So., 19.05.2019

Verbandschef der Waldbauern NRW will weiter auf Nadelhölzer setzen »Wir werden keinen Urwald bekommen«

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: dpa

Von Jan Gruhn

Bielefeld/Hörstel (WB). Dürre, Sturmschäden, Borkenkäfer: Um die Wälder Nordrhein-Westfalens künftig besser auf klimatische Veränderungen vorzubereiten, setzen Naturschützer und der Landesbetrieb Wald und Holz NRW mit Blick auf Baumarten auf Durchmischung. Doch der Waldbauernverband NRW fordert, das Nadelhölzer weiter die wichtigste Rolle in der Waldwirtschaft spielen sollen.

Verbandschef Dr. Philipp Freiherr Hee­re­man

»90 Prozent aller Hölzer, die nachhaltig verwendet werden – zum Beispiel in der Baubranche – sind Nadelhölzer«, sagt Verbandschef Dr. Philipp Freiherr Hee­re­man. Schnellwachsende Nadelhölzer seien wichtig fürs Klima, weil sie CO 2 absorbierten. »Wenn wir von Nadelhölzern weggehen, dann setzt die Industrie auf Beton, Stahl und Glas«, warnt der Verbandsvorsitzende.

Dennoch sei auch seiner Meinung nach Durchmischung das Gebot der Stunde. Heereman: »Wir versuchen, die Fichten durch andere Nadelhölzer zu ersetzen«, zum Beispiel durch die Douglasie. Von einem endgültigen Abgesang der Fichte in Wirtschaftswäldern will er nichts wissen: »Hier bei mir im Münsterland hat die Fichte als Wirtschaftsbaum sicherlich ausgedient.« Aber zum Beispiel im Sauerland sei der Einsatz durchaus noch sinnvoll.

Kampf gegen Borkenkäfer

Also weiter wie bisher? »Die Wälder von morgen sehen anders aus als die Wälder von heute. Aber wir werden keinen Urwald bekommen!«, entgegnet Heereman auf entsprechende Forderungen aus dem Umweltschutz.

Seit Monaten fordert der Verband mehr Geld für den Kampf gegen den Borkenkäfer. Offenbar mit Erfolg: Kürzlich stellte Landesumweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) in Aussicht, die als Sondermittel zur Verfügung gestellten 1,2 Millionen Euro um weitere 4,5 Millionen aufzustocken.

Das geht aus einer vor einigen Tagen veröffentlichten Mitteilung hervor. Darüber hinaus habe das Land Wald und Holz NRW für dieses Jahr eine Million Euro für zusätzliches Personal zur Verfügung gestellt. Doch die in Aussicht gestellten Erhöhungen reichen den Waldbauern noch nicht – sie fordern 16,5 Millionen.

Laut Heereman wird das Geld benötigt, um das vom Borkenkäfer befallene Holz aus dem Wald zu bekommen, um weitere Folgeschäden zu verhindern. Weil die Lager derzeit voll seien, bestünde seiner Ansicht nach die Gefahr, dass private Waldbesitzer aus Angst, die Kosten für die Verarbeitung nicht wieder rein zu bekommen, das Holz lieber liegen lassen. Nach Verbandsangaben befinden sich zwei Drittel der Waldflächen NRWs in Privatbesitz.

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