Forscher hoffen auf Gestein
China auf dem Weg zum Mond

Die junge Raumfahrtnation China will mit den USA und der Sowjetunion gleichziehen und Gestein vom Mond holen. Forscher setzen große Hoffnungen auf die Proben. Wie riskant ist der Flug?

Dienstag, 24.11.2020, 12:23 Uhr
Die Rakete vom Typ «Langer Marsch 5» startet vom Wenchang Space Launch Center Richtung Mond.
Die Rakete vom Typ «Langer Marsch 5» startet vom Wenchang Space Launch Center Richtung Mond. Foto: Mark Schiefelbein

Wenchang (dpa) - China hat erfolgreich eine unbemannte Mission zum Mond gestartet. Ein Lander der nach der chinesischen Mondgöttin «Chang'e 5» benannten Raumsonde soll auf dem Erdtrabanten landen und erstmals seit 44 Jahren wieder Gesteinsproben zur Erde zurückbringen.

Forscher warten mit Spannung auf das Mondgestein, das deutlich jünger sein wird als alle früheren Proben und darum neue Erkenntnisse über die Geschichte des Mondes liefern könnte.

Bei einer erfolgreichen Rückkehr wäre China nach den USA und der Sowjetunion in den 60er und 70er Jahren erst die dritte Raumfahrtnation, der ein solches Vorhaben gelingt. Mit einer Rakete vom Typ «Langer Marsch 5» hob das Raumschiff am frühen Dienstagmorgen Ortszeit (Montagabend MEZ) reibungslos vom Raumfahrtbahnhof in Wenchang auf der südchinesischen Insel Hainan ab.

Eineinhalb Stunden später faltete «Chang'e 5» seine Sonnensegel für die Stromversorgung aus. Wenig später verkündete der Kommandeur des Kontrollzentrums, Zhang Xueyu, den «vollen Erfolg des Starts von «Chang'e 5»». Die Raumsonde soll US-Experten zufolge am Sonntag in einem nach dem deutschen Astronomen Karl Rümker (1788-1862) genannten Vulkangebiet landen, das im «Ozean der Stürme» liegt - im oberen, linken Teil der erdzugewandten Seite des Mondes.

Der Wissenschaftsdirektor der US-Raumfahrtbehörde Nasa, Thomas Zurbuchen, gratulierte China zum erfolgreichen Start. «Der Mond ist ein aufregender Ort!», schrieb Zurbuchen auf Twitter. «Wir freuen uns darauf zu sehen, wie das Einholen der Proben die internationale Wissenschaftsgemeinschaft voranbringen wird.» Der Vizedirektor des chinesischen Mondprogramms, Pei Zhaoyu, sagte laut Nachrichtenagentur Xinhua: «Heimische und ausländische Wissenschaftler werden eine Chance haben, Mondproben zu bekommen.»

Der «Ozean der Stürme» ist nur 1,2 Milliarden Jahre alt. Das Mondgestein, das die USA und die Sowjetunion eingesammelt hatten, ist hingegen mit 3,1 und 4,4 Milliarden Jahren deutlich älter. Forscher erhoffen sich von den Proben neuen Aufschluss über die vulkanische Aktivität des Mondes. «Der Boden des Mondes ist wie ein Buch, das die Geheimnisse der Sonne, der Erde und des Mondes verbirgt», schrieb Xinhua unter Hinweis auf den Geologen Lin Yangting von der Wissenschaftsakademie.

Die Forschung könne zu einem besseren Verständnis des Sonnensystems und der Erde führen. Auch sei sie eine Grundlage für den Bau von Mondstationen und die Nutzung von Mondressourcen in der Zukunft, sagte Lin Yangting. Die Apollo-Missionen der USA hatten rund 380 Kilogramm Mondgestein mitgebracht. Die Sowjetunion sammelte 300 Gramm ein - zuletzt mit der unbemannten «Luna 24»-Landung 1976, als 170 Gramm Mondstaub zur Erde gebracht wurden.

Die Mission ist «eine der kompliziertesten und schwierigsten in der chinesischen Raumfahrtgeschichte», wie Xinhua schrieb. Erstmals würde eine chinesische Aufstiegsstufe wieder vom Mond abheben, Gesteinsproben mitnehmen und ein Docking-Manöver mit dem Orbiter 200 Kilometer über der Mondoberfläche vornehmen, bevor die Rückkehrkapsel zur Erde zurückfliegt. Ein solches Manöver sei für China bisher einmalig, sagte Peng Jing, Vize-Chefdesigner von «Chang'e 5», der Nachrichtenagentur. «Es wird sehr schwierig.»

Das mit 8200 Kilogramm bisher größte Raumschiff der «Chang'e»-Flotte besteht aus vier Modulen: dem Orbiter mit der Rückkehrkapsel sowie dem Lander mit der Aufstiegsstufe. Nach dem Aufsetzen auf der Mondoberfläche soll das Landegerät mit einem langen Arm rund zwei Kilogramm Mondgestein und Proben aus Bohrungen in bis zu zwei Meter Tiefe zusammentragen und in einer Kammer verstauen. Diese Aktion soll zwei Tage dauern.

«Auf dem Mond zu landen ist leichter als auf dem Mars», sagte der US-Raumfahrtexperte James Rice dem chinesischen Staatsfernsehen. «Aber Raumflüge sind weiter riskant.» Die Mission zeigt aus seiner Sicht, wie sehr sich China der Bedeutung der Raumfahrt für Forschung und Entwicklung bewusst ist. Der Flug wird «eine wichtige Grundlage für künftige bemannte Mondlandungen Chinas legen», sagte Vizedirektor Pei Zhaoyu laut Xinhua. Das Raumschiff soll am 16. oder 17. Dezember in der Inneren Mongolei landen.

China verfolgt ein ehrgeiziges Raumfahrtprogramm mit Missionen zum Mond und Mars sowie dem Aufbau einer eigenen Raumstation. Im Januar 2019 landete China als erste Raumfahrtnation mit «Chang'e 4» auf der relativ unerforschten erdabgewandten Seite des Mondes. Es wurde ein Rover ausgesetzt, der weiter die Oberfläche erforscht.

Der neue chinesische Mondflug erfolgt rund 51 Jahre nach der ersten bemannten Mondlandung der USA am 21. Juli 1969, bei der Neil Armstrong und Edwin «Buzz» Aldrin als erste Menschen die Oberfläche des Erdtrabanten betraten. Die USA haben sechs Mal Astronauten auf den Mond gebracht. Mit «Apollo 17» im Dezember 1972 stellten die USA ihre bemannten Mondlandungen ein.

© dpa-infocom, dpa:201123-99-438831/7

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7691683?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2509831%2F2198344%2F
Impftermin-Vergabe in NRW: Webseiten und Hotlines überlastet
Symbolbild
Nachrichten-Ticker