Trainer aus Hörstel bringt Tieren bei, das Virus zu entdecken
Die Corona-Schnüffler

Hörstel (WB). Donnie steckt seine Nase in jedes Loch – eines nach dem anderen sucht der belgische Schäferhund ab, bis er plötzlich verharrt und sich hinsetzt. Treffer! Donnie hat den richtigen Geruch erkannt, und zur Belohnung fällt ein Leckerli unten aus der Trainingsmaschine.

Montag, 07.09.2020, 04:30 Uhr aktualisiert: 07.09.2020, 07:38 Uhr
Rüde Donnie schnüffelt an verschiedenen Öffnungen. Erkennt er den Coronavirus-Geruch, gibt es ein Leckerli. Foto: Bundeswehr
Rüde Donnie schnüffelt an verschiedenen Öffnungen. Erkennt er den Coronavirus-Geruch, gibt es ein Leckerli. Foto: Bundeswehr

Donnie hat eine ganz besondere Aufgabe. Mit ihm und neun anderen Hunden wird gerade getestet, ob sie in der Lage sind, das Coronavirus am Geruch von Speichelproben zu identifizieren. Das ist das Ziel des ganz Forschungsprojektes der Schule für Diensthundewesen der Bundeswehr im rheinland-pfälzischen Ulmen in Kooperation mit der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Und ein Ehepaar aus Hörstel im Münsterland hat daran großen Anteil: Während Dr. Esther Schalke das Projekt leitet, trainiert Hans Ebbers in diesem Projekt Hundeführer und Hunde.

Hunde erriechen den Zellstoffwechsel

Dass Spürhunde in der Lage sind, Krankheiten aufzuspüren, ist nicht neu. An der molekularen Zusammensetzung eines Geruchs können diese Hunde nicht nur Sprengstoffe oder Drogen aufspüren, sondern auch verschiedene Krebserkrankungen oder die drohende Unterzuckerung von Diabetikern erkennen. So entstand die Idee für das Forschungsprojekt. Dr. Esther Schalke, Oberstabsveterinärin und Fachtierärztin für Tierverhalten, erklärt, was da passiert: Viren, sagt sie, seien nicht riechbar. „Aber Viren, die Zellen befallen, verändern den Zellstoffwechsel – und das ist es, was Hunde riechen können.“

Dazu wird nur ein bisschen Speichel benötigt. Da die Hunde bereits als Spürhunde ausgebildet sind, brauchten sie nicht viel Training, um den Geruch zu erkennen. „Obwohl ich dann doch erstaunt war, wie schnell das ging“, sagt Hans Ebbers. Er hat das „Detection Dog Training System“ erfunden, den Kasten mit den Löchern, mit dem die Hunde – Malinois, verschiedene Spaniel und ein Labrador – trainiert werden. Sehr schnell lernten die Hunde unabhängig vom Hundeführer, welcher Geruch zum Erfolg führt – und das in einer Woche.

Belastbare Ergebnisse in zwei bis drei Wochen

Zuletzt lag die Trefferquote der Hunde bei 94 Prozent – ein sehr guter Wert, sagt Ebbers. In zwei bis drei Wochen sollen laut Bundeswehr belastbare Ergebnisse vorliegen. Dann wird man wissen, ob die Hunde in der Lage sind, die Coronaviren aufzuspüren.

Forschungen, in denen es um die Detektion von Coronaviren durch Spürhunde geht, finden nicht nur in Deutschland statt: Auch in Großbritannien, Finnland und Frankreich befassen sich Experten mit diesem Thema. „Im Gegensatz zu den europäischen Kollegen nutzen wir den Speichel von infizierten Personen, in dem zunächst die Viren chemisch inaktiviert, also unschädlich gemacht werden.

„Speichel hat den Vorteil der schnellen und ortsunabhängigen Verfügbarkeit, wenn viele Menschen getestet werden “, sagt Paula Jendrny, die das laufende Forschungsprojekt als Doktorandin der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover begleitet.

Ziviler und militärischer Einsatz möglich

Wenn die Versuchsreihe mit den inaktiven Viren erfolgreich abgeschlossen wird, kommt die nächste Hürde: Dann muss auch die Detektion aktiver Viren im Speichel getestet werden. „Das muss dann unter ganz anderen Bedingungen stattfinden, schließlich müssen wir sicher sein, dass sich niemand an den hochinfektiösen Proben anstecken kann“, sagt Jendrny. Es ist also noch ein langer Weg, bis die Tiere vollständig einsatzfähig sind.

Und wenn es dann wirklich möglich sein sollte, Personen, die an COVID-19 erkrankt sind, mit Spürhunden zu identifizieren, werde eine Diskussion nötig sein, in welchen zivilen und militärischen Bereichen diese Hunde ihren Dienst verrichten sollen, sagt ein Bundeswehrsprecher.

Hans Ebbers bildet sie seit Jahren die unterschiedlichsten Spürhunde aus. Er ist Hauptkommissar und hat lange Diensthunde ausgebildet. Er ist geprüfter und zertifizierter Hundetrainer und betreibt die Firma Kynoscience, die sich auf das Coaching von Mensch und Tier und den den Einsatz von Spezialhunden ausgerichtet hat.

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