Schriftsachverständige werden von Privatleuten und Behörden beauftragt
Ist das Testament echt?

Neuss (WB/dpa). Ist der letzte Wille eine Fälschung? Ist die Unterschrift unter der Bankvollmacht wirklich echt? Das sind Fälle für forensische Schriftexperten wie Gudrun Müller aus Neuss.

Freitag, 07.08.2020, 05:57 Uhr aktualisiert: 07.08.2020, 06:02 Uhr
Klaus Müller, Forensischer Schriftsachverständiger, betrachtet einen Text unter dem Mikroskop. Foto: Marius Becker/dpa
Klaus Müller, Forensischer Schriftsachverständiger, betrachtet einen Text unter dem Mikroskop. Foto: Marius Becker/dpa

Es gibt nur wenige Schriftsachverständige in Deutschland. Sie sind beim Bundeskriminalamt, den Landeskriminalämtern oder als private Anbieter tätig. „Vom einfachen Überweisungsbetrug bis zu Mord und Totschlag landet alles bei uns, wo Handschriften und Texte eine Rolle spielen“, sagt Gudrun Müller (54). Ihr Unternehmen untersucht, ob Schriften authentisch sind oder ob später hinzugedichtet, manipuliert oder gefälscht wurden. Die Fälle, mit denen sich die FTS (Forensische Text- und Schriftanalyse) befasst, sind vielfältig: Eine Pflegerin soll das Vermögen einer verstorbenen Dame erben, der leibliche Sohn geht leer aus – Zweifel an der Echtheit des handgeschriebenen Testaments kommen auf. Ein Drohbrief verängstigt, ein unbekannter Stalker schickt Botschaften, einem Mann wird Betrug mit gefälschten Dokumenten vorgeworfen, und er möchte seine Unschuld beweisen.

Auftraggeber für Schriftgutachten seien aber auch Gerichte, Staatsanwaltschaften, Behörden, manchmal Banken, Versicherungen, Anwälte und, Detekteien, wie ihr Mann Klaus Müller (57) erläutert. Häufig liegen Testamente auf seinem Tisch – oder unter dem Mikroskop. Vom Gericht kommt in den Nachlassverfahren dann das fragliche Schriftstück mitsamt Vergleichsmaterial.

Gutachten ein ausschlaggebender Faktor

In einer mikroskopischen Analyse und mit UV-Licht sucht Müller nach Hinweisen, ob dem letzten Willen womöglich von fremder Hand später noch etwas hinzugefügt wurde. Zu erkennen etwa daran, dass ein anderer Stift verwendet wurde. Dann folgt der Schriftvergleich. Ohne genügend Material zum Abgleichen funktioniere das nicht, sagt Müller, der ausgebildeter Graphologe ist.

Für Geschäftsführerin Gudrun Müller stehen als Linguistin bei der Frage nach der Autorenschaft vor allem Wortwahl und sprachlicher Ausdruck im Fokus. Auch hier gilt: Je umfangreicher das Material, desto besser. „Die Texte müssen immer aus dem gleichen Genre kommen. Also SMS werden mit SMS abgeglichen, handschriftliche Briefe mit Briefen, E-Mails mit E-Mails, Whatsapp mit Whatsapp.“ Aufschlussreich sind etwa Übereinstimmungen bei orthografischen Fehlern, beim Wortschatz, bei bestimmten sprachlichen Eigenheiten.

In Prozessen können Schriftgutachten ein ausschlaggebender Faktor sein. Beim Kölner Landgericht wurde jüngst ein Angeklagter auch mit einer solchen Expertise als Drogenhändler überführt. Bei ihm waren handgeschriebene Kundenlisten gefunden worden. Gerichtssprecher Jan Orth: „Etwa 25 Seiten nach dem Muster: Dieter 750, Klaus 330.“ Der Angeklagte leugnete eine Täterschaft. Die Kammer habe die Listen mit Schriftproben des Angeklagten vergleichen lassen. „Mit einer Sicherheit von 95 Prozent war der Mann der Schreiber.“

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