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Sportunfälle: Was Vereine bedenken sollten

Sportunfälle unter Bundesligaprofis oder auch in anderen professionellen Bereichen erlangen stets Beachtung. Doch auch im Amateurbereich sind Sportunfälle beinahe an der Tagesordnung: immer fällt ein Kind vom Pferd, der Stürmer wird übel auf dem Ascheplatz gefoult oder der Läufer knickt auf der ebenen Bahn um. Aber wie müssen Sportvereine reagieren, wenn es zu einem Unfall kommt?

Donnerstag, 07.01.2021, 03:42 Uhr aktualisiert: 07.01.2021, 16:56 Uhr
Sport: Sportunfälle: Was Vereine bedenken sollten
Sportunfälle können leider allzu leicht passieren. Wie sollten sich Vereine auf solche Momente vorbereiten? Foto: Alora Griffiths / Unsplash.com

Notarzt rufen

Im Ernstfall gilt immer: Rettungsdienste rufen.

Dieser Weg mag bei vielen Sportunfällen übertrieben wirken, doch sichert sich damit nicht nur der Verein, sondern auch der jeweilige Trainer ab. Einige Beispiele:

  • Reitunfall – ein Kind fällt vom Pferd. Es sieht nach einem kleinen Plumps aus, das Kind mag auch keine großen Schmerzen haben. Das kann allerdings auch der Schock sein. Niemand kann von außen garantieren, dass das Kind keine Wirbelsäulenverletzung erlitten hat.
  • Ascheplatz – das können die fiesesten Verletzungen sein. Was nach Schürfwunde aussieht, kann sich zu einer bösen Entzündung entwickeln, die einen mehrwöchigen Krankenhausaufenthalt nach sich zieht.
  • Umknicken – auch hier gilt: Von außen ist der Schaden nie definitiv zu beurteilen. Sicher, ein deutlich gebrochenes Bein erkennt jeder Laie, doch wer kann schon sagen, ob das Innenband oder ein Kreuzband gerissen ist?

Aus diesem Gründen ist es heute wichtig, dass sich Trainer selbst absichern und, insbesondere bei Minderjährigen, immer den Rettungsdienst kontaktieren. Und auch, wenn es hart klingen mag: Lehnt eine erwachsene Person den Rettungsdienst ab, so sollte der Verein sich sogleich eine schriftliche Bestätigung geben lassen.

Grundsätzlich ist ein Verein während der Trainingszeiten und Wettbewerben über den Vereinsstatus und die jeweiligen Versicherungen abgesichert . Es ist also kein rechtliches Problem, die Rettungskräfte zu konsultieren. Es ist nur ein Problem, dies nicht zu tun.

Erste Hilfe

Oftmals wird glaubt, die Erste-Hilfe-Maßnahmen bezögen sich auf den Straßenverkehr. Das ist jedoch falsch, denn die Pflicht zur Ersten Hilfe gilt bei Autounfällen ebenso, wie im Sportverein oder bei der Beobachtung des Leiterfalls eines Nachbarn. Leider sieht es gerade in Sportvereinen oft so aus, dass sich niemand ernsthaft an diese Maßnahmen traut. Daher sollte der Verein schon im Vorfeld agieren:

  • Handlungsaufforderung – ein fester Leitsatz, nach dem sich jeder Trainer, aber auch Jugendwart oder sonstiges Vereinsmitglied orientieren kann, hilft oft schon deutlich weiter. In Stresssituation ist es einfacher, sich an einer direkten Merkliste zu orientieren. Dieser Ratgeber zeigt auf, wie Vereine entsprechende Strukturen etablieren können und was dabei zu beachten ist.
  • Maßnahmen – Trainer, aber auch Jugendwarte und eventuell die Kapitäne eines Teams, sollten an Erste-Hilfe-Kursen teilnehmen. Der Verein investiert hier wieder in seine eigene Sicherheit. Es kann auch eine gute Idee sein, gemeinschaftlich mit dem Verein einen Erste-Hilfe-Kurs zu forcieren, an dem auch die Mitglieder und Sportler teilnehmen können. Die Rettungsdienste der Region oder auch die Feuerwehr bieten diesbezüglich oft sehr gute Angebote an.
  • Erstversorgung – wie auch im Auto muss es in den Vereins- und Trainingsräumlichkeiten einen Erste-Hilfe-Kasten geben. Bei Sportunfällen ist es zudem immer gut, wenn Kühlmaterialien vorhanden sind.
  • Einstellungskriterien – viele Sportunfälle passieren im Training. Ein Verein sollte also ohnehin dafür Sorge tragen, dass die Trainer und Verantwortlichen die Erste-Hilfe-Maßnahmen kennen und anwenden können. Je nach Sportart ist das sogar die Voraussetzung für den Trainerschein.

