Studie aus Hamburg
Ältere Kinder haben häufiger Antikörper gegen Sars-CoV-2

Von einer Herdenimmunität sind wir weit entfernt - das ist das Zwischenfazit einer Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf mit tausenden Kindern. Doch es zeige sich: Wie häufig sich Kinder infizieren, hänge vom Alter ab.

Freitag, 19.06.2020, 17:16 Uhr aktualisiert: 19.06.2020, 17:20 Uhr
Ania Muntau, Direktorin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE.
Ania Muntau, Direktorin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE. Foto: Georg Wendt

Hamburg (dpa) - Nur etwa 1,5 Prozent der in einer Hamburger Studie getesteten Kinder und Jugendlichen haben Antikörper gegen das Coronavirus im Blut.

Dies zeige, dass man von einer Herdenimmunität weit entfernt sei, wie die Forscher des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) bei der Vorstellung der Zwischenergebnisse sagten. Sie hatten bei insgesamt 2436 Kindern und Jugendlichen nach Antikörpern gegen das Sars-CoV-2 Virus im Blut gesucht. Nur bei 36 von ihnen fanden sie welche.

Ein weiteres Ergebnis der noch bis Ende Juni laufenden Studie: Bei älteren Kindern lassen sich häufiger Antikörper gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 nachweisen als bei jüngeren. «Das könnte damit zusammenhängen, dass diese Kinder mit zunehmendem Alter einen größeren Radius und eine vermehrte Kontakt-Aktivität nach außen haben», erklärte Ania C. Muntau, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des UKE. «Vielleicht ist es nur eine Frage des sozialen Verhaltens.»

In der Altersgruppe von 0 bis 9 Jahren hatte den Angaben zufolge ein Prozent einen positiven Antikörper-Nachweis, in der Altersgruppe 10 bis 18 Jahre waren es zwei Prozent. Der Unterschied sei statistisch signifikant. Die Wahrscheinlichkeit, einen positiven Antikörpertest zu haben, steigt bei den Kindern der Studie mit zunehmendem Alter, hieß es. «Mit jedem Lebensjahr um acht Prozent.»

Bei 3107 Probanden nahmen die Forscher einen Nasen-Rachen-Abstrich, um eine akute Infektion nachweisen zu können. Bei keinem der Kinder war das Ergebnis positiv. «Daraus können wir schlussfolgern, dass die Lockdown-Maßnahmen für die Kinder und Jugendlichen in Hamburg erfolgreich waren», sagte die Professorin weiter.

Auch 964 Kinder und Jugendliche mit chronischen Vorerkrankungen wurden untersucht. Interessant sei, dass Kinder mit Vorerkrankungen beim Antikörper-Nachweis seltener betroffen waren, sagte Muntau. Bei den Kindern ohne Vorerkrankungen seien es 1,7 Prozent, bei den mit Vorerkrankungen ein Prozent. «Das heißt vielleicht, dass sie mehr beschützt werden.»

In die Studie C19.CHILD Hamburg sollen Daten von rund 6000 gesunden und chronisch kranken Kindern und Jugendlichen mit und ohne Symptome einer Covid-19-Infektion einbezogen werden. An der Studie beteiligten sich neben dem Kinder-UKE auch alle anderen Hamburger Kinderkliniken.

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