Do., 21.03.2019

Borkenkäfer: Private Waldbauern fordern mehr Unterstützungen Die Angst vor der Katastrophe

Mit mehr Artenvielfalt soll der Wald für die Folgen des Klimawandels fit gemacht werden.

Mit mehr Artenvielfalt soll der Wald für die Folgen des Klimawandels fit gemacht werden.

Von Jan Gruhn

Büren/Düsseldorf (WB). Der Wald in NRW ächzt unter Sturmschäden und dem Borkenkäfer. Private Waldbesitzer fordern mehr Unterstützung. Naturschützer warnen vor Aufforstung mit fremden Arten.

Franz Josef Freiherr von und zu Brenken kommt derzeit kaum mit dem Aufräumen hinterher. »Mittlerweile liegen praktisch vier Schichten auf dem Waldboden«, sagt der Waldbauer aus Büren (Kreis Paderborn). Ganz unten liege das Sturmholz aus dem vergangenen Jahr, darüber die Überreste des Dürre-Sommers. »Dann kommt das Käferholz« – also die Bäume, die entfernt werden sollen, um die Ausbreitung des Borkenkäfers zu verhindern. Und vor kurzem sorgte Sturmtief Eberhard für neue Schäden. Die Fuhrunternehmen seien ausgebucht, die Sägewerke ausgelastet, die Holzpreise am Boden.

Wie von und zu Brenken geht es aktuell offenbar vielen Waldbauern. Zum heutigen Tag des Waldes fordert deshalb der Waldbauernverband NRW, zu dem auch der Freiherr gehört, mehr Unterstützung von Bund und Land – vor allem mit Blick auf die zu erwartende Borkenkäferplage. Nach Schätzungen von Experten hätten bislang 90 Prozent der Käfer den Winter überlebt. Sobald die Temperaturen frühlingshaft werden, werde die Käferbrut auch gesunde Fichten massenhaft befallen, sagt Heidrun Buß-Schöne, Geschäftsführerin des Verbandes. Die für 2019 in Aussicht gestellten zusätzlichen Fördermittel zur Vorbeugung weiterer Schäden in Höhe von 1,2 Millionen Euro seien nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Ziel müsse es sein, die befallenen Bestände möglichst schnell zu entfernen. Nach Verbandsangaben befinden sich immerhin 63 Prozent der Waldflächen in NRW in Privatbesitz.

Bessere Mischung der Baumarten

Gleichzeitig will die Landesregierung den Wald in Nordrhein-Westfalen »klimastabiler« machen, wie es in einer Mitteilung des NRW-Umweltministeriums heißt. Denn »zurzeit ist er zu anfällig für die Folgen des Klimawandels«, wird Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) zitiert. Gelingen soll das mit einer besseren Mischung der Baumarten, bislang dominiere vor allem die Fichte. Und die sei von Wärme, Trockenheit und Borkenkäfern besonders betroffen gewesen.

Naturschützer plädieren seit langem für eine bessere Mischung – und liegen damit mit dem Waldbauerverband auf einer Linie. Streit gibt es allerdings um das Wie: Denn während die Waldwirtschaft gerne auf Arten setzen würde, die nicht unbedingt heimisch sind, warnt zum Beispiel der NRW-Landesverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) vor der Anpflanzung dieser Arten. So seien etwa die Douglasie oder die Küstentanne die falsche Wahl, weil die Folgen einer flächendeckenden Einsetzung nicht absehbar seien. Landesverbandschef Holger Sticht sagt: »Die Annahme ›Wald ist gleich Wald‹ ist falsch.« Um die Bestände zukunftsfähig zu machen, führt aus seiner Sicht kein Weg am natürlich gewachsenen Waldökosystem vorbei. »Windwürfe und so genannte Borkenkäferkalamitäten sind keine Waldschäden, sondern Zeugnis verfehlter Forstwirtschaft und Waldpolitik.« Der Wald in NRW bestehe heute überwiegend aus Baumplantagen, beklagt der Naturschützer.

Heidrun Buß-Schöne bezeichnet solche Äußerung als »pure Ideologie«: »Wir wollen die Fichte doch nicht eins zu eins mit der Douglasie ersetzen.« Vielmehr gehe es darum, die Bestände den vor Ort gegebenen Bedingungen anzupassen. Ähnlich sieht es auch Franz Josef Freiherr von und zu Brenken. Die sogenannten »Gastbaumarten« würden runtergemacht. »Dabei sind das die Bäume, die bewiesen haben, dass sie mit dem veränderten Klima klarkommen.«

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