein Werk wieder öffnen zu dürfen, musste Tönnies ein Hygienekonzept erarbeiten und Filtertechnik und Plexiglasscheiben installieren. Für die technische Ausstattung habe das Unternehmen nach Angaben seines Chefs gut sieben Millionen Euro ausgegeben, heißt es in dem Bericht weiter.

Auf Druck der Politik hatte Tönnies im Sommer angeboten, für alle Bewohner im Kreis Gütersloh die Kosten für einen Test zu tragen, was bei gut 120.000 Tests, von denen damals die Rede war, schnell eine mittlere einstellige Millionensumme erreicht. Die Anwälte beider Seiten verhandeln nach Informationen der FAZ miteinander, wie viele der coronabedingten Belastungen von 9,7 Millionen Euro im Kreis wirklich auf Dritte wie Tönnies zurückzuführen sind. Wegen der behördlich verfügten Schließung hat Unternehmen seinerseits eine Lohnkostenerstattung beantragt. Wegen der 50.000 Anträge, die es im Land insgesamt zu Lohnkostenerstattung gebe, sei der Antrag von Tönnies aber noch nicht bearbeitet worden, zitiert die FAZ Gesundheitsminister Laumann.

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