Bielefelder Möller Group äußert sich zur Entlassung von Männern, die bei Tönnies geputzt hatten
„Arbeiter waren grob fahrlässig“

Bielefeld (WB) -

Die Möller Group, Automobilzulieferer aus Bielefeld, hat sich erstmals öffentlich zu der Kündigung von vier Mitarbeitern geäußert, die im Nebenjob im Fleischwerk Tönnies geputzt hatten.

Samstag, 05.12.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 05.12.2020, 14:14 Uhr
Im Juni war die Firma Tönnies ein Corona-Hotspot.
Im Juni war die Firma Tönnies ein Corona-Hotspot. Foto: dpa

Wie berichtet, hatten die Gekündigten gegen ihre Entlassung geklagt. In den ersten beiden Arbeitsgerichtsprozessen, die in dieser Woche stattfanden, wurde das Unternehmen zur Weiterbeschäftigung der Arbeiter verurteilt. Der Autozulieferer (2100 Mitarbeiter, 282 Millionen Euro Umsatz) wirft den Betroffenen vor, dass ihr Verhalten im schlimmsten Fall zu Infektionen im Betrieb und einem Werkstillstand hätte führen können.

Die Möller-Mitarbeiter hatten am 14. Juni, einem Sonntag, für den Subunternehmer Besselmann bei Tönnies geputzt. „Obwohl in den folgenden Tagen in allen Medien über die hohen Infektionszahlen bei Tönnies berichtet wurde, hat keiner der vier Mitarbeiter gegenüber unserem Krisenstab oder dem Betriebsrat darauf hingewiesen, dass er noch am Sonntag bei Tönnies gearbeitet hat“, sagt Bettina Franz von der Möller Group. Alle vier Mitarbeiter hätten in jener Woche in ihrer jeweiligen Schicht mit 60 weiteren Kollegen gearbeitet. Durch dieses „grob fahrlässige Verhalten“ hätten sie in Kauf genommen, im Falle einer Infektion das Virus von Tönnies in die Möller Group einzuschleppen.

Uns ging es einzig und allein um die Fürsorgepflicht den anderen Mitarbeitern gegenüber.

Bettina Franz (Mölller Group)

Bettina Franz: „Dass uns die Nebenbeschäftigung nicht bekannt war, war nicht der Kündigungsgrund. Uns ging es einzig und allein um die Fürsorgepflicht den anderen Mitarbeitern gegenüber und um den Schutz des Unternehmens.“ Denn ein möglicher Werksstillstand wegen vermehrter Infektionen im Produktionsbereich hätte für das Unternehmen und seine Kunden verheerende Folgen gehabt. Letztlich sei man erst am 22. Juni von einem der vier Betroffenen über die Nebenbeschäftigung bei der Firma Besselmann informiert worden.

Bisher sei es dem unternehmenseigenen Corona-Krisenstab gelungen, einen Ausbruch des Infektionsgeschehens im Betrieb zu vermeiden, sagt die Sprecherin. „Das ist umso wichtiger, als dass viele Menschen mit Risikofaktoren bei uns arbeiten.“

Das Arbeitsgericht Bielefeld hatte die Kündigungen aus formalen Gründen für unwirksam erklärt und sich nicht mit den Hintergründen befasst. Ob die Möller Group in die nächste Instanz zum Landesarbeitsgericht nach Hamm geht, ist noch nicht bekannt.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7709395?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2509831%2F2198339%2F
Laschet zum neuen CDU-Vorsitzenden gewählt
Armin Laschet soll neuer Bundesvorsitzender der CDU werden.
Nachrichten-Ticker