Mi., 24.04.2019

Studie: Hausärzte fürchten Fehler in der Weiterbehandlung Arztbriefe oft unverständlich

Ein Befundblatt mit unleserlicher Schrift.

Ein Befundblatt mit unleserlicher Schrift. Foto: imago

Düsseldorf (dpa). Unverständliche Arztbriefe aus dem Krankenhaus über Zustand und Therapie von Patienten bereiten Hausärzten Kopfzerbrechen.

Die Entlassungsbriefe sind häufig unstrukturiert, fehlerhaft, vage oder missverständlich und enthalten unbekannte oder doppeldeutige Abkürzungen. Das ist das Ergebnis einer Befragung von bundesweit 197 Ärzten durch Sprachwissenschaftler der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Demnach gaben fast alle befragten Hausärzte (98,5 Prozent) an, Arztbriefe manchmal nicht auf Anhieb zu verstehen. Und fast alle Befragten hatten auch schon mal Papiere mit falschen Informationen erhalten. 88 Prozent waren der Meinung, dass unverständliche oder fehlerhafte Arztbriefe zu Behandlungsfehlern führen können. Häufig müssten die Ärzte beim Verfasser nachhaken.

Mehr direkte Kommunikation gefordert

»Hausärzte haben nicht die Zeit, stundenlang Arztbriefe zu lesen. Sie brauchen präzise und klare Informationen«, sagte der Linguist und Projektleiter Dr. Sascha Bechmann. »Dass solche Dokumente keinen Spielraum für Interpretationen geben dürfen, liegt auf der Hand.« Bechmann vermutet, dass oft mit Textbausteinen gearbeitet wird, die von einem Brief in den anderen kopiert würden.

Ein Satz wie »Bei ausgeprägter Hyperhidrosis im Rahmen einer nicht senkbaren Hyperthermie wurde der Patient engmaschig bilanziert« ist nur ein Beispiel für unverständliche Satzkonstruktionen. Dass die »obere linke Extremität« einfach den linken Arm beschreibt, ist ein weiteres Exempel. Rechtschreib- und Grammatikfehler sind weitere Kritikpunkte. Die Hausärzte monieren aber auch inhaltliche und fachliche Fehler, Widersprüche und fehlende Informationen. Etwa drei Viertel der Befragten nannten Therapieempfehlungen und Anweisungen zur Medikamenteneinnahme nach der Entlassung aus dem Krankenhaus als häufige Fehlerquellen.

»Dass man Arztbriefe nicht immer auf Anhieb versteht, zeigt die Komplexität der Materie«, sagt Rudolf Henke, Vorsitzender des Marburger Bundes, der unter anderem Klinikärzte vertritt. »Dass Fehler überhaupt vorkommen können, gehört zu jeder menschlichen Arbeit dazu. An beiden Schwächen muss man arbeiten.« Ein großes Problem sei, wenn drei Viertel der befragten Hausärzte Therapieempfehlungen und Einnahmeanweisungen aus dem Krankenhaus häufig als fehlerhaft bewerten. Es müsse dringend mehr direkte Kommunikation zwischen Haus- und Krankenhausärzten geben, so Henke.

Arztbriefe sind zeitraubend

Kritik an Arztbriefen kommt auch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz. »Es ist dramatisch, wenn sich Ärzte hierbei untereinander nicht verstehen«, sagte Vorstand Eugen Brysch. »Ausgeliefert ist der Patient.« Einheitliche Standards seien längst vorgeschrieben. »Handschriftliche Notizen, fachinterne Ausdrücke oder Abkürzungen haben auf diesen Papieren nichts zu suchen.«

Arztbriefe sind zeitraubend, für die Verfasser und für die Hausärzte. Im Schnitt müsse ein Hausarzt täglich bis zu zehn Briefe lesen, berichtet Bechmann. Das könne bis zu einer Stunde dauern. Klinikärzte verbrächten pro Tag bis zu drei Stunden mit dem Verfassen der Briefe. Die Empfehlung der Forscher: Das Schreiben von strukturierten und verständlichen Arztbriefen sollte fest im Medizinstudium etabliert werden.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6562375?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2509831%2F2198344%2F