Gütersloher Hausgerätehersteller profitiert in Corona-Zeiten von Anschaffungen für Zuhause
Miele mit Rekorden im Krisenjahr

Gütersloh -

Ein neuer Staubsauger statt des Konzertbesuchs, ein Kühlschrank statt der Urlaubsreise: Der Gütersloher Hausgerätehersteller Miele hat im Corona-Jahr 2020 von Investitionen der Kunden in ihr eigenes Zuhause profitiert und dank dieser „Sonderkonjunktur“ abermals Rekordwerte verbucht.

Freitag, 12.02.2021, 04:05 Uhr aktualisiert: 12.02.2021, 04:10 Uhr
Blick in die Waschmaschinenproduktion des Gütersloher Hausgeräteherstellers Miele. Am Ende eines turbulenten Jahres 2020 erreichte das Unternehmen neue Bestwerte – und muss jetzt sogar Sonderschichten schieben, um die starke Nachfrage zu befriedigen.
Blick in die Waschmaschinenproduktion des Gütersloher Hausgeräteherstellers Miele. Am Ende eines turbulenten Jahres 2020 erreichte das Unternehmen neue Bestwerte – und muss jetzt sogar Sonderschichten schieben, um die starke Nachfrage zu befriedigen.

Der Umsatz wuchs gegenüber dem Vorjahr um 6,5 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro. In Deutschland steigerte Miele seine Erlöse sogar um 8,8 Prozent auf 1,33 Milliarden. In fast allen Produktgruppen seien die Stückzahlen auf Allzeithochs gestiegen. Zum Gewinn macht Miele traditionell keine Angaben.

Mitarbeiterzahl steigt weltweit – geringfügiger Rückgang in OWL

Mit weltweit 20.944 Beschäftigten – ein Plus von 466 – arbeiteten zudem so viele Menschen wie nie zuvor für das Unternehmen. In Deutschland lag die Zahl mit 11.066 Beschäftigten leicht über dem Vorjahreswert. An den OWL-Standorten Gütersloh (5251/-26), Bielefeld (1871/+9) und Bünde (689/-5) waren es mit 7811 Mitarbeitern zum Jahreswechsel 22 weniger als Ende 2019.

Alle Rekordwerte seien „umso höher zu bewerten, als das zurückliegende Jahr auch für Miele massiv durch die Verwerfungen der Pandemie geprägt war“, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Das Jahr 2020 habe einer Achterbahnfahrt geglichen: Nach einem guten Auftakt hatte auch Miele im ersten Lockdown im Frühjahr mit Absatzeinbrüchen zu kämpfen. Kurzarbeit, mehrwöchige Produktionsstopps und Lohnverzicht im Management waren Konsequenzen der Krise. Aktuell sind Sonderschichten und Lieferzeiten von teils mehr als sechs Wochen bei Waschmaschinen, Trocknern und Geschirrspülern Zeichen des Erfolgs. Dei Lieferzeiten sollen bis Jahresmitte auf das Normalmaß von ein bis drei Tagen zurückgeführt werden.

Nachfrage-Boom ändert nichts am Stellenabbau im Stammwerk Gütersloh

Die starke Nachfrage habe keine Auswirkungen auf die langfristigen Sparpläne, hieß es von Miele. So gebe es etwa bei der bis zum Jahr 2025 geplanten Reduzierung von einst 2220 und aktuell 2066 auf 1450 Stellen im Gütersloher Stammwerk keine Änderung. „Der Weg dahin soll möglichst ohne betriebsbedingte Kündigungen erreicht werden“, bekräftigte Miele-Sprecher Carsten Prudent. Bis Ende 2022 seien betriebsbedingte Kündigungen ohnehin ausgeschlossen. Das Unternehmen hatte Ende 2019 ein neues Waschmaschinen-Werk im polnischen Ksawerów in Betrieb genommen, das sukzessive einen Teil der Produktion aus Gütersloh übernehmen soll.

Starke Nachholeffekte im Sommer und ein „herausragendes“ zweites Halbjahr hätten Miele auch dank der Stärke der Marke sowie des Ausbaus der digitalen Vermarktungs- und Vertriebskanäle 2020 noch zu deutlichen Zuwächsen verholfen. „Diesen Kurs werden wir fortsetzen und weiter forcieren“, kündigte die Geschäftsleitung um die Gesellschafter Markus Miele (52) und Reinhard Zinkann (61) an.

Fast 2,5 Millionen Staubsauger und 940.000 Waschmaschinen verkauft

Starke Umsatzzuwächse verzeichnete das 1899 gegründete Unternehmen außer im Heimatmarkt auch in den Beneluxländern sowie Frankreich, Österreich und der Schweiz. Aber auch in Osteuropa und in China zogen die Geschäfte an. Rund 70 Prozent der Umsätze erzielte Miele im Ausland. Stärkster Exportmarkt blieben die USA, gefolgt von der Schweiz, Australien sowie Österreich.

Auf der Produktseite stieg der Absatz vor allem bei Staubsaugern um 360.000 auf 2,48 Millionen Geräte sowie bei Kühl- und Gefriergeräten (plus 50.000 auf 380.000) und Waschmaschinen (um 60.000 auf 940.000 Geräte). Zudem setzte Miele 850.000 Spülmaschinen ab (plus 10.000) und 900.000 Herde/Backöfen, Kochfelder, Dampfgarer und Dunstabzugshauben – das entsprricht einem Anstieg um 30.000 Geräte.

Mehr Aufträge von Kliniken – Corona-Krise belastet Geschäft mit Gastgewerbe

Der Geschäftsbereich Professional, der rund 15 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht, verbuchte ein Plus von nur 1,8 Prozent. Während gerade Kliniken mehr Medizin- und Labortechnikgeräte orderten, belastete die Corona-Krise das Geschäft mit Spül- und Wäschereitechnik vor allem für Hotels und Gaststätten. Wachstumspotential sieht Miele mit den in Kürze auf den Markt kommenden Luftreinigern, die für saubere und auch virenfreie Raumluft sorgen sollen.

Als „Meilenstein“ im Geschäftsjahr 2020 bezeichnet das Unternehmen den Aufbau eines eigenen Standortes für weltweites digitales Marketing und globalen Online-Vertrieb in Amsterdam. Die „Miele X“ genannte Einheit verfüge bereits über 40 Experten aus 17 Ländern und werde weiter aufgestockt. Zur Unterstützung der Digitalisierung bei Produkten, Services und Prozessen solle aber auch das in Gütersloh ansässige Kompetenzcenter Smart Home/Electronics mit derzeit etwa 1000 Beschäftigten sowie der Zentralbereich IT in den kommenden Monaten personell deutlich gestärkt werden.

Vom Erfolg in einem turbulenten Jahr profitieren auch alle Miele-Mitarbeiter weltweit. Sie haben im Dezember eine Sonderprämie von 40 Prozent eines Monatsgehalts erhalten.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7815310?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2509831%2F2198339%2F
Gymnasialeltern fordern Präsenzunterricht für alle
Gymnasialeltern in NRW fordern, dass alle Jahrgänge in den Schulen unterrichtet werden.
Nachrichten-Ticker