Wie wichtig die Erste Hilfe in Vereinen ist, wird immer häufiger in den Medien im Bereich Fußball aufgeführt. Etliche Spieler erlitten schwere Verletzungen, ohne dass jemand anwesend war, der die Schwere einschätzen konnten. Daher gilt:

Lieber einmal zu häufig den Rettungsdienst rufen.

Weitere wichtige Tipps

Je nach Sportart können sich Vereine durchaus schon auf die möglichen Verletzungen vorbereiten. Klar ist, wer auf Asche trainiert, der wird früher oder später diese Verletzungen haben. Im Fußball sind die Blessuren ebenso gut bekannt: Bänderrisse, Zerrungen, Brüche. Beim Reiten und Klettern sind hingegen schwere Kopf- oder Rückenverletzungen ein zu gängiges Bild.

Vereine können sich aber auch vorbereiten:

  • Absicherungen – gibt es für die Sportart sinnvolles Schutzmaterial, so sollte der Verein fest darauf bestehen. Es ist auch egal, ob der Lokalmatador des Reitsports seinen Kopf nicht schützen möchte: Nutzt er die Anlage, so hat er auch einen Helm aufzusetzen. Und: Kein Sprung ohne Weste.
  • Aufwärmen – ordentliches Aufwärmen schützt vor vielen Verletzungen. Leider wird es oft nicht allzu wichtig genommen. Das gilt insbesondere für Einzelsportler, die vor dem Gewichtheben oder Tennistraining ›mal eben‹ eine viertel Runde laufen. Auch dieser Punkt sollte gut kommuniziert und zur Pflicht gemacht werden.
  • Vorbereitung – trotz aller Vorbereitung wird es immer zu Verletzungen kommen. Kein Spieler ist davor gefeit, vom Gegner umgebolzt zu werden, kein Reiter bleibt ewig im Sattel. Spezifisch zur Sportart sollten die Verantwortlichen gut vorbereitet werden. Das mag damit beginnen, sicher verhindern zu wissen, dass sich der Reiter am Boden nicht mehr bewegt. Aber auch damit, wie und mit was gekühlt werden kann.

Der letzte Punkt ist, dass sich ein Verein ordentlich absichert und regelmäßig seine Versicherungen prüft. Beschäftigt er externe Trainer, so sollte er auch deren Versicherungsstatus im Auge behalten.

Grundsätzlich ist Sport natürlich immer ein Risiko. Unfälle können stets passieren, nur ist es der Umgang mit ihnen, der teilweise über die Schwere entscheidet.

Verletzung Hand

Erste Hilfe ist bei größeren Verletzungen zwar wichtiger. Aber auch kleinere Blessuren lassen sich schnell sinnvoll behandeln. Foto: Brian Patrick Tagalong / Unsplash.com

Fazit – Vereine müssen sich vorbereiten

Es gibt schlechtere Investitionen, als in regelmäßige Erste-Hilfe-Kurse zu investieren. Vereine tun gut daran, eigenständig dafür zu sorgen, dass ihr verantwortliches Personal im Ernstfall weiß, wie es zu entscheiden hat. Im wirklichen Notfall gilt zwar immer ›Rettungsdienst rufen‹, doch bis dieser eintrifft, kann schon viel falsch gemacht werden.

Auch muss das Equipment zur Ersten Hilfe stets griffbereit, aktuell und vor Ort sein. Zu oft wissen Trainer nicht einmal, wo sie den Kasten finden – verletzt sich nun ein Sportler, kann es schon zu spät sein.

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