In der Pandemie sparen die Verbraucher nicht an Lebensmitteln
Markenartikel boomen

Düsseldorf (dpa) -

In der Pandemie wird in Deutschland im Supermarkt nicht gespart: Im Corona-Jahr 2020 griffen die Verbraucher deutlich häufiger zu Markenartikeln als vor der Krise.

Samstag, 23.01.2021, 03:52 Uhr aktualisiert: 23.01.2021, 04:00 Uhr
Mehr Geld für Lebensmittel: In der Pandemie greifen viele Verbraucher häufiger zu Markenartikeln. Aber auch Nudeln waren viel mehr als bisher gefragt. Die italienische Pasta-Industrie freute sich über ein kräftiges Exportwachstum 2020.
Mehr Geld für Lebensmittel: In der Pandemie greifen viele Verbraucher häufiger zu Markenartikeln. Aber auch Nudeln waren viel mehr als bisher gefragt. Die italienische Pasta-Industrie freute sich über ein kräftiges Exportwachstum 2020. Foto: Sven Hoppe/dpa

„Die Menschen wollten es sich zu Hause, wo sie aufgrund des Lockdowns den Großteil ihrer Zeit verbringen mussten, gut gehen lassen und waren bereit, mehr Geld für Nahrungsmittel, Getränke und Wasch-, Putz-, Reinigungsmittel auszugeben“, sagt der GfK-Handelsexperte Robert Kecskes. Für ihn ist 2020 „das Jahr der Marke.“

Laut Marktforscher GfK gaben die Haushalte in Deutschland 2020 im Durchschnitt gut 10 Prozent mehr Geld für Markenartikel aus als 2019. Die Eigenmarken des Handels konnten bei diesem rasanten Wachstum nicht mithalten und verloren Marktanteile in den meisten Kategorien.

Selbstverständlich ist der Erfolg der Markenartikel nicht. Denn Kurzarbeit und Zukunftsängste hätten durchaus etwas anderes erwarten lassen. Schließlich hatten die Verbraucher in Deutschland noch unmittelbar vor Ausbruch der Krise großes Vertrauen in die Eigenmarken des Handels signalisiert.

In einer gemeinsam vom Fachblatt „Lebensmittel-Zeitung“ und dem Marktforschungsunternehmen Ipsos durchgeführten Umfrage gaben noch Anfang Februar 2020 rund 96 Prozent der Verbraucher an, Handelsmarken zu kaufen. Zwei Drittel vertrauten ihnen nach eigener Aussage genauso sehr wie den Herstellermarken. Und fast jeder Zehnte hielt sie sogar für vertrauenswürdiger als die teurere Konkurrenz. Doch mit der Krise kam bei vielen Verbrauchern offenbar eine Rückbesinnung auf die starken Marken.

Für den Psychologen Stephan Grünewald vom Kölner Rheingold-Institut, das mit tiefenpsychologischen Interviews die Stimmung in der Bevölkerung zu ergründen versucht, ist dieses Kaufverhalten durchaus nachvollziehbar. „Corona ist mit großen Ohnmachtserfahrungen verbunden, weil wir die Gefahr nicht sehen, riechen oder schmecken können“, erklärt er. Markenprodukte versprächen in dieser Situation Stabilität. „Wir kennen sie seit Kindertagen. Sie haben Jahrzehnte überdauert und viele Krisen überstanden. Deshalb vermitteln sie gerade in der Pandemie ein Gefühl von Sicherheit.“

Außerdem sei in der Pandemie vieles weggebrochen, was das Leben sonst lebenswert machte – wie Stadionaufenthalte, Discobesuche oder Reisen. Das wollten die Verbraucher zumindest ein Stück weit kompensieren. „Wir wollen uns trösten und verwöhnen und greifen dann auch gerne einmal zu den teureren Markenprodukten – in der Hoffnung, uns etwas von der verlorenen Sinnlichkeit zurückzuholen.“

Bei Oetker vor allem Back- und Dessertartikel sowie Tiefkühlpizzen gefragt

Auch der Bielefelder Oetker-Konzern verbucht in der Corona-Krise Absatzsteigerungen in einzelnen Warengruppen. Dies betreffe vor allem Produkte aus den Bereichen Backen, Desserts und Tiefkühlpizzen, sagt Pressesprecher Jörg Schillinger. Darin spiegele sich das verstärkte Zubereiten und Verzehren zu Hause wider. „Unser meistverkauftes Produkt war 2020 die Paradiescreme Vanille“, erklärt Schillinger.

Für den Konzern habe die Krise mit Rückgängen im Geschäft mit der Gastronomie, der eigenen Hotelsparte und der Brauereigruppe Radeberger aber auch starke negative Effekte – Kurzarbeit in Teilbereichen inklusive.

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