«Verschwiegenheitspflicht»
Wirecard-Ausschuss: Wirtschaftsprüfer wollen nicht aussagen

Der Insolvenzverwalter hatte die Wirtschaftsprüfer der Beratungsgesellschaft EY von ihrer Verschwiegenheitspflicht entbunden. Aussage wollen sie dennoch nicht.

Samstag, 21.11.2020, 17:16 Uhr aktualisiert: 21.11.2020, 17:18 Uhr
Der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Wirecard, Markus Braun, sagt im Wirecard-Untersuchungsausschuss des Bundestages aus.
Der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Wirecard, Markus Braun, sagt im Wirecard-Untersuchungsausschuss des Bundestages aus. Foto: Fabrizio Bensch

Berlin (dpa) - Die vorgeladenen Wirtschaftsprüfer wollen im Untersuchungsausschuss zum Wirecard-Bilanzskandal in der kommenden Woche nicht aussagen. Das geht aus drei Anwaltsschreiben an den Ausschuss hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen.

Demnach berufen sich die Mitarbeiter der Gesellschaft EY auf ihre Verschwiegenheitspflicht als Wirtschaftsprüfer. Dass der Insolvenzverwalter sie davon entbunden habe, ändere nichts, erklären die Anwälte in den Schreiben.

EY hatte als Wirtschaftsprüfungsgesellschaft die Jahresabschlüsse von Wirecard geprüft. Das Unternehmen steht in der Kritik, weil der Milliardenbetrug dabei nicht früher entdeckt wurde. Am kommenden Donnerstag sollten die Prüfer im Ausschuss befragt werden.

Die Vertreter von FDP, Grünen und Linken im Ausschuss kritisierten die Weigerung deutlich. EY spiele eine entscheidende Rolle, «vieles deutet auf ein Versagen auch bei der Abschlussprüfung hin», sagte der FDP-Abgeordnete Florian Toncar der dpa. Der Linken-Abgeordnete Fabio De Masi betonte: «Wer wie EY bei öffentlichen Aufträgen von der Bundesregierung immer vor der Tür steht, hat auch im Parlament zu erscheinen.» Danyal Bayaz von den Grünen erklärte, die Prüfer sollten trotz ihrer Weigerung vor dem Ausschuss erscheinen - und bis dahin «in sich gehen, ob sie ihren Beitrag zur politischen Aufklärung tatsächlich verweigern möchten».

Die Abgeordneten kündigten an, alles rechtlich Mögliche zu tun, um eine Aussage der Wirtschaftsprüfer zu bekommen - auch, weil die Informationen wichtig seien, um ähnliche Fälle in Zukunft zu vermeiden.

© dpa-infocom, dpa:201121-99-414551/2

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