So., 03.03.2019

Schmuddeliges Wetter könnte die Insekten noch aufhalten Borkenkäferplage droht in NRW – Wettlauf hat begonnen

Ein Borkenkäfer krabbelt über die Unterseite einer Fichtenrinde an einem Hang bei Hagen.

Ein Borkenkäfer krabbelt über die Unterseite einer Fichtenrinde an einem Hang bei Hagen. Foto: Roland Weihrauch/dpa

Münster (dpa). Nordrhein-Westfalen bereitet sich in einer konzertierten Aktion auf eine mögliche Borkenkäferplage in diesem Sommer vor. In den nächsten Wochen werde sich je nach Wetter entscheiden, ob es erneut zu einem dramatischen Befall von Fichten komme, sagte der Sprecher des Landesbetriebs Wald und Holz, Michael Blaschke, der Deutschen Presse-Agentur.

In dieser Ausnahmesituation arbeiten den Angaben nach zwei Expertengruppen an einem Gefahren-Management. Im vergangenen Jahr hatte es in NRW den stärksten Borkenkäfer-Befall der Nachkriegszeit gegeben. Wie es wirklich weitergeht, würden die nächsten Wochen zeigen, sagte Michael Blaschke: »Wir richten uns vorbereitend auf alle Eventualitäten ein.«

Viele Millionen Käfer überwinterten im Boden oder hinter den Rinden von Fichten, sagte Blaschke: »Wir wissen, es sind richtig, richtig viele Käfer da. Wenn das Wetter in den nächsten Wochen schmuddelig wird - knapp unter zehn Grad und feucht - sind das ideale Bedingungen für Pilze. Die würden dann die Käfer befallen und abtöten.« Je weniger Käfer den Winter überlebten, desto besser sei das für den Wald. Die Vermehrung beginnt im April mit dem Flug der Käfer, die sich dann in die Baumrinden einbohren.

Ein Ranger zeigt Spuren eines Borkenkäfers in der Baumrinde. Foto: Oliver Berg/dpa

Auch in der Phase danach hängt dann vieles vom Wetter ab. Durch die Niederschläge im Winter haben sich die Bäume mittlerweile vom Trockenstress des vergangenen Jahres erholt. »Fite und vitale Bäume können sich gegen den neuen Borkenkäferbefall wehren«, sagte Blaschke. Gesunde Fichten würden den Borkenkäfer mit ihrem Harz abwehren. Bei längerer Trockenheit könne die Fichte aber kein Harz produzieren.

Nach einem Bericht der »Task Force Käfer« des Umweltministeriums besteht ein Drittel des Waldes in NRW aus Fichten, die damit auch das wirtschaftliche Rückgrat vieler Forstbetriebe sind. Mit Hochdruck werden zur Zeit befallene Fichten eingeschlagen. Das Expertengremium unter anderem aus Forstverwaltung, Waldbesitzern und Naturschützern schätzt, dass bis März rund zwei Millionen Kubikmeter Schädlingsholz bei der Fichte eingeschlagen sein werden.

Fichten stehen im Habichtswald bei Kassel, die größtenteils vom Borkenkäfer geschädigt sind. Die Spitzen der Bäume sind bereits weitgehend abgestorben. Foto: Uwe Zucchi/dpa

Die Waldbauern in NRW rechnen damit, dass sie mit Fichten 2019 kein Geld verdienen werden. »Die Kosten werden die Einnahmen aufzehren«, sagte Vorstand Eberhard von Wrede. Wegen des Überangebots von Fichtenholz durch das Sturmtief Frederike 2018 und durch den Borkenkäfer auch schon im vergangenen Jahr seien die Preise eingebrochen. Das Holz lasse sich höchstens noch als Industrie- oder Brennholz vermarkten.

Das Ausmaß der Borkenkäfer-Problematik hänge mit dem Klimawandel zusammen. Um den Wald so umzubauen, dass er dem Klima gewachsen ist, brauche es 100 Jahre. »Uns läuft die Zeit weg. Und jetzt vertrocknen uns die Fichtenbestände. Wir haben Liquiditätsengpässe, müssen aber auf der anderen Seite die Jungkulturen neu aufforsten, um klimadynamische Mischbestände zu haben.« Das sei ein Dilemma.

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