Di., 11.06.2019

Im Oktober 2018 wurde ein Exemplar in Rheda-Wiedenbrück gefunden Tropische Hyalomma-Zecke hat erstmals in Deutschland überwintert

Eine gefährliche Hyalomma-Zecke ist im Oktober 2018 auch in Rheda-Wiedenbrück entdeckt worden.

Eine gefährliche Hyalomma-Zecke ist im Oktober 2018 auch in Rheda-Wiedenbrück entdeckt worden. Foto: Andrea Schnartendorff/Robert Koch-Institut/dpa

Stuttgart (WB/hf/dpa). Sie sind wesentlich größer als die hier bekannten Zecken, sie können Menschen wittern und Dutzende Meter weit verfolgen. Nun haben Hyalomma-Zecken aus Afrika und Südeuropa das erste Mal nachweislich in Deutschland überwintert.

Es seien nach den jüngsten heißen Tagen gleich sechs der spinnenartigen Riesenzecken aufgetaucht, fünf Stück auf einem Pferdehof am Niederrhein und eine auf einem Pferd in Niedersachsen, teilten die Universität Hohenheim (Stuttgart) und das Münchner Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr am Dienstag mit.

Totes Exemplar 2018 in Rheda-Wiedenbrück entdeckt

Auch in Ostwestfalen-Lippe ist sie schon aufgetaucht: Ein Exemplar ist in Rheda-Wiedenbrück im Oktober 2018 entdeckt worden. Z wischen einer Jalousie war die Zecke eingeklemmt. Sie war bereits tot, als eine Frau sie fand. Die Überreste des Tiers schickte sie an das Berliner Robert-Koch-Institut. Dort stellten Dr. Peter Hagedorn und seine Kollegen fest, dass die Zecke zur Gattung Hyalomma gehört. Sie lebt sonst in Afrika, Asien und Südeuropa. Bakterielle Erreger trug sie nicht in sich.

»Nach den ersten Nachweisen dieses Jahres müssen wir davon ausgehen, dass diese Tiere bei uns in Deutschland überwintern konnten«, sagte die Hohenheimer Parasitologin und Zecken-Expertin Ute Mackenstedt. Überwintern bedeute aber nicht notwendigerweise auch, dass die zu den Milben zählenden Tiere bereits heimisch seien.

Wissenschaftler: Tier könnte sich 2019 stärker ausbreiten

Die Hyalomma-Zecken stammen aus den Trocken- und Halbtrockengebieten von Afrika, Asien und Südeuropa – von Spanien über Italien bis zur Türkei. Von den hiesigen Zecken wie etwa dem Gemeinen Holzbock kann man sie leicht unterscheiden: Sie sind mit bis zu zwei Zentimeter Länge wesentlich größer und haben auffällig gestreifte Beine.

Bislang wurden Hyalomma-Zecken mit Zugvögeln nach Deutschland transportiert, dort könnten sie sich nach Ansicht der Wissenschaftler in diesem Jahr stärker ausbreiten. Die diesjährigen Funde seien sehr früh gemeldet worden. »Wenn man den Entwicklungszyklus zurückrechnet, hätten sie zu einem Zeitpunkt eingeschleppt werden müssen, als die Zugvögel noch gar nicht da waren.«

2018 in acht Bundesländern 19 Tiere nachgewiesen

Die Hyalomma-Zecken können gefährliche Erreger übertragen, darunter jenes Virus, das das Krim-Kongo-Fieber verursacht, das mit schweren Blutungen einhergehen kann. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (Berlin) sind Hyalomma-Zecken seit 2017 auch in Deutschland nachgewiesen. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 19 Exemplare in acht Bundesländern (Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Berlin und Schleswig-Holstein) gefunden. Laut Institut trug keine dieser Zecken Infektionserreger wie zum Beispiel das Krim-Kongo-Virus in sich.

2018 wurden zwei Arten der Gattung Hyalomma in Deutschland nachgewiesen: H. marginatum und H. rufipes. Bislang wurde noch nicht bei allen der nun entdeckten Zecken die Art bestimmt.

Weiter dominant bleibt in jedem Fall der sogenannte Holzbock als heimische Zeckenart, wie Mackenstedt sagte. Die von ihm übertragenen Erreger können Borreliose und FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) auslösen. Während die normalen Zecken nicht einfach zu sichten sind, sobald sie sich am menschlichen Körper festkrallen, spürt der Mensch den Angriff der Hyalomma-Zecke, sagt Expertin Mackenstedt: »Sie ist ja deutlich größer. Das merken sie, wenn die auf Ihnen herumläuft.«

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