Do., 06.12.2018

Bielefelder Studenten betroffen – Arbeiten gehen auf dem Weg zum Zweitkorrektor in Münster verloren 25 Jura-Klausuren sind weg

Leonie Scholle mit dem Schreiben des Justiz-Prüfungsamtes Hamm. Ihre Klausur ist verschwunden.

Leonie Scholle mit dem Schreiben des Justiz-Prüfungsamtes Hamm. Ihre Klausur ist verschwunden. Foto: Timo Gemmeke

Von Timo Gemmeke

Bielefeld/Münster/Hamm (WB). Auf dem Weg zum Zweitkorrektor sind in Münster die Klausuren von 25 Jura-Studenten verlorengegangen. Deshalb verlängert sich für einige Betroffene unter Umständen das Studium.

Eigentlich sollte Ende November der Bescheid kommen, ob sie die schriftlichen Prüfungen zum Staatsexamen bestanden haben oder nicht. Was die Studenten der Unis Bielefeld, Münster und Bochum aber im Briefkasten fanden, war vielleicht noch ernüchtender als eine schlechte Note: Eine ihrer sechs Klausuren sind wohl auf dem Weg zum Zweitkorrektor, wie berichtet, verschwunden. Man gehe davon aus, »dass die Arbeiten endgültig verloren sind«, heißt es in dem Schreiben des Justizprüfungsamtes Hamm.

In Münster verliert sich die Spur

Für das erste Staatsexamen schreibt man sechs Klausuren. Sie werden nacheinander von zwei Korrektoren überprüft. Im Fall von 25 Studenten war der erste Prüfer ein Richter am Oberlandesgericht in Hamm. Er schickte die Klausuren nach der Korrektur weiter nach Münster. Dort sollte ein Richter die Zweitkorrektur übernehmen. »Die Paketannahme wurde von der Staatsanwaltschaft Münster noch quittiert«, sagt Martin Brandt, Sprecher des Oberlandesgerichts Hamm. »Danach verliert sich die Spur im Haus.«

In dem Brief an die Studenten bietet das Justizprüfungsamt ihnen an: Entweder sie schreiben die Klausur nach, oder sie nehmen die Note des Erstkorrektors an. Für manche ist der zweite Vorschlag gut. Wer mit seiner Note zufrieden ist, kann diese einfach akzeptieren. Problematisch kann es aber für Nachschreiber werden: Bei Ihnen verschiebt sich damit nicht nur die mündliche Prüfung nach hinten, sondern auch das Zeugnis. Wer sich also im kommenden Jahr um ein Referendariat beworben hat, kann das zum vereinbarten Datum – ohne Zeugnis – nicht beginnen.

Neuschreiben oder Erstkorrektur annehmen?

Leonie Scholle (23) ist eine der Betroffenen. Sie studiert im neunten Fachsemester an der Uni Bielefeld. Sie will die Note vom Erstkorrektor annehmen, weiß aber auch: »Bei vielen kann die verlorene Klausur die komplette Studien-Planung umwerfen«. Seit dem Frühjahr 2017 habe sie sich auf die Prüfungen vorbereitet – knapp eineinhalb Jahre. Zwei ihrer Kommillitonen wollen die Note ebenfalls annehmen.

Um den Studierenden etwas entgegenzukommen, sind ihnen die Noten der anderen fünf Klausuren geschickt worden, damit sie abwägen können: Neuschreiben oder Erstkorrektur annehmen? »Diesen Überblick hätten wir sonst erst drei Wochen vor der mündlichen Prüfung bekommen«, sagt Leonie Scholle. »Man kann es also auch positiv sehen.«

